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Afrika setzt zum Sprung an

05.10.2016 – afrika_quelle Ulla Trampert_pixelio.deDie Mittelschicht wächst, doch Investoren lassen auf sich warten. “Unsere Branche muss erst noch ein Bewusstsein für die wirtschaftlichen Vorteile von Versicherungen schaffen”, erklärt Corneille Karekezi, CEO von Africa Re, auf der Konferenz der afrikanischen Rückversicherer. Auf der Agenda der Branche steht: Digitalisierung.

Kapitalflucht im Zusammenhang mit Geldwäsche und Terrorismus – diese regionalen Probleme diskutierten die afrikanischen Versicherungsunternehmen und Rückversicherer auf dem gestrigen 21. African Reinsurance Forum. Ansonsten treibt die Branche das Gleiche um, wie die Kollegen in Europa: Die digitale Transformation steht an, es wird über das Spannungsfeld von Liberalisierung und Regulierung diskutiert. Zudem sucht der afrikanische Ableger der Versicherungsbranche Anschluss an globale Entwicklungen.

Und doch unterscheiden sich die afrikanischen Märkte deutlich von jenen in den westlichen Ländern. So sind die meisten Versicherungsunternehmen sehr jung: “Mehr als 90 Prozent der Versicherer in Afrika wurden erst in den letzten 40 Jahren gegründet”, erklärt Corneille Karekezi. Die Versicherer müssten erst ein Bewusstsein dafür schaffen, dass sich ihre Aktivitäten positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung auswirken. Um die Marktaussichten mit Zahlen zu belegen, veröffentlichte Africa Re nun das “Africa Reinsurance Pulse 2016″. Für die Studie hat das Beratungsinstitut Schanz, Alms & Co. 22 regional agierende Branchenvertretern interviewt.

Mit einer Versicherungsdurchdringung von 2,9 Prozent beim Gesamtgeschäft bietet der Kontinent im Vergleich zum Weltdurchschnitt von 6,2 Prozent ein beachtliches Wachstumspotential – im Kontext eines positiven Trends beim BIP-Wachstum in den letzten 15 Jahren. Neben wachsenden Gütermärkten und Infrastrukturinvestitionen bildet sich derzeit ein gesellschaftlicher Mittelstand heraus. Im Durchschnitt steigt die politische Stabilität. Beste Voraussetzungen für inländische Unternehmen und für ausländische Investoren. Doch was erschwert den Markteintritt?

In afrikanischen Ländern kommunizieren Menschen mit geringem Einkommen fast ausschließlich mittels Handys und Smartphones. Das hat Konsequenzen für den Versicherungsvertrieb: 44 Prozent der Policen werden durch andere Anbieter als  Makler oder Vermittler (diese kommen nur auf 27 Prozent) verkauft. Hierunter zählen vor allem die Mobilfunkanbieter, andere Massenmedien und sogar Beerdigungsinstitute.

Anders als in Europa ist in Afrika die Microinsurance wichtigstes Versicherungsprodukt. Diese ermöglicht Geringverdienern und Einwohnern von wenig entwickelten Gegenden eine moderate Absicherung, beispielsweise gegenüber Elementarrisiken. Die stärksten Wachstumsmärkte für Rückversicherer sind dem Africa Re-Report zufolge Engineering, Landwirtschaft und Gesundheitswesen.

Afrika als einen homogenen Markt zu betrachten, ist allerdings zu kurz gedacht. Die nationalen Raten der Marktdurchdringung sind so vielfältig wie Kultur und Sprache des Kontinents: 64 Prozent in Südafrika, 24 Prozent in Ghana, null Prozent in zahlreichen Ländern. Noch warten die afrikanischen Versicherer auf die flächendeckende Entwicklung des Versicherungsmarktes, genauso wie auf lebendige Beziehungen zum internationalen Marktumfeld. (vwh/de)

Lesen Sie weiter zum Thema in MÄRKTE.

Bild: Sonnenuntergang in der afrikanischen Savanne. (Quelle: Ulla Trampert / pixelio.de)

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