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Agrarversicherer fordern PPP-Modelle zur Absicherung

03.02.2014 – kurt-weinberger-150Der Präsident der internationalen Vereinigung der Agrarversicherer, Kurt Weinberger, fordert zur Absicherung europaweiter Risiken wie Dürre und in der Folge Ernteausfälle das Instrument des Private-Public-Partnership (PPP), wie es in den USA oder Kanada bereits der Fall ist. Im Gespräch mit dem Chefredakteur der Versicherungswirtschaft, Heinz Klaus Mertes, bezeichnete Weinberger Dürre als das Risiko Nummer ein in Europa.

Auf die Frage, welche Risiken gelten als unversicherbar? Wo liegen die Grenzen der Versicherbarkeit? Welche erweiterten Agrarversicherungssysteme werden künftig notwendig sein – etwa mit staatlicher Flankierung?, antwortete Weinberger:

“Angesichts des steigenden Wetterrisikos werden künftig erweiterte Agrarversicherungssysteme notwendig sein, um auf Dauer einen stabilen Agrarsektor garantieren zu können. Wie das Beispiel USA zeigt, wird dort mehr als die Hälfte des Agrarbudgets für ein Einkommens-Absicherungs-System aufgewendet. In den USA übernimmt der Staat für umfassende Ernteversicherungen mehr als die Hälfte der Prämie, in manchen Versicherungsvarianten kommt der Staat sogar für 80 Prozent der Prämie sowie die kompletten Verwaltungskosten der Versicherer auf. Darüber hinaus gibt der Staat eine Rückversicherungshaftung für extreme Schadensfälle sowie für Risiken in Gebieten mit hoher Schadensanfälligkeit. Mit diesem beispielhaften private-public-partnership Versicherungsmodell soll erreicht werden, dass die Betriebe einerseits gegen Naturgefahren abgesichert sind, andererseits sollen für eine optimale Unternehmensplanung die produzierten Kulturen, die über die Börsen vermarktet werden, zu planbaren Preisen verkauft werden können. Die staatlichen Versicherungsprogramme teilen sich in zwei Gruppen: Absicherung des Mengenertrages und Absicherung des Einkommens. 75 Prozent aller versicherten Landwirte in den USA haben sich für die Einkommensversicherungsvariante entschieden. Im Falle von sinkenden Preisen erhalten sie eine Entschädigung.  Ernte- und Einkommensversicherungen sind in den USA angesichts des Klimawandels und der stark schwankenden Agrarpreise nicht mehr wegzudenken. Sie können keine Naturkatastrophen und extreme Preisschwankungen verhindern, aber sie verhelfen den Landwirten jedenfalls zu mehr Stabilität in der Betriebsführung. In weiterer Folge wird damit die Lebensmittelproduktion gesichert.”
Das Bundeslandwirtschaftsministerium kann dagegen solchen Vorstellungen eines Absicherungsbündnisses zwischen privater Versicherungswirtschaft und Staat politisch nichts abgewinnen.

Staatssekretär Peter Bleser formulierte auf Anfrage von VW-heute die offizielle Regierungslinie so: „Insgesamt kann sich die deutsche Landwirtschaft für viele Risiken auf funktionierenden privatwirtschaftlichen Versicherungsmärkten absichern. In Notsituationen, die den Einzelbetrieb überfordern, greifen zusätzliche Hilfeleistungen des Staates. Für Versicherungssysteme mit staatlicher Beteiligung, wie sie es z.B. in den USA gibt, sehe ich für Deutschland unter diesen Voraussetzungen derzeit keinen Bedarf.“
Das gesamte Interview, sowie eine umfassende Darstellung des Themas Agrarversicherung (u.v.a.m.) in der heute erscheinenden Ausgabe der Versicherungswirtschaft, Heft 2/2014. (vwh)

Foto: Kurt Weinberger, Präsident der Internationalen Vereinigung der Agrarversicherer: “Europaweit steht ganz klar das Thema Dürre im Vordergrund”. (Quelle: Raiffeisenzeitung/Unkart)

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