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Monte Carlo: Rückversicherer suchen Wege aus der Krise

16.09.2014 – montecarlo_2014_cpt_palmen_150Überangebot, Substitution und erhöhte Gruppenselbstbehalte kennzeichnen das Geschäft der Rückversicherer im Jahr 2014, so die Zusammenfassung der Branchen-Gemengelage aus Sicht von VWheute-Korrespondent Philipp Thomas in seinem Round-up zur diesjährigen Veranstaltung an der Côte d’Azur. Trotz eitel Sonnenschein und lauen Temperaturen ist die diesjährige Stimmung in Monte Carlo getrübt. Jedenfalls bei den Underwritern, Maklern ist die Adäquanz der im Markt geforderten Preise ziemlich gleichgültig.

Seit 9/11 verdienen Rückversicherer anständig. Dies scheint sich nun aber zu ändern. Grund ist die allmählich entstandene Überkapazität der Branche. Gemäß Alex Moczarski, President & CEO des Maklers Guy Carpenter (Teil von Marsh) liegen derzeit mindestens 28 Prozent der Kapazität brach. Branchenfremde haben Rückversicherungs-Gesellschaften ins Leben gerufen, Pensionsfonds und sonstige institutionelle Investoren beginnen, sich im Wege der Risikoverbriefungen, Side-cars und vermittels anderer innovativer Konstrukte indirekt an Risiken zu beteiligen, die bislang eine exklusive Domäne der Rückversicherer gewesen ist. Folge sei ein 2013er Abrieb bei den nicht-proportionalen Raten von 7 Prozent und ein weiterer in 2014 von 14 Prozent.

John Cavanagh, Willis Re Chairman, wies auf eine Analogie zu früheren Marktzyklen hin: Immer wieder habe es lang anhaltende Phasen unterdurchschnittlicher Cat-Aktivität gegeben. Underwriter hätten dann jeweils an die Nachhaltigkeit ihrer sprudelnden Gewinne geglaubt, Investoren hätten neue Rückversicherer kapitalisiert. Allmählich hätten sich dann jeweils Probleme eingestellt, etwa Nachreservierungsbedarf im Long-tail Geschäft.

Eigentlich wäre zu erwarten, dass in Zeiten günstiger Rückversicherungsdeckungen dank preiselastischer Nachfrage mehr davon gekauft würde. Laut Guy Carpenter gehen international agierende Assekuranz-Gruppen jedoch dazu über, Gruppenselbstbehalte festzulegen, die wesentlich oberhalb derjenigen für ihre Töchter liegen. Solche Selbstbehalte würden zunehmend in Gruppen-Captives gelaufen und somit den Rückversicherungsmaklern entzogen.

Im einen oder anderen Fall mag auch steuerliche Optimierung qua intra-group transfer-pricing das Motiv für derartige Gruppenselbstbehalte sein. Auf diesen Punkt angesprochen äußerte SCOR’s CEO Dennis Kessler, dass man seit einigen Jahren bereits große Versicherer wie Allianz und Axa berät, was den technisch richtigen und vertretbaren Preis bei Intra-group-Transaktionen betrifft. Im Gegenzug erhalte man zu diesen Bedingungen dann auch eine anteilige Zession.

In einer von S&P organisierten Gesprächsrunde wies Chris O’Kane, CEO von Chris Aspen Insurance (die Bermuda-Gesellschaft, die sich kürzlich erfolgreich gegen eine Übernahme durch John Charman wehrte) darauf hin, dass im Gegensatz zu früheren Zyklen diesmal die Raten nicht ins bodenlose fallen könnten. Grund dafür sei die von Aktuaren eingenommene Position in der Assekuranz. Mittlerweile sei man sich generell der Notwendigkeit bewusst, einen technischen Preis zu fordern und notfalls die Zeichnungstätigkeit temporär gänzlich einzustellen.

Torsten Jeworrek von Munich Re (MR) berichtete, es gäbe eine enorme Nachfrage von corporate clients was die Überwälzung der Langlebigkeitsrisiken in deren Pensionsfonds betreffe. MR reagiere hierauf aber eher zögerlich. Schließlich habe man es mit einem  zeitliche Horizont von 30 bis 50 Jahren zu tun. Dies könne MR für netto nicht laufen, zumal sich  kaum Diversifikationseffekte mit dem bestehendem Portfolio einstellten. Vielmehr fänden in eigentlich allen Weltregionen gleichförmige demographische Entwicklung statt. Aus dem Kumul über die regionalen Einzel-Akzepte könne sich eine Zeitbombe ergeben. Entsprechend hoch sei der Bedarf nach hohen Risikoaufschlägen. Andererseits stehe MR durchaus als Fazilitator (Umwandlung von Assekuranz- in Kapitalmarktprodukte) zur Verfügung. Bislang aber sei noch  recht wenig an externer Kapazität vorhanden.

Die einst der Finanzrückversicherung eher abholde MR bietet derzeit insbesondere Gegenseitigkeitsvereinen (die nicht einfach ihr Kapital erhöhen können) „Capital release transactions“ an, maßgeschneiderte Rückversicherungskonstrukte, die entweder den Solva-Bedarf reduzieren oder das regulatorische Eigenkapital erhöhen. Dankbare Kunden seien insbesondere von einer Rating-Rückstufung bedrohte Gesellschaften. Eingesetzt würden „multi-year customized quota shares“, loss portfolio transfers und adverse development covers.

Auch Scor bietet künftig verstärkt “alternate solutions” an. (cpt)

Bild: Tristesse in Monte Carlo. (Quelle: cpt)

(Siehe auch UNTERNEHMEN)

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