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Berufsstand in Gefahr? “Aktuare sind keine Rechenknechte”

15.05.2015 – Algorithmen_Harry Hautumm_pixelioPredictive Analytics sind auf dem Vormarsch. DAV-Chef Wilhelm Schneemeier widerspricht für die Aktuare vehement der These, dass bald individuelle Tarife auf der Basis von individuellen Daten vollautomatisiert ganz ohne menschliches Zutun errechnet werden.

“Aktuare sind keine Rechenknechte, deren Arbeit von Computern eins-zu-eins übernommen werden kann”, entgegnet Wilhelm Schneemeier jüngst im Interview mit VWheute der Frage, ob Computerprogramme bald auch die Arbeit der Aktuare übernehmen.

“99 Prozent aller Entscheidungen in Unternehmen sollten automatisch getroffen werden”, sagt Michael Feindt, der Herr der Algorithmen. Es werde aber auch in Zukunft Fragen geben, die nur der Mensch beantworten kann – ethische und politische. Bei Routinefragen indes bleibt er dabei: “Der Mensch ist denkfaul. Wir sind nicht in der Lage, ständig gute Entscheidungen in gleichbleibender Qualität zu treffen”, zitiert ihn jüngst das Handelsblatt.

Wilhelm Schneemeier stellt für den Berufsstand klar: “Aktuare sind Experten der Risikosteuerung, die sich auf der Basis mathematisch-statistischer Methoden mit der Modellierung, Bewertung und Steuerung von Risiken auseinandersetzen. Das heißt nicht, einfach nur Zahlen zu produzieren, sondern die Ergebnisse durch mathematische Modellrechnungen zu interpretieren und ihre Auswirkungen einzuschätzen. Hierzu ist zudem ein betriebswirtschaftliches Verständnis unerlässlich. Nicht zuletzt ist es Aufgabe der Aktuare, ihre Arbeitsergebnisse so aufzubereiten und zu kommunizieren, dass die Entscheidungsträger im Management des Unternehmens verstehen und sich darauf stützen können.”

Aktuare würden darüber hinaus eine besondere gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Im Sinne des Versichertenkollektivs obliege es ihnen, sicherzustellen, dass die Versicherungsunternehmen langfristig ihre Verpflichtungen gegenüber den Versicherungsnehmern einhalten können. “Dafür braucht es Erfahrung und die kann kein Algorithmus in diesem Umfang ersetzen”, so Schneemeier. (ku)

Bildquelle: Harry-Hautumm/ pixelio

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