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DAV stellt neuen Höchstrechnungssatz vor

30.04.2015 – Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) wird künftig die langfristigen Folgen der aktuellen Niedrigzinsphase stärker als bisher in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Das kündigte der neue Vorstandsvorsitzende der DAV, Wilhelm Schneemeier, gestern während seiner Antrittsrede vor der Mitgliederversammlung in Berlin an.

Schneemeier ist seit 2002 Geschäftsleitungsmitglied der Swiss Life Niederlassung für Deutschland und tritt an der DAV-Spitze die Nachfolge von Rainer Fürhaupter an, der Mitglied des Vorstandes bleibt. Auch die Aktuare, so Schneemeier weiter, müssten die Politik immer wieder auf die Tragweite der Tatsache hinweisen, dass die Lebensversicherer aufgrund der geltenden Bilanz- und Solvenzvorschriften die niedrigen Zinsen noch sehr lange Zeit festschreiben müssen. Auch steigende Zinsen würden kurzfristig nicht zur Problemlösung beitragen (siehe DOSSIER).

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In diesem Zusammenhang stellte die DAV ein neues, zweistufiges System des Höchstrechnungszinses vor, um auch unter Solvency II dieses deutsche Erfolgsmodell beibehalten zu können. Er soll aus einem anfänglichen und einem Wert ab dem 16. Vertragsjahr bestehen, die beide bei Vertragsschluss festgelegt werden. “Die Bewertung soll zu großen Teilen auf bereits absehbare Kapitalerträge setzen und nicht zu sehr auf Vermutungen”, erklärte DAV-Vorstand Johannes Lörper.

In einer Fachdiskussion zum Thema Zukunftsfähigkeit der Altersvorsorge gab es Konsens darüber, dass an einem Mix aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Altersvorsorge kein Weg vorbei gehe. Über die Ausgestaltung hingegen könne diskutiert werden. So plädierte etwa Stefan Oecking, Vorstand des Instituts der Versicherungsmathematischen Sachverständigen für Altersversorgung, dafür, die Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung (bAV) durch Vereinfachung zu erhöhen.

Heribert Karch, Vorstandsvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für bAV, sieht vor allem im Administrationsaufwand für kleine und mittlere Unternehmen viel Potential für Vereinfachung. Insgesamt hält er gelenkte, kollektive Systeme, an denen sich die Arbeitgeber beteiligen – wie die bAV – für unverzichtbar. Er befürwortete die Absicht der Bundesregierung, in der bAV die Position der Tarifparteien zu stärken, um die Erwerbsgruppe zu erreichen, die bisher bei zusätzlicher Vorsorge fast ganz außen vor sei: die Niedrigverdiener. Insgesamt dürfe man in der Politik aber nicht bei der Gerfahrenabwehr bleiben, sondern müsse proaktiv handeln.

Für Oecking gibt es noch eine weitere Möglichkeit die Finanzkraft der Niedrigverdiener zu stärken: das Rentenniveau der sehr gut Verdienenden zugunsten geringer Einkommen zu senken und so die Lebensleistung dieser Menschen zu würdigen. Michael Meister, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, beharrte auf der Auffassung, dass für jeden Menschen das Prinzip “Eigenvorsoge geht vor Solidarleistung” gelte und man dafür mehr Anreize schaffen müsse. Die Riester-Förderung gehe bereits in die Richtung, dass niedrige Einkommen aus Steuermitteln gefördert werden. (epo)

Bild: Der neue DAV-Vorstand (v.l.): Rainer Fürhaupter, Wilhelm Schneemeier und Johannes Lörper (Quelle: epo)

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