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Auf GKV und PKV rollt eine Kostenlawine zu

29.01.2015 – Von VWheute-Hauptstadtkorrespondent Manfred Brüss.

Die fetten Jahre sind für die deutschen Krankenversicherer vorbei. Stattdessen stehen nach Auffassung der Ersatzkassen die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) wie auch die private Krankenversicherung (PKV) vor einem Kostenschub, zu dem auch die Reformpolitik der Bundesregierung beiträgt. Im Wettbewerb zwischen GKV und PKV sehen sich die Ersatzkassen klar im Vorteil.

christian_zahnDer Verband der Ersatzkassen (VDEK) sieht sich trotz eines zunehmenden Kostendrucks weiterhin auf Wachstumskurs. VDEK-Verbandsvorsitzender Christian Zahn sagte, im vergangenen Jahr seien bei einem Zugewinn von 528.000 Versicherten in der GKV allein 401.000 Neuzugänge bei den sechs Ersatzkassen zu verzeichnen gewesen. Mit 26,6 Millionen Mitgliedern habe man im Dezember 2014 einen Marktanteil von mittlerweile 37,7 Prozent erreicht. “Erfreulich ist auch, dass immer weniger Menschen von der GKV in die PKV abwandern”, so Zahn weiter.

2013 habe es erstmals wieder Wanderungsgewinne gegeben. “Und dieser Trend habe auch 2014 angehalten”, sagte VDEK-Vorstandsvorsitzende Ulrike Elsner gegenüber VWheute. Die PKV stehe auch unter einem weitaus höheren Kostendruck als die GKV. Die PKV leidet unter einem starren Regelwerk, das zu sprunghaften Beitragsanpassungen führt.

Für VDEK-Verbandschef Zahn ist klar, dass sich die Wanderungsgewinne der GKV gegenüber der PKV auch in den kommenden Jahren fortsetzen werden. „Ein beträchtlicher Erfolg, der uns zeigt, dass die Menschen die Leistungen der GKV zu schätzen wissen – von den qualitätsgeprüften Präventionsangeboten bis zur beitragsfreien Familienversicherung.“

Die GKV-Krankenkassen können seit Jahresbeginn die Beitragshöhe wieder selbst bestimmen. Die Ersatzkassen hätte es sich bei der Kalkulation der Zusatzbeiträge nicht leicht gemacht, sagte Zahn. Die vorsichtige Kalkulation trage dem Umstand Rechnung, dass sich die Finanzsituation der GKV 2015 und in den Folgejahren verschlechtern werde. Neben den allgemeinen Kostensteigerungen kämen auch Folgekosten der Reformpolitik der Bundesregierung zum Tragen.

vdek_ulrike_elsnerDerzeit befänden sich allein acht Vorhaben im parlamentarischen Gesetzgebungsverfahren. Allein die Krankenhausreform dürfte bis 2018 zu Mehrbelastungen von 1,4 Milliarden Euro führen. Elsner wies zudem auf den Kostenschub im Arzneimittelbereich hin, der allein 2014 zu Mehrausgaben von 1,1 Mrd. Euro geführt habe. Besorgniserregend sei, dass neue Medikamente im ersten Jahr keine Preisbindung unterlägen. “Diese Regelung lässt zu, dass Hersteller mit astronomischen Preisen an den Markt gehen.”

Allerdings rechnen die Ersatzkassen mit einem Anstieg der Zusatzbeträge auf bis zu 1,7 Prozent. Um die Beitragslast für die Versicherten erträglich zu halten, forderte Zahn die Rückkehr zur paritätischen Beitragsfinanzierung, eine Reservebegrenzung im Gesundheitsfonds von 35 Prozent einer GKV-Monatsausgabe und gleichzeitiger Ausschüttung der Überschüsse.

Bilder: Christian Zahn (Quelle: Manfred Brüss) und Ulrike Elsner (Quelle: VDEK)

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