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Brauchen Versicherer eine Orsa-Architektur?

15.07.2014 – Heute geht es am zweiten Tag der Handelsblatt-Tagung “Neue Entwicklungen in der Versicherungsaufsicht – Solvency II, jetzt endlich Realität statt nur Theorie” um konkrete Schritte zur Implementierung der neuen Aufsichtsregeln im Rahmen von Solvency II. Bernhard Kaufmann, Group Chief Risk Officer der Munich Re spricht über das Thema “Risikostrategie – Pflicht oder Kür?” und Gerhard Stahl, in vergleichbarer Funktion beim Talanx Konzern, über das Thema Orsa “Report your own Cooking” spricht. Mit der Frage, ob Versicherer überhaupt eine Orsa-Architektur benötigen, hat sich Volker Klaas, vom gleichnamigen Management Consulting Unternehmen, in einem Aufsatz auseinandergesetzt.

Um den Umfang der mit dem Begriff Orsa verbundenen Themenstellungen zu beleuchten, bietet sich ein Blick auf den zu erstellenden Orsa-Bericht an: Prozesse und Verfahren; Methoden und Annahmen; Beziehungen zwischen Risikostrategie, Risikoprofil, Risikotoleranz und Solvenzkapitalanforderungen, die Häufigkeit der Orsa-Bewertungen, Datenqualitätsstandards usw. sind darin zu beschreiben. Eine vorausschauende Bewertung aller Risiken, auch jener, die in der Standardformel und vielen internen Modellen nicht oder nicht angemessen berücksichtigt werden, muss vorgenommen werden. Zusätzlich eine Beschreibung des Trigger- und Limitsystems sowie dessen konkrete Auslastung im Berichtszeitraum. Kernstück des Berichts ist aus Solvabilitätssicht natürlich die aktuelle und zukünftige Finanzstärke des Unternehmens, die man neben den Berechnungen nach Solvency II-Regeln auch der aktuell noch gültigen Bewertung nach Solvency I und bei Bedarf der Finanzstärke nach Regeln der Rating-Agenturen gegenüberstellen sollte. Dazu müssen Planungsannahmen, Stresstests, Szenarien und die für die Planung benutzten Verfahren und Modelle erläutert werden. Die Nutzer von (partiellen-)internen Modellen müssen sicherlich auch die Ergebnisse mit denen der Standardformel vergleichen und die Unterschiede bewerten. Die im Orsa-Prozess erarbeiteten Inhalte sollten schließlich zu Erkenntnissen führen, die in strategische und operative Entscheidungen einfließen. Folglich wird man risikobeeinflussende Maßnahmen aufgrund der Erkenntnisse aufsetzen.

Um die beschriebenen Inhalte eines Orsa-Berichts erzeugen zu können, bedarf es eines transparenten, nachvollziehbaren und effizienten Orsa-Prozesses. Eine Verzahnung mit dem Unternehmens-Planungsprozess bietet sich an, da Basisdaten und Annahmen der Planung für beide Prozesse genutzt werden können und alle Bereiche des Unternehmens in die Identifikation und Bewertung der aktuellen Risikosituation sowie möglicher zukünftiger Risiken einbezogen werden müssen. Der Orsa-Prozess muss sich darüber hinaus an den zuliefernden Risikomanagement-Prozessen orientieren und mit diesen verzahnt werden. Zudem sollte er für die Aufsicht nachvollziehbar implementiert werden. Zusätzlich sind zu jeder Durchführung Aufzeichnungen über die jeweilige Durchführung, die Kommunikation im Prozess und der Ergebnisse am Ende des Prozesses, der Datenfreigaben und Beschlussfassungen und der aktiven Einbeziehung des Managements nachvollziehbar zu führen, sowie die Dokumentation, in welche Prozesse die Erkenntnisse aus Orsa eingeflossen sind.

Aus den bisherigen Ausführungen wird deutlich, dass sich Versicherer sehr eingehend mit der Gestaltung des Orsa-Prozesses und dessen fachlich-inhaltlicher und technischer Implementierung befassen sollten. Selbst wenn man in der aktuellen Vorbereitungsphase Teile des Prozesses zuerst kurzfristig organisatorisch löst, sollte die verbleibende Zeit genutzt werden, den Prozess so zu gestalten, dass er ab 2016 so effizient wie möglich ablaufen kann. Denn der Aufwand, der jetzt investiert wird, macht sich später schnell bezahlt. Ebenso wie die Implementierung von technischen Lösungen und Lösungskomponenten, die die Dokumentation des Prozesses, die Automatisierungen von Datenbeschaffungen, die redaktionellen Arbeiten am Orsa-Bericht, die nachvollziehbare Ablage der Zulieferungen und die Workflow-Steuerung des Prozesses unterstützen. Eine Integration mit vorhandenen Planungswerkzeugen bietet sich an. Eine fachliche und technische Architektur mit einem hohen Grad an Automatisierung kann dabei hilfreich sein. (vwh)

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