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Besitzer von autonomen Autos haften bei Unfällen

09.09.2015 – Nikolaus Lang Boston Consulting - Quelle GorrErste autonome Autos werden 2025 auf dem Markt kommen. Bei Unfällen haften nicht die Hersteller, sondern die Besitzer, da sie für die richtige Wartung des Vehikels verantwortlich sind, lautet die Einschätzung der Autoren einer Boston Consulting-Studie. Technische Lösungen müssen noch für die Cyber-Sicherheit, die Herstellung hoch auflösender Straßenkarten und die Fahrzeug-zu-Fahrzeug-Kommunkation gefunden werden.

“Autonomes Fahren ist kein Fantasiedenken, das ist Realität. Bereits in Bergwerken oder in den Wäldern Kanadas werden selbstfahrende Trucks eingesetzt”, sagt Nikolaus Lang, Senior Partner und Leiter der globalen Taskforce “Mobilität-Konnektivität-Autonomie” der Boston Consulting Group (BCG). Der Mitautor der gestern veröffentlichten Studie “Revolution versus Regulation –The Make-or-Break Questions About Autonomous Vehicles”, die in Kooperation mit dem World Economic Forum (WEF) entstand, schätzt, dass erste autonome Fahrzeuge 2025 auf dem Markt kommen.

Versicherer müssten sich darauf einstellen, dass sie sowohl selbstfahrende Fahrzeuge als auch die von Menschenhand gesteuerte Autos versichern müssen. “Ein ‘Uber-Szenario’ mit Robotertaxis wird es nicht geben, eine Mehrheit der Konsumenten wird solche Fahrzeuge privat besitzen. Insofern wird weiterhin der Besitzer bei Unfällen haften, da er auch für die richtige Wartung eines solchen Vehikels verantwortlich ist“, sagt Mitautor Domenico Savarese, Global Head of Telematics and GI Proposition Development bei Zurich.

Ohnehin geben beide Experten zu verstehen, dass Europas Politiker die Wiener Straßenverkehrskonvention, wonach jeder Fahrzeugführer unter allen Umständen sein Fahrzeug beherrschen müsse, aufweichen wollen. Savarese ist überzeugt, dass die Unfallrate sinken werde, aber vereinzelte Verkehrszusammenstöße enorme Kosten für die Automobilhersteller verursachen. “Das werde die Autobauer jedoch nicht davon abhalten, weiterhin am automatisierten Fahren zu forschen. Zumal Konsumenten Umfragen zufolge lieber ihr Geld in autonome Vehikel investieren als in Elektromobilität und auch traditionelle Automarken bevorzugen als Google oder Apple”, erklärt Lang.

Die damit verbundene Datenschutz-Debatte sehen die Autoren der Studie gelassen. Erstens bedarf es gar nicht so viel Big-Data preiszugeben, um in den Komfort eines selbstfahrenden Autos zu kommen. Zweitens zeigen Studien, dass Autobesitzer offen mit dem Thema umgehen, wenn man ihnen genau erklärt, für was diese Daten eingesetzt werden.

Bevor die Vision vom autonomen Fahren realisiert werden kann, steht die Industrie noch vor drei großen technischen Problemen. Cyber-Attacken seien unvermeidbar, wenn es nur ein Network beim Auto zu knacken gebe. “Ein einziges Network für das ganze Autosystem reichte bisher aus, weil das Auto offline war. Wir müssen sicherstellen, dass beispielsweise der Bereich Infotainment mit der Außenwelt kommunzieren kann, aber die davon getrennte Steuerung des Fahrzeugs offline bleibt”, erklärt BCG-Experte Lang.

Ferner müsse die Auto-zu-Auto-Kommunikation aufgebaut werden. Ohne diesen Zusatz sei der Fahrstil jedes autonomen Autos “defensiv” eingestellt. Ebenso bedarf es hochentwickelter digitaler Straßenkarten mit Real-Time-Informationen. Überholmanöver erscheinen mit dem bisherigen Stand der GPS-Technik unmöglich, da das autome Fahrzeug nicht erkennen kann, auf welcher Spur es sich befindet. (dg)

Bild: Nikolaus Lang, Senior Partner und Leiter der globalen Taskforce “Mobilität-Konnektivität-Autonomie” der BCG. (Quelle: David Gorr)

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