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Zechprellende Metzger verunsichern Atradius

20.11.2017 – Schwein_Markus Walti_pixelio.deFür die fleischverarbeitende Industrie ist die Gefahr von Zahlungsausfällen in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Das betrifft deutsche Lieferanten und Dienstleister, wie der Kreditversicherer Atradius feststellt. Insbesondere die Verarbeiter von Schweinefleisch leiden. Die Situation scheint so dramatisch, dass oftmals geschummelt wird.

Laut einer internen Analyse sind besonders Unternehmen im Segment Schweinefleisch von einer schwierigen Liquiditätslage betroffen. Atradius rechnet damit, dass es in diesem Bereich auch künftig vermehrt zu Zahlungsausfällen und Insolvenzen kommen wird.

“Bereits seit Längerem sorgen steigende Kosten und schwindende Margen dafür, dass es für die Lebensmittelbranche jedes Jahr insgesamt etwas schwieriger wird”, sagt Michael Karrenberg, Regional Director Risk Services Germany, Central, North, East Europe & Russia/CIS. “Den schwersten Stand innerhalb des Sektors hat aktuell die fleischverarbeitende Industrie. Aus unserer Sicht ist es sehr wahrscheinlich, dass sich hier im Zuge von Konsolidierungen das Zahlungsrisiko weiter erhöhen wird.”

Besonders die steigenden Preise für Verarbeitungsstücke zur Herstellung von Wurstwaren würden die Branche belasten, insbesondere beim Schweinefleisch. Durch die höheren Beschaffungskosten verringern sich die Profite der Weiterverarbeiter, da sie in den meisten Fällen langfristige Verträge mit dem Handel haben und ihre Produkte nur zu festgelegten Preisen weiterverkaufen können.

Kleine Margen sich ändernde Kaufgewohnheiten

“Viele Unternehmen verfügen nur über eine geringe Markenausprägung und relativ leicht austauschbare Produkte. Preiserhöhungen lassen sich vor diesem Hintergrund kaum durchsetzen”, erläutert Karrenberg. “Gleichzeitig stellt die Beschaffung von Fleisch bei vielen Herstellern den größten Kostenblock dar. Die derzeitige Preisentwicklung wirkt sich deshalb besonders gravierend aus.”

Zusätzlich habe der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland den finanziellen Druck bei vielen Fleischverarbeitern vergrößert und es herrsche ein Überangebot an Standardfleischprodukten. “Die Tendenz vieler Verbraucher, immer mehr höherwertige Lebensmittel zu verzehren, dürfte sich auch künftig auf den Fleischmarkt und das Geschäft vieler Unternehmen auswirken”, erklärt Karrenberg. “Anbieter, die neue Nischen finden und sich auf hochwertige Angebote spezialisieren, werden die aktuelle Entwicklung am Markt deutlich besser überstehen.”

Zahlreiche Betrugsversuche erschweren Situation

Atradius beobachtet, dass Unternehmen der Lebensmittelbranche deutschlandweit überdurchschnittlich häufig von Betrug betroffen sind. “Im Durchschnitt vermerken wir wöchentlich zwei bis drei Betrugsversuche, die auf Nahrungsmittelanbieter hierzulande abzielen. Der Sektor ist damit der mit Abstand anfälligste. Das sorgt für zusätzliche Unsicherheiten und kann die Finanzlage eines Abnehmers zusätzlich verschärfen”, erläutert Karrenberg.

Das Schadenvolumen im deutschen Lebensmittelbereich ist im laufenden Jahr leicht gestiegen und macht derzeit rund elf Prozent des Gesamtschadenvolumens von Atradius in Deutschland aus. (vwh/mv)

Bild: Schwein (Quelle: Markus Walti / www.pixelio.de / PIXELIO)

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