Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

- Anzeige -

Captive-Bewegung wehrt sich gegen “regulatorischen Overkill”

12.11.2014 – philipp-thomas-150Von VWheute-Korrespondent Philipp Thomas.

Das unter der Schirmherrschaft der europäischen Captive-Vereinigung ECIROA stattfindende European Captive Forum beschäftigt sich während einer gerade laufenden anderthalbtägigen Veranstaltung mit der radikalen Veränderung des Umfelds, in dem europäische Captives operieren. Ab 2016 sollen sie, wie andere (Rück-) Versicherer auch, unter Solvency II fallen.

Des weiteren beäugen nationale Steuerbehörden und auch die OECD immer kritischer die Transferpreise zwischen Konzerngesellschaften und den häufig steueroptimiert positionierten Captives. Ebenfalls wenig bekömmlich für den Captive Gedanken sind die sich immer höher schraubenden nationalen Prämiensteuern, die das Nicht-Versicherern im Vergleich zum Risikotransfer an eine Captive prämieren.

Die Einstellungen der Redner zu Solvency II und der immer weiter grassierenden aufsichtsbehördlichen Bürokratie schwankten zwischen resignierender Akzeptanz, insbesondere seitens der Captive Manager, die für ein mehr an Dienstleistung auch höhere Preise verlangen können bis zum Aufruf zur Rebellion. Urs Neukomm von SR Corporate Solutions sprach von „regulatorischem Narzissmus“. Es sei doch ein Unding, dass beaufsichtigte Unternehmen sich bereits jetzt im Wege des vorauseilender Gehorsams auf Bestimmungen einstellten, die noch nicht einmal in nationale Gesetze eingeflossen seien. Zu erwägen sei ein kollektiven Aufstand der Captive-Bewegung was den regulatorischen Overkill betrifft. In dasselbe Horn blies auch Günther Droese, Präsident von ECIROA und einstiger Captive Verwalter der Deutschen Bank. Droese hielt insbesondere die Komponente ORSA (own risk & solvency assessment) für gänzlich überflüssig was Captives angeht.

Immer wieder stellten Redner die Frage: Sind Captives Versicherer wie alle andere ? (und sollten sie entsprechend reguliert werden) oder aber stellen sie sehr spezielle Risk Retention Vehicles im bloßen Gewand eines Versicherers dar? Für den zweiten Standpunkt spreche dass Captives vergleichsweise wenige Risiken akzeptierten und somit einer weniger komplexen Struktur bedürften. Zunehmend würden sie überdies zur Zeichnung von bislang als unversicherbar geltenden Risiken eingesetzt, dies mit dem Zweck mehrjährige Erfahrungen zu sammeln und die Risiken anschließend an den traditionellen Markt abzugeben.

Ein Drittel der EU Captives gelten derzeit als überkapitalisiert, zwölf Prozent als ungenügend kapitalisiert. Rückversicherer beginnen spezielle Captive-Produkte zu lancieren, insbesondere eigenkapitalersetzende, mehrjährige, sämtliche Sparten abdeckende, Schadenexcedenten (multi-line / multi-year). Darüber hinaus sind Rückversicherer auch als Quotenübernehmer gefragt, die Beteiligung von unverwandten Dritten erleichtert nämlich Captives den Nachweis, dass die Zessionsbedingungen „at arm’s length“ seien, also einem Fremdvergleich standhielten (siehe DOSSIER).

Bild: Philipp Thomas. (Quelle: vwh)

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten