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Ägypten auf der Überholspur

07.08.2015 – Container_by_URSfoto_pixelio.deNach nur einem Jahr Bauzeit eröffnete Ägypten am Donnerstag offiziell den neuen Suezkanal, der die Einnahmen um 250 Prozent steigern soll. Parrallel zum Hauptkanal wurde auf einer Länge von 72 Kilometern eine zweite Fahrrinne für acht Mrd. Euro errichtet. Statt 18 dauere die Durchfahrt nun elf Stunden. Doch welche Route die Reedereien wählen, hängt weiterhin von den Passagekosten und dem Piraterie-Risiko ab.

Die Erweiterung des Kanals ist ein Nationalfeiertag. 30 Mio. Euro haben die Herrscher am Nil für die Feierlichkeiten springen lassen. Staatschefs aus aller Welt sind geladen. Vizekanzler Sigmar Gabriel erklärt: “Wir reisen dahin, weil Europa insgesamt ein großes Interesse daran hat, dass Ägypten stabil bleibt.”

Acht Prozent des Welthandels gehen durch die 150-jährige Wasserstraße, die das Mittelmeer über das Rote Meer mit dem Indischen Ozean verbindet. Kairo hofft auf eine Steigerung der jährlichen Einnahmen aus dem Kanal von derzeit rund 5,3 Mrd. US-Dollar auf 13,2 Mrd. (Steigerung von mehr als 250%) und eine Verdoppelung der den Kanal passierenden Schiffe bis zum Jahr 2023. Diese Prognosen zweifeln Experten an. Studien zur Wirtschaftlichkeit des Projekts liegen nicht vor. Bereits der alte Suezkanal ist nicht ausgelastet. Die Anzahl der Schiffe, die die Wasserstraße passieren, liege derzeit 20 Prozent unter dem Wert von 2008.

Bei Containerschiffen, die den Großteil der Kanalkunden ausmachen, gab es 2014 ein weltweites Wachstum von 5,5 Prozent. Der billige Treibstoff, immer größere Schiffe und das Piraterie-Risiko im Golf von Aden treiben Reeder dazu, auf die 4000 Kilometer längere Route um das Kap von Südafrika auszuweichen. 2013 betrugen die weltweiten Piratarie-Kosten der Reeder rund zwei Mrd. US-Dollar, schätzt der Verand Deutscher Reeder (VDR).

Zudem hänge vieles von den Passagekosten ab: Im Suezkanal zahlen die Schiffe pro Tonne Gewicht etwa acht Euro, was bei einem Megafrachter die Kosten für eine Durchfahrt auf 600.000 Euro steigen lässt. Im nächsten Jahr droht außerdem Konkurrenz aus Panama. Dort wird die Wasserstraße ebenfalls für Containerriesen erweitert. (vwh/dg)

Bildquelle: URSfoto / pixelio.de

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