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“Autodiebstahl ist hochorganisierte und professionelle Kriminalität”

12.08.2016 – peter_holmestoel_gdv“Autodiebstahl ist heute in den meisten Fällen hochorganisierte und damit äußerst professionelle Kriminalität, die Polizei und Autohersteller vor Probleme stellt”, konstatiert Peter Holmstoel, Leiter Kriminalitätsbekämpfung des Branchenverbandes GDV, im Exklusivinterview mit VWheute. Die Versicherer sehen die Verantwortung beim Diebstahlschutz trotz Sicherheitslücken aber bei den Herstellern.

VWheute: Der GDV hat in einer Studie aus dem Jahr 2014 die zwanzig am häufigsten gestohlenen Fahrzeugmarken ermittelt. Demnach sind 13 davon von den Ergebnissen der Sicherheitsforscher betroffen. Welche Auswirkungen hat das auf die Branche und wie sollten Versicherer darauf reagieren?

Peter Holmstoel: Das Phänomen der Autodiebstähle und der Diebstähle von Autoteilen ist nicht neu – früher reichte für das Öffnen eines Autos der Kleiderbügel und das Kurzschließen des Motors, und der Wagen war weg. Seit dem Höhepunkt Anfang der 90er-Jahre, als jährlich über 100.000 Pkw gestohlen wurden, sind die Sicherheitsvorkehrungen deutlich besser geworden und die Zahl der Diebstähle auf unter 20.000 pro Jahr gesunken.

Nichtsdestotrotz ist und bleibt Autoklau ein Thema: Im Jahr 2014 zahlten die Versicherer für entwendete Pkw eine Entschädigungssumme in Höhe von rund 262 Mio. Euro. Dazu kamen für 117.000 weitere Fälle Versicherungsleistungen in Höhe von 195 Mio. Euro für aus den Autos gestohlene Teile wie fest installierte Navis, Multimedia-Anlagen oder Airbags. Sind einzelne Auto-Modelle besonders häufig von Diebstählen betroffen und werden dementsprechend hohe Versicherungsleistungen fällig, wird dieser Umstand in der jeweiligen Typklasse berücksichtigt.

VWheute: Die Problematik ist nicht neu: Schlüssellose Zugangssysteme erleichtern den Autodiebstahl enorm. Der Besitzer muss der Polizei und seiner Versicherung den Diebstahl erklären, obwohl jegliche Spuren fehlen. Ist das Thema überhaupt für Versicherer relevant, schließlich sinkt die Zahl der Autodiebstähle kontinuierlich?

Peter Holmstoel: Versicherer gehen davon aus, dass ihre Kunden redlich sind und keinen Versicherungsbetrug begehen wollen. Bei Diebstählen empfiehlt der GDV grundsätzlich die Erstattung einer Strafanzeige, was übrigens oftmals auch nach den Versicherungsbedingungen gefordert wird. Wenn das ganze Fahrzeug geklaut wurde, sollten die Versicherten ihrer Kfz-Versicherung zudem folgende Dinge bzw. Dokumente vorlegen können: Alle Fahrzeug-Schlüssel und die Fahrzeug-Papiere, eine Abmeldebescheinigung von der Zulassungsstelle, die schriftliche Schadenanzeige und Angaben zum Wert des Fahrzeugs. Wenn fest mit dem Auto verbundenen Teile fehlen und “fachgerecht” ausgebaut wurden, so dass der Versicherte keinerlei Spuren – zum Beispiel Beschädigungen des Armaturenbretts – gegenüber dem Versicherer dokumentieren kann, kommt es auf die Umstände des Einzelfalls an.

VWheute: Leisten die Autohersteller wirklich genug, um Sicherheitslücken zu schließen?

Peter Holmstoel: Autodiebstahl ist heute in den meisten Fällen hochorganisierte und damit äußerst professionelle Kriminalität, die Polizei und Autohersteller vor Probleme stellt. Jedes neue Sicherheitssystem wird irgendwann von den Kriminellen geknackt und muss dann weiter verbessert werden. Wir betrachten neue Sicherheitslücken natürlich mit Sorge – und wo unser Know-how gefragt ist, stehen wir gerne mit Rat und Tat zur Seite und geben Hinweise. Aber Diebstahlschutz ist Aufgabe der Hersteller, denn nur sie können die Technik zum Schutz vor Diebstahl serienmäßig in die Fahrzeuge einbauen. Und ein guter Diebstahlschutz dürfte auch den Erwartungen der Kunden entsprechen.

VWheute: Was raten Sie den Autobesitzern?

Peter Holmstoel: Gegen die neu erkannte Sicherheitslücke scheint es bislang nur technische Abhilfe zu geben. Grundlegend sollten Autofahrer aber die folgenden Tipps beachten: Das Auto sollte möglichst nicht am Straßenrand oder in ungesicherten Carports geparkt werden, sondern in einer abschließbaren Garage. Wer keine Garage nutzen kann, sollte sein Auto am besten in gut beleuchteten und belebten Straßen abstellen. Auch bei kurzer Abwesenheit sollte der Zündschlüssel abgezogen und Fenster, Türen, Kofferraum, Tankdeckel, Schiebedach und natürlich ggf. auch das Cabrio-Dach geschlossen werden.

Beim Abschließen mit der Funkfernbedienung ist darauf zu achten, dass das Fahrzeug das Verriegeln durch ein optisches und /oder akustisches Signal quittiert. Diebe können das Funksignal mithilfe von Funkblockern stören. Originalpapiere gehören ebenso wenig ins Auto wie Zweitschlüssel. Bei Verlust eines Autoschlüssels sollte umgehend eine Fachwerkstatt aufgesucht werden. Diese kann gegebenenfalls den verlorenen oder geklauten Schlüssel sperren.

Werden aus einem Fahrzeug ein hochwertiges Navi oder andere fest installierte Teile geklaut, kommt es häufig vor, dass sich Diebe nach einer bestimmten Zeit dasselbe Fahrzeug erneut aussuchen, um die dann neu eingebauten Ersatzgerät zu entwenden. Autobesitzer sollten deshalb nach einem Navi-Diebstahl besonders aufmerksam sein, das Fahrzeug möglichst nur in einer Garage oder auf Parkplätzen parken, die als sicher gelten.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur David Gorr.

Bild: Peter Holmstoel, Leiter Kriminalitätsbekämpfung im GDV (Quelle: GDV)

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