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Deutscher Mittelstand mit Nachwuchssorgen

03.11.2015 – boerse_frankfurt_tdDer Mittelstand bildet gemeinhin das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Etwa 30 Prozent der Mittelständler spielt gar in der Champions League der Weltmarktführer. Dennoch haben gerade familiengeführte Unternehmen nicht ganz unerhebliche Nachwuchssorgen. Ein weiteres Problem: Nicht alle Unternehmen sind fit für die Zukunft.

So kommt eine Studie von Ernst & Young von Oktober 2015 zu dem Ergebnis, dass lediglich elf Prozent des deutschen Wirtschaftsnachwuchses das eigene Familienunternehmen übernehmen wollen. Gerade mal vier Prozent wollen die Unternehmensnachfolge bereits direkt nach dem Studium aufnehmen. Rund zwei Drittel aller Befragten – etwa 60 Prozent – streben hingegen ein geregeltes Arbeitsverhältnis an.

Eine Folge davon: Die mittelständischen Unternehmen werden im Durchschnitt immer älter. So ist der Altersschnitt zwischen 2002 und 2013 von 45 auf 51 Jahre angestiegen, konstatierte Detlev W. Schlebusch, Geschäftsführender Gesellschafter der S+V GmbH, gestern auf dem Deutschen Mittelstandstag in Frankfurt am Main.

Doch nicht nur der Nachwuchs und die Alterung der Unternehmerschaft machen dem deutschen Mittelstand zu schaffen. “Viele Nachfolgeregelungen sind unmöglich, da inhabergebundene Geschäftsmodelle kaum übertragbar sind”, so Schlebusch weiter. Daher müssen sich auch klassische Unternehmensmodelle wandeln, so seine Bestandsaufnahme.

Dabei sind nicht ein entsprechender Internet-Vertrieb sowie die Nutzung von Social-Media-Kanälen für den zukünftigen Erfolg unabdingbar. Besonders wichtig: “Der Vertrieb ist der Kopf der Schlange” stellt Schlebusch fest. Denn dieser lege die Grundlage für den künftigen Erfolg des Unternehmens.

Auch die Wahrnehmung als eigenständige Marke unterliegt einem steten Wandel: Denn auch “Marken können alt werden”, stellt Schlebusch fest, was unter anderem auch auf einen altersbedingten Rückgang der bisherigen Kundschaft zurückzuführen sei.

Schlebusch riet hingegen davon ab, an alten Erfolgen festzuhalten: “Ein Hoffen auf alte Erfolge hilft nicht, da dieser Faden längst zerrissen ist”. So fiel sein Ratschlag entsprechend klar aus, den er der versammelten Unternehmerschaft ins Stammbuch schrieb: “Überleben wird nicht der Stärkste, sondern der Anpassungsfähigste”.

Dennoch ist der deutsche Mittelstand “in unheimlich vielen Branchen sehr innovativ und sehr erfolgreich unterwegs”, stellt Nicole Weyerstall, Vorstand im Kundensegment Mittelstand der Zurich Deutschland, fest. 30 Prozent der Unternehmen sind Weltmarktführer und haben “ein Produkt entwickelt, dass es in dieser Güte so noch nicht gibt”, konstatiert Weyerstall. Dies macht gerade kleine mittelständische Unternehmen besonders interessant für Übernahmen – allerdings auch besonders anfällig für Risiken, insbesondere aus der digitalen Welt (siehe DOSSIER). (td)

Bild: Der deutsche Mittelstand diskutierte gestern im altehrwürdigen Gebäude der Industrie- und Handelskammer am Frankfurter Börsenplatz über die Herausforderungen der Zukunft. (Quelle: td)

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