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Altersvorsorge: Wo steht die Schweiz?

29.08.2014 – Praktisch alle Industrienationen sehen sich mit den Herausforderungen der demografischen Alterung und einem anhaltenden Niedrigzinsumfeld konfrontiert. Beide Faktoren erschweren massiv die Finanzierbarkeit der Altersvorsorge. Auch in der Schweiz stellt man sich die Frage, was aus den Erfahrungen anderer Länder zu lernen ist.

Einigkeit herrschte unter den Experten bei einer Veranstaltung des Instituts für Versicherungswirtschaft St. Gallen in Bern, dass die Schweiz ein leistungsfähiges Altersvorsorgesystem hat. Trotz der guten Ausgangslage herrscht auch weitgehend Einigkeit, dass Reformbedarf besteht. Es gibt viele gute Reformvorschläge, aber deren Umsetzung wird als sehr schwierig erachtet. Alle Reformen der Altersvorsorge in den letzten zehn Jahren seien gescheitert. Vor dem Hintergrund der demografischen Alterung und dem Niedrigzinsumfeld könne die Schweiz sich aber nicht weitere zehn Jahre ohne Reformen leisten. Insofern bleibt zu hoffen, dass der Weg hin zu einer Altersvorsorgereform 2020 gefunden wird.

Schweizer Arbeitnehmer arbeiten laut Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sehr oft bis zum gesetzlichen Rentenalter, wobei die Arbeitsmarktbeteiligung älterer Arbeitnehmer seit 1991 gestiegen ist. Ein besonderer Vorteil der Schweiz besteht laut Allianz Pension Sustainability Index dabei in der ausgewogenen Balance zwischen umlagefinanzierter staatlicher Rente und kapitalgedeckter, privater Rente.

Stefan Loacker, CEO der Helvetia Gruppe, schlägt die Einführung automatischer Stabilisatoren vor, etwa eine schrittweise Anpassung des Regelrentenalters an die Entwicklung der Lebenserwartung. Auch empfiehlt er die sachliche Festlegung der technischen Parameter durch eine Expertengruppe.

Ivo Furrer, CEO Schweiz der Swiss Life, besprach die Rolle und Bedeutung der Lebensversicherer im Schweizer Vorsorgesystem. Ein besonderes Augenmerk legte er auf die politisch-regulatorischen Herausforderungen sowie auf Veränderungen im Kundenverhalten.

Markus Hübscher, CEO der Pensionskasse SBB, erläuterte am Beispiel der Pensionskasse der SBB die aktuellen Probleme der beruflichen Vorsorge. Den geringen Anlagerenditen stünden hohe Garantien gegenüber, welche substanzielle Umverteilungsprozesse von Jungen zu Älteren auslösen.

Für Heinz Zimmermann, Professor für Finanzmarkttheorie an der Universität Basel, ist gerade wegen der starken kapitalgedeckten Komponente die Schweiz reformbedürftig. Laut Zimmermann sollte die Existenzsicherung vollständig umlagefinanziert oder durch öffentliche Verschuldung finanziert werden. Das darüber hinausgehende Vorsorgemotiv (Lebensstandardsicherung) sei vollständig zu liberalisieren. Damit würde das komplizierte Berufliche Vorsorge Gesetz (BVG) vereinfacht und die persönliche Verantwortung gestärkt. (vwh)

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