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Aon: bKV boomt, braucht aber Unterstützung aus der Politik

29.09.2014 – aon_juettner_150Im Kampf um die besten Köpfe nimmt das Thema betriebliche Krankenvorsorge (bKV) für Unternehmen, die qualifizierte Mitarbeiter gewinnen und dauerhaft an sich binden wollen, einen zunehmend wichtigere Stellenwert ein. Auf der heute in Düsseldorf stattfindenden Konferenz der Süddeutschen-Zeitung (SZ) loten Vorstände, Ökonomen und Experten aus dem Gesundheitswesen “Neue Wege für Unternehmen und Versicherer” aus. Im Interview mit VWheute spricht Uwe Jüttner, Teilnehmer der Veranstaltung und bKV-Experte des Versicherungsmaklers Aon Risk Solutions über “Ist und Soll” des Marktsegments bKV.

VWheute: Wie effizient ist die bKV tatsächlich für Unternehmen?

Uwe Jüttner: Die Rückmeldungen, die wir von unseren Unternehmen und deren Mitarbeiter im Hinblick auf die bKV erhalten haben, sind äußerst positiv. Die Mitarbeiter schätzen besonders den uneingeschränkten Versicherungsschutz. Das heißt, jede Vorerkrankung ist ohne Wenn und Aber versichert. Je nach Vertragsgestaltung können sogar laufende Behandlungen mitversichert werden. Die Unternehmen verzeichnen im Gegenzug ein großes Plus an Mitarbeiterzufriedenheit. Auch die Zahl der Krankentage ist bei den Unternehmen zurückgegangen – in einigen Firmen haben sie sich mehr als halbiert.

Wie weit ist die Branche mit ihren Produkten?

Die Versicherer sind noch sehr in der reinen „Produktwelt“ unterwegs. Dabei müsste die bKV analog der bAV als Versorgungskonzept gesehen werden. Die gegenwärtig am Markt herrschende Tarifgestaltung (Neu und Umgestaltung) zeigt, dass in der bKV noch viel Entwicklungspotenzial steckt. Gerade im Bereich von Vorsorge muss ein Umdenken stattfinden. Viele Versicherer berufen sich bei ihren Leistungen noch zu oft auf die Statistik oder ärztliche Aussagen und sehen deshalb Leistungen nach Altersklassen vor. Eine Garantie, dass eine Erkrankung erst bei Erreichen eines gewissen Alters eintritt, kann aber niemand geben. Hier muss ein Gesamtkonzept entworfen werden – und zwar im Rahmen eines betrieblichen Gesundheitsmanagements. Denn Prävention geht weit über den medizinischen Bereich hinaus.

Wo gibt es Verbesserungsbedarf?

Verbesserungsbedarf gibt es in der politischen Akzeptanz der bKV. Der Bundesregierung muss klar werden: Um die Auswirkungen des demografischen Wandels zu mildern, muss die bKV im Rahmen der steuerfreien Zukunftssicherungsleistungen anerkannt werden. Unternehmen und Mitarbeiter benötigen Rechtssicherheit. Die Vorteile der bKV für unser Sozialsystem sind offensichtlich: Sie bietet im Rahmen eines betrieblichen Gesundheitsmanagements eine gute Möglichkeit, die gesetzlichen Kassen zu entlasten. Was also brauchen wir? Es wäre wichtig, dass eine gesetzliche Regelung in Form einer Durchführungsverordnung verabschiedet wird, die alle relevanten rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen eindeutig regelt. Das betrifft die großen Fragen genauso wie das Kleingedruckte. Ein Beispiel: Wie erfolgt die Versteuerung des geldwerten Vorteils, wenn der Mitarbeiter bei Arbeitsunfähigkeit aus der Entgeltfortzahlung ausscheidet? Eine klare Antwort hierauf gibt es leider nicht. Diese und andere Detailfragen müssen aber geklärt werden.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Alexander Kaspar (siehe auch KÖPFE).

Bild: Uwe Jüttner, bKV-Experte Aon Risk Solutions. (Quelle: Jüttner)

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