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China: Die Wirtschaftslage ist nur halb so ernst

26.08.2015 – yan_heng_k-0814-150Die Entwicklungen an den Börsen sind normalerweise ein wichtiger Wirtschats- und Finanzindikator. Aber die chinesische Börse spielt keine Rolle als ein wahrer Indikator. Die dortigen Aktienmärkte sind eher ein Rummelplatz für die Spekulanten. Mehr als 90 Mio. private Anleger – mehrheitlich Rentner und Daytrader – kaufen und verkaufen die Aktien in übersensitiver Reaktion auf irgendwelche Nachrichten oder Gerüchte.

Die fundamentalen Wirtschaftsdaten werden meistens nicht beachtetet. Man orientiert sich fast nur nach markttechnischen Daten der Augenblicke. Der Kurseinsturz an Schanghaier Börse am letzten Montag lag hauptsächlich darin, dass sich die Regierung mit dem Eingreifen in die Märkte vermeintlich etwas zurückhält. Da brach die Panik von Millionen schon aus. Die Geschehnisse an der dortigen Börse können in der Tat nicht für bare Münze genommen werden.

Einige Daten zeigen, dass die chinesische Wirtschaft zwar schwächelt, aber nicht kriselt. In den letzten 20 Jahren hat es stets die Phasen gegeben, in denen die wirtschaftliche Entwicklung klemmte. Am Ende wurden die schwächelnden Phasen aufgrund der pragmatischen Politik und Konjunkturprogramme in großem und ganzem immer überwunden.

Anderseits ist es nicht möglich, dass die Wirtschaft eines Landes dauerhaft zweistellig wächst. Vor fünf Jahren, als die Wirtschaft den Schwung zu verlieren drohte, hat die chinesische Regierung ein Programm über 4.000 Mrd. Yuan-Programm (umgerechnet 540 Mrd. Euro) für die Infrastruktur-Investitionen in Gang gesetzt. Die Effekte dieses Programms klingen derzeit langsam aus.

Zusammen mit den zurückhaltenden Investitionen in den Wohnungsbau, dem verlangsamenden Export und auch nicht zuletzt mit der landesweiten Anti-Korruptionskampagne, die die Ausgaben von Unternehmen und privaten Personen für die Konsum- und Luxusgüter auf massive Weise reduziert hat, führt es zur gegenwärtigen Verlangsamung des Wachstums.

Man kann davon ausgehen, dass die Regierung und die Zentralbank nicht untätig zusehen werden, wenn die wirtschaftliche Entwicklung ernsthaft gefährdet wird. Mit der gigantischen Geldreserve, den konsumfördernden Programmen, dem Zinshebel, der Reduzierung der Reserve für Einlagen und Kredite etc. hat man im Reich der Mitte immer die Möglichkeit, einige Register davon zu ziehen, um die Wirtschaft auf den gewünschten Kurs zu bringen.

Die chinesische Zentralbank ergreift nun tatsächlich Maßnahmen. Zum Redaktionsschluss kündigt sie an, den Leitzins um 25 Basispunkte auf 4,6 Prozent und gleichzeitig den Satz der Sicherungsreserve für die Einlagen bei den Geschäftsbanken um 0,5 Prozent zu senken. (hy)

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