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Weinmanns LV-Analyse: Allianz top, Debeka Flop

18.09.2017 – Geld_by_birgitH_pixelio.deWenn ein Unternehmen Marktanteile gewinnt, verliert ein anderes. Glaubt man der Bilanzanalyse des Professors Hermann Weinmann ist der aktuelle Gewinner auf dem Lebensversicherungsmarkt die Allianz, während die Debeka sich am entgegengesetzten Ende des Spektrums befindet. Die Koblenzer fühlen sich missverstanden und äußern das deutlich.

Der große Gewinner der zwölf Versicherer umfassenden Analyse ist die Allianz. Die Münchener weisen den höchsten Rohüberschuss, gemessen am Beitragsvolumen aus. Sehr gut präsentieren sich auch die Axa und die Alte Leipziger. Die Münchener müssen sich bei der Ertragskraft hinter der Zurich einordnen und bei der Kostenquote sind unter anderem die R+V und die Debeka voraus. Davon unbeeindruckt thronen die Blauen aus München unbehelligt auf dem Spitzenplatz. Im zurückliegenden Jahr war jeder Dritte Euro der Altersvorsorge-Kunden ein Allianz Taler.

Auf die Gründe für ihr gutes Abschneiden schreibt die Allianz auf Nachfrage: “Die Attraktivität und Sicherheit eines Lebensversicherers beruhen maßgeblich auf seiner Finanzstärke. Unsere Kapitalanlagen von rund 238 Mrd. Euro, unsere Investmentkompetenz mit internationaler Erfahrung, die seit Jahren hohen Gesamtreserven sowie unsere Kostenvorteile als größter Lebensversicherer sind Erfolgsfaktoren, die wir wie kaum ein anderes Unternehmen am Markt für unsere Kunden nutzen können. Die Studien (Anmerkung der Redaktion: die Analyse von Weinmann und eine aktuelle Untersuchung des Kölner Instituts für Versicherungsinformationen und Wirtschaftsdienste) zeigen, dass sich Kunden auf ihre Lebensversicherung beim finanzstärksten Anbieter in Deutschland heute und auch in Zukunft verlassen können.”

Debeka sieht sich gerüstet

Bei der Analyse von Weinmann kommt ein Unternehmen schlecht weg: die Debeka. Die Koblenzer finden sich auf dem letzten Platz des Dutzends getesteter Versicherer, was unter anderem mit einem negativen Rohüberschuss begründet wird. Das Unternehmen will diesen Vorwurf nicht auf sich sitzen lassen und schreibt: “Bedingt durch das anhaltende Niedrigzinsniveau müssen wir – wie alle Lebensversicherer in Deutschland – aus den erzielten Überschüssen (Rohüberschuss) die sogenannte Zinszusatzreserve bilden, um die ‘garantierten’ Leistungen [...] abzusichern. [...] Bei dieser zusätzlichen Reserve handelt es sich somit also nicht um Mittel, die bereits ausgegeben sind, sondern die für die Versicherten in der Bilanz ‘reserviert’ werden.” Diese Einschätzung teilt Michael Thiemermann, Kölner Instituts für Versicherungsinformationen und Wirtschaftsdienste, auf Nachfrage von VWheute.

Überhaupt sieht sich die Debeka gut gerüstet für kommende Aufgaben: “Der sogenannte Referenzzins für die Bildung der Zinszusatzreserve lag 2016 bei 2,54 Prozent. Eine weitere Rückstellung muss für Verträge mit einem darüber liegenden Garantiezins gebildet werden. Dementsprechend haben wir für das Jahr 2016 eine Reserve von 1,049 Mrd. Euro eingestellt. Das war sogar leicht mehr, als es die Vorgaben erforderten und auch ein etwas höherer Betrag, als wir an Überschüssen erwirtschafteten. Damit ergab sich rein rechnerisch ein kleiner Fehlbetrag (1,7 Mio. Euro), den wir aus unseren Gewinnrücklagen ausgeglichen haben. Wir haben das nach dem Motto ‘spare in der Zeit, dann hast du in der Not’ getan.”

Ein alter Vorwurf taucht wieder auf

Ein weiterer Kritikpunkt Weinmanns ist die angeblich mangelnde Solvency II Ausstattung der Koblenzer, die auf Übergangsmaßnahmen zurückgegriffen hätten. Tadel, der bei den Koblenzern auf wenig Verständnis stößt: “Die aufsichtsrelevante Quote der Debeka Leben liegt bei 322 Prozent. Damit sind die Anforderungen erfüllt!” Der Vorwurf mangelnder Solvency II-Ausstattung ist nicht neu, auch Axel Kleinlein, Bund der Versicherten, äußerte ihn bereits. Die Debeka konterte die Anschuldigungen Ende Juli bereits ausführlich und lesenswert.

Die allgemeine Situation

Bei einer Sache sind sich die Versicherer weitgehend einig, der Markt für die Lebensversicherung wird nicht einfacher werden. Das liegt neben immer härteren Anforderungen der Finanzaufsicht auch darin begründet, dass die Menschen sich weniger für die Altersvorsorge interessieren.

Umfrage Statista-interesse-an-privater-altersvorsorge-bis-2017

Den schweren Rahmenbedingungen sind sich die Anbieter bewusst und versuchen weiterhin, einerseits das eigene Geschäft voranzubringen und andererseits den Mitbewerbern Anteile abzuluchsen. VWheute wird sie über das Ringen auf dem Laufenden halten. (vwh/mv)

Bild: Welcher Kunde bekommt auf sein Geld die größte Rendite (Quelle: birgitH / PIXELIO / www.pixelio.de)

Statistik: Statista

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