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Axa: Trump wirft Globalisierung um 30 Jahre zurück

22.11.2016 – Freiheitsstatue_Carl-Ernst Stahnke_pixelio.deMit dem Ergebnis der US-Wahlen steht wahrscheinlich nicht nur der Wirtschaft eine signifikante Wende bevor. Die Auswirkungen werden wohl auch in globalen Beziehungen und gesellschaftlichen Themen spürbar sein, so Laurence Boone, Head of Research bei Axa Investment Managers (Axa IM). Das Wahlergebnis könnte das Ende der Spekulationen bezüglich der lang anhaltenden Stagnation in den USA bedeuten.

Donald Trump scheint laut Axa entschlossen, die Konjunktur anzukurbeln. Die Nachfrage des öffentlichen und des privaten Sektors soll stark gefördert werden, die Fed dazu ermutigt, im Fall einer eintretenden Überhitzung den Zinssatz schneller erhöhen. Falls Trump seine Versprechen einlöst, könnte dem Finanzmarkt in den nächsten Jahren ein Boom-Bust-Zyklus bevorstehen.

Darüber hinaus ist ein Rückzug der USA aus der Global Governance (Handel, Finanzwirtschaft und Außenpolitik) nicht unwahrscheinlich. Ein radikales Zurückdrehen der Globalisierung der letzten 30 Jahre wäre die Folge. Zwar herrscht derzeit noch Unsicherheit vor. Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten wird jedoch nicht ohne Auswirkungen bleiben. Boone nimmt dazu vier politische Implikationen in den Blick.

So hat Trump mit den Republikanern Maßnahmen zur Steuersenkung und Investitionen in die Infrastruktur vereinbart. Ebenso steht der Wunsch nach der Erleichterung von Bankgeschäften durch das Außer-Kraft-Setzen von Teilen des Dodd-Frank-Acts im Raum. Laurence Boone erwartet daher, dass die Nachfrage des öffentlichen sowie des privaten Sektors steigt – allerdings eher mit einem Umfang von gerade einmal der Hälfte von Trumps ursprünglichem Vorschlag. Die depressive Stimmung durch die politische Unsicherheit sollte bis zum ersten Quartal 2017 verblassen. Es wird eine deutliche Erholung bis zum zweiten Halbjahr 2017 erwartet.

Zu Trumps Übergangs-Kabinett zählen Handelsexperten, die sich kritisch gegenüber dem aktuellen Handelsprogramm geäußert haben. Da der US-Präsident in diesem Punkt viele Freiheiten besitzt, sind Spannungen zu erwarten, besonders im Hinblick auf China. Auch Mexiko wäre betroffen – viele US-Firmen haben dort Produktionsstandorte. Der Handelsprotektionismus würde sowohl das US- als auch das internationale Wachstum lähmen. Doch selbst wenn Trump einige Punkte aktueller Handelsabkommen in Frage stellen könnte, mit spürbaren Auswirkungen wäre erst ab 2018 zu rechnen. China bleibt allerdings ein Risiko: Wenn das Reich der Mitte zum Gegenschlag ansetzt und seine Bestände an US-Staatsanleihen verkauft, könnte das nicht unerhebliche Auswirkungen auf die Finanzmärkte haben.

Trumps Interesse an einer Deregulierung des Finanzsektors könnte zu einem rapiden Anstieg der Kreditvergabe führen. Die Bewegungen der Aktienkurse in den Sektoren Finanzen und Versicherungen haben gezeigt, dass Trumps Vorhaben von den Märkten durchaus ernst genommen werden. Dazu passt, dass er wiederholt betont hat, es Menschen mit beschränkter Kreditwürdigkeit möglich machen zu wollen, einfacher Darlehen zu erhalten. Sollte dies schnell in die Wege geleitet und bei der Ernennung des Finanzministers verkündet werden – was aufgrund der Konvergenz der Übereinstimmung von Trumps Ideen mit dem republikanischen Mainstream durchaus möglich ist – könnte dies zu einem rapiden Anstieg von Hypothekenkrediten und KMU-Darlehen führen.

Wenn künftig tatsächlich mehr Bohrungen erlaubt werden sollten, wird dies laut Laurence Boone einen bisher unklaren Einfluss auf den Ölpreis haben. Derzeit sind die Ölpreise zu niedrig, als dass Ölunternehmen das mit neuen Bohrprojekten verbundene Risiko realistisch eingehen könnten. Trumps Vorhaben begünstigen daher die eher traditionellen Energieerzeugungsarten. (vwh/mv)

Bild: Freiheitsstatue (Quelle: Carl Ernst-Stahnke / pixelio.de)

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