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Beitragsorientierte Pensionszusagen für Vorstände

04.11.2014 – peter_doetsch_vvw_autor_150Gastbeitrag von Peter A. Doetsch, Rechtsanwalt und Mediator in Wiesbaden.

Der Umstieg von endgehaltsabhängigen Leistungszusagen zu beitragsorientierten Pensionszusagen für Vorstände ist weit fortgeschritten. Das Beitragsniveau übersteigt in vielen Fällen aber das angemessene Maß. 29,9 Mio. Euro Pensionsrückstellung für einen einzigen Vorstand – das ist die Spitze des Eisbergs. 

Ein Blick auf die Leistungs- bzw. Beitragshöhe bei Pensionszusagen an Vorstände von DAX30- und MDAX-Unternehmen zeigt, dass diese vielfach nicht mehr im System, aber in der Wertigkeit völlig von Pensionszusagen an die allgemeine Belegschaft entkoppelt sind. Die Beitragssätze betrugen 2013 im Durchschnitt rund 50 Prozent (DAX) bzw. 45 Prozent (MDAX) der Festbezüge, was bereits nach 15 bis 20 Vorstandsjahren zu einer Vollversorgung führt.

2013 hat der pro Vorstandsjahr erdiente Barwert bei den DAX30 Unternehmen im Durchschnitt eine Mio. Euro betragen. Es ist zu vermuten, dass sich nicht alle Aufsichtsräte darüber im Klaren sind, welche Zusatzkosten pro Vorstandsjahr alleine mit den Pensionszusagen ausgelöst werden. Hohe Pensionsansprüche in nur wenigen Vorstandsjahren sind ein deutscher Sonderweg. Auch aufgrund steuerlicher Vorschriften wir im Ausland nur bei langjähriger Tätigkeit ein voller Versorgungsanspruch erreicht.

Deutschen Aufsichtsräten ist für die Zukunft zu empfehlen, Vorständen eine Vollversorgung erst nach 20 bis 25 Vorstandsjahren zu gewähren. Dafür genügt ein Versorgungsbeitrag von 25 bis 30 Prozent der Festbezüge. Die bisherige Praxis führt angesichts der Tätigkeit von Vorständen nicht selten in mehreren Gesellschaften zu einer starken Überversorgung.

Angesichts einer nicht ganz unbedeutenden Zahl von börsennotierten Unternehmen, die noch die klassische endgehaltsabhängige Leistungszusage verwenden, gegebenenfalls mit einem Sockel der schon nach kurzer Vorstandszeit einen hohen Pensionsanspruch bewirkt, ist an die verantwortlichen Aufsichtsräte zu appellieren, wie bei Arbeitnehmern auch bei Vorständen zu beitragsorientierten Zusagen zu wechseln. Dabei sollten die Fixbezüge als Basis dienen und übliche Nebenbedingungen vereinbart werden.

Ein letzter Appell geht an den Gesetzgeber: Es ist an der Zeit, dass die Offenlegung zu Pensions­verpflichtungen von Vorständen stärker normiert wird. Bisher findet sich in den Bilanzen alles, vom Ausweis der Service Cost, über den Pensionsaufwand mit und ohne Zinsaufwand bis hin zur bloßen Zuführung zur Pensionsrückstellung. Dies auf Basis von sehr unterschiedlichen Zins- und Trendannahmen. Empfehlenswert wäre, dass alle Aktien­gesellschaften die Kosten von Vorstandspensionszusagen in Form einer für alle Unternehmen nach identischen Prämissen berechneten fiktiven Versicherungsprämie ausweisen müssen.

Siehe auch: Versorgungszusagen an Gesellschafter-Geschäftsführer und -Vorstände: Steuerliche Anerkennung – Insolvenzsicherung – Gestaltung – Mustertexte, von Peter A. Doetsch, erschienen im Verlag Versicherungswirtschaft.

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