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“Deutsche Wirtschaft ist robust, aber nicht immun”

08.09.2016 – Atradius_Michael_Karrenberg - quelle AtradiusDie deutsche Wirtschaft stehe momentan fest auf beiden Beinen, doch würden auch hierzulande strukturelle Probleme schwelen, schreibt Michael Karrenberg in einem Gastkommentar für VWheute. Der Regional Director Risk Services Germany bei der Atradius Kreditversicherung ist beim heutigem GVNW Symposium in München einer der Teilnehmer des Diskussions-Panels “Einfluss volkswirtschaftlicher Entwicklungen auf Europa und auf deutsche Versicherungsnehmer”. 

Die deutsche Wirtschaft steht momentan fest auf beiden Beinen. Seit 2010 wächst die hiesige Konjunktur – und das scheinbar unbeeinflusst von weitreichenden wirtschaftlichen Erschütterungen wie beispielsweise der Euro- oder der Russland-Krise. Solide Exportzahlen, der hohe Binnenkonsum, eine gute Auftragslage in der Baubranche, steigende Steuereinnahmen oder ein robuster Arbeitsmarkt − das sind nur einige der Belege für die aktuell gute Lage.

Ob diese positive Entwicklung auch weiterhin anhält, ist derzeit angesichts zahlreicher externer Risikofaktoren jedoch unsicher. Letztlich ist auch die Vorzeigewirtschaft Deutschland – wir erinnern uns nur einmal an die jüngste Finanz- und Wirtschaftskrise – natürlich nicht immun gegen sämtliche makroökonomischen Entwicklungen. Langfristig im Blick behalten sollten deutsche Unternehmen aktuell die Stabilität der Europäischen Union. Viele Beobachter haben das Votum der britischen Bevölkerung für den Brexit als deutliches Alarmsignal gedeutet. Zwar dürfte der Austritt Großbritanniens aus der EU erst mittel- beziehungsweise langfristig Konsequenzen für deutsche Unternehmen nach sich ziehen (und dann auch nur in bestimmten Branchen wie die Automobil-, die Textil- oder die Schuhbranche). Dennoch: Auch andere EU-Mitglieder gehören zu den wichtigsten Exportpartnern Deutschlands. Ob die EU zusammenbleibt oder sich in mehrere Teile aufteilt, wird tiefgreifende Folgen für das Land haben.

Darüber hinaus hängt das Wohl der deutschen Unternehmen auch künftig stark von China und den USA ab. Die zwei weltweit größten Volkswirtschaften sind neben der EU wichtige Exportdestinationen, außerdem haben sie großen Einfluss auf die Weltwirtschaft sowie auf die Volkswirtschaften der EU-Partner Deutschlands.

Eine weiteres wichtiges Spielfeld ist der Rohstoffmarkt: Deutschland ist ein Exportland für Hightech, der Bedarf des Landes für Rohstoffe ist sehr hoch. Die Rohstoffpreise waren in den vergangenen zwei Jahren sehr volatil. Vieles deutet darauf hin, dass sich dieser Trend fortsetzt und ein immer schwerer wiegendes Problem wird.

Die Deflation ist bereits jetzt ein bestehendes Risiko und könnte in zwei bis vier Jahren ein deutlich höheres Risiko darstellen. Obwohl die Europäische Zentralbank bereits Maßnahmen gegen eine Deflation ergriffen hat, ist nicht klar, ob diese erfolgreich sein werden. Schlussendlich schwelen auch in Deutschland einige strukturelle Risiken, beispielweise die alternde Bevölkerung oder der Notwendigkeit, in Technologieinfrastrukturen zu investieren und das richtigen Umfeld für Innovationen zu schaffen.

Wie sollte man mit diesen (makro-)ökonomischen Herausforderungen umgehen? Besonders für die exportorientierte deutsche Wirtschaft gilt es,  sämtliche politischen und wirtschaftlichen Einflussfaktoren genau zu beobachten und Entscheidungen mit kompetenten externen Partnern und allem zur Verfügung stehenden Wissen vorzubereiten – um auch künftig weiterhin auf wirtschaftlich festem Boden zu stehen.

Bild: Michael Karrenberg ist Regional Director Risk Services Germany, Central, North, East Europe & Russia/CIS bei der Atradius Kreditversicherung.

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