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D&O-Bedarf für Aufsichtsräte steigt

17.10.2016 – DO1_OtteDer Markt für D&O-Versicherungen („Director’s & Officers“) sei nach wie vor weitestgehend intransparent, bemängelte Harald Köberich (Köln), Financial Lines spezialisierter Versicherungsmakler, auf dem 7. Haftpflichtforum des Seminars für Versicherungswissenschaft an der Universität Hamburg. Was vor allem fehle, seien einheitliche Marktdaten.

In Deutschland gibt es rund 40 Anbieter von D&O Versicherungen mit großen Deckungsunterschieden. Diese spezielle Versicherungsart soll Unternehmen und ihren Organmitgliedern Schutz vor finanziellen Folgen von Vermögensschäden aufgrund schuldhafter gesellschaftsrechtlicher Pflichtverletzungen bei der Ausübung ihrer Tätigkeit bieten. Vor rund 430 Fachleuten aus Wissenschaft, Versicherungswirtschaft und der Maklerschaft berichtete Köberich über das teilweise schlechte Image von D&O-Policen in der Öffentlichkeit, weil der eine oder andere Schadenfall mit hohen Schaden- bzw. Versicherungssummen nicht reguliert wurde.

Zudem kritisierte er die Versicherer, die trotz deutlicher Zunahme des Geschäfts kein zusätzliches Personal zur Verfügung stellten. Das gehe zu Lasten der Servicequalität. Der Experte stellte fest, dass der Regelungsbedarf für ausscheidende Führungskräfte deutlich zugenommen habe. Verstärkt würden entsprechende Haftungsverpflichtungen für die Zeit nach dem Ausscheiden vereinbart. Nepomuk Loesti, Financial Lines Manager für die Dach-Region von AIG (Frankfurt/M.), berichtete von steigenden Schadenzahlen für sein Unternehmen. D&O-Schäden beträfen in Deutschland hauptsächlich Insolvenzen, den Regress von Bußgeldern und von Innenregressen.

Dynamisch entwickele sich das Geschäft bei Aufsichtsratsdeckungen mit einem spürbaren Anstieg von Anfragen und Abschlüssen im Mittelstandsegment. Der D&O-Markt sei von Konflikten geprägt, konstatierte Roland Michael Beckmann, Universität Saarbrücken. Er bezog sich dabei auf das Thema der Auskunftsobliegenheiten des Versicherungsnehmers und der versicherten Person nach einem Schadenfall. Die Rechtsprechung zeige keine eindeutige Linie auf, so dass der Umfang der Aufklärungsarbeit im Einzelnen strittig sei.

Björn Seitz, Partner der Kanzlei BLD (Köln) und Fachanwalt für Versicherungsrecht, meinte, dass der Kampf um Informationen nach einem Schadenfall oftmals kontraproduktiv sei, weil ein schlecht informierter Versicherer in aller Regel keine schnelle Deckungs- und Haftungsentscheidung treffen könnte. Der Entscheider im Versicherungsunternehmen werde im Falle mangelnder Informationen zur Abwehrdeckung oder Freistellung neigen und selbst bei einem Prozess eher Kontra und keinem Vergleich zugeneigt sein. (vwh/wo)

Bild: 7. Haftpflichtforum des Seminars für Versicherungswissenschaft an der Universität Hamburg. (Quelle: Wolfgang Otte)

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