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Wie geht Schadenmanagement innovativ?

24.11.2017 – plenum_schadenkongress_akSchadenmanagement als Kernkompetenz der Versicherungswirtschaft: Wo geht die Reise hin und wie können die Effizienzgewinne der Digitalisierung zum Nutzen von Kunden und Versicherer genutzt werden? “Ökosystem”, “Schadenfabrik”, “Datenfriedhof” und “medienbruchfrei” lauten die neuesten Schlagworte, die im Zuge der Digitalisierung die Branche im Allgemeinen und das Schadenmanagement im ganz Besonderen umtreiben.

Wirklich neu sind hier nur die Begriffe, denn Ökosystem läßt sich mit Netzwerk übersetzen, die Schadenfabrik ist die durch-digitalisierte Schadenregulierung und der Daten-Friedhof entsteht, wenn Daten unstrukturiert und eben nicht medienbruchfrei weiterverarbeitet werden. Diese Schlagworte lenken aber den Blick auf die Aktivitäten und Probleme, mit denen sich die Branche derzeit auseinandersetzen muss: Neu ist hier allenfalls das Tempo, mit dem die Herausforderungen auftauchen und, mit dem heißen Atem der InsurTech-Startups im Nacken, auch möglichst schnell gelöst werden sollten. Da hilft es erst einmal weiter, zu definieren, was Digitalisierung eigentlich heißt, und dazu gab Thomas Schreiner, Head of Claims Data & Analytics bei der Munich Re, auf dem 18. Fachkongress Innovatives Schadenmanagement in Köln seine Definition ab:

Zuvor hatte Peter Philipp, Abteilungsdirektor Haftpflicht-, Unfall- und Sachschaden bei der SV Sparkassen Versicherung und stellvertretender Vorsitzender der Kommission Sach-Schaden beim Gesamtverband der Versicherungswirtschaft in Deutschland (GDV) das Schlagwort “Digitalisierung” zum Unwort des Jahres gekürt, denn nicht selten würden in diesem Zusammenhang gewonnene Effizienzgewinne einfach als Digitalisierung verkauft, tatsächlich bleiben dabei nicht nur die Kunden, sondern auch die eigenen Mitarbeiter auf der Strecke.

“Der Mehrwert soll aber spürbar werden”, so Philipp weiter, damit bei dem ganzen Controlling am Ende nicht der Kunde vergessen wird, denn dieser sei vielmehr in den Mittelpunkt zu stellen. “Passive Sicherheit” sucht der Kunde von heute, dabei will er eine stabile Versicherungssituation, kein Überangebot an “technischen Spielereien” und vor allen Dingen keine digitale Überflutung. Wenn jedoch die Kette intelligenter Tools funktioniert, sind auch die Kunden begeistert, so die Erfahrung des Managers. Wie es mit dem Schadenmanagement konkret weitergehen könnte erläuterte Philipp in seinem Fazit auf unterhaltsame Art und Weise:

Bei der Umsetzung von analog auf digital gibt es jedoch eine ganze Menge Fallstricke, wie Dirk-Carsten Günther, Fachanwalt für Versicherungsrecht, aufzeigte. “Wenn der Workflow analog schon schlecht organisiert ist, wird er auch nach dessen digitaler Transformation schlecht sein”, so der Wissenschaftler in seinem Vortrag. Als “juristische Spaßbremse”, wie sich der Professor selber bezeichnete, wies Günther noch auf zwei weitere Problemfelder für die Branche hin.

Zu kompliziert und unverständlich sei die jüngst beschlossene Datenschutzgrundverordnung, womit man auch schon gleich bei der Vermittlerrichtlinie IDD wäre, wozu jedoch ein eigenes Gesetz notwendig sei, was angesichts der koalitonären Ungewissheiten in Berlin aber noch der Konkretisierung harrt. Außerdem habe der BGH entschieden, dass Schadenregulierung eine Rechtsdienstleitung sei, die normale Makler eigentlich nicht übernehmen dürften, Modelle für die Praxis harren auch hier noch einer Lösung.

Derweil sich die großen Häuser nach allen Seiten offen zeigen, für Inhouse entwickelte Modelle ebenso wie für Partnerschaften mit Neueinsteigern oder interessante Startups gleich ganz übernehmen. Dies kommt allerdings seltener vor als die aktuelle Berichterstattung vermuten lässt: So hat der Axa-Konzern auf der Suche nach Innovationen im Schadenmanagement rund 1.000 Startups gesichtet und mit 400 möglichen Partnern verhandelt. Übrig geblieben sind bei diesem Mammutprojekt nur fünf direkte Investments und 19 Partnerschaften. Das zeigt, Bart, Turnschuh und T-Shirt reichen nicht aus um Investoren zu finden, und kochen tun alle auch nur mit Wasser.

“Viele junge Startup-Unternehmen haben gute Ideen, aber keine Ahnung”, so fasste Jochen Tenbieg seine Erfahrung als Head of Global Insurance Process bei der Allianz SE zusammen. Mehr Produktivität!, so lautet deshalb das Credo bei Deutschlands größtem Erstversicherer, denn im Gegensatz zu einem I-Phone z. B., sei ein Versicherungsprodukt nicht einfach beliebig verteuerbar. Dabei könne im Ergebnis die Automatisierung als Produktdesignelement eingeführt und gleichzeitig ein Daten-Qualitätsmanag etabliert werden. Zudem besteht die Möglichkeit Produkte und Prozesse zu vereinfachen und die Produktionstiefe zu kalibrieren.

Dies alles mit dem Ziel bei gleicher Stückzahl weitere Kostenvorteile zu generieren. Welchen Weg der Mitbewerber Axa hier einschlägt und welchen strategischen Ansatz die Franzosen verfolgen erklärt Frank Hüppelshäuser, Vorstand der Axa Konzern-AG hier im Interview mit VWheuteTV:

18 Jahre nach seiner Gründung ist der MCC-Kongress “Innovatives Schadenmanagement” zu dem Forum der Branche avanciert. Ein umfangreiche Ausstellung rundete den encyklopädischen Ansatz der Veranstaltung ab. Hier ein kleiner Rundgang über die begleitende Messe:

(ak)

Bild: Rund 250 Teilnehmer verfolgten mit Spannung Innovationen im Schadenmanagement auf dem MCC-Kongress in Köln. (Quelle: Alexander Kaspar)

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