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Wearables: Raus aus den Kinderschuhen

04.10.2017 – smartwatch_bosch“Wearables ist ein prägnantes und für die Versicherungsbranche äußerst vielversprechendes Schlagwort, das sich bereits als wichtiger Techniktrend in der Branche etabliert hat. Es rückt immer mehr in den Fokus nicht nur von Analysten, sondern auch Versicherern und Rückversicherern”, erklärt Mariusz Janczewski.

Weiter führt der Mann vom IT-Dienstleister Comarch aus: “Fast zwei Drittel aller Versicherungsunternehmen erwarten, dass Wearable Technologies einen erheblichen Einfluss auf das Branchengeschehen nehmen werden. Produkte, die auf Wearable Technology basieren, werden bereits durch Axa, Progressive, Geico, Humana, Cigna, Allianz u. a. getestet.”

Wearable Computer sind elektronische Geräte, die der Benutzer am Körper trägt. Sie bestehen aus einem bzw. mehreren Sensoren, die gesundheits- und verhaltensbezogene Daten des Geräteträgers sowie umgebungsbezogene Daten erfassen, speichern und übertragen. Je nach Art des Geräts lassen sich die erhobenen Daten über ein Smartphone, einen PC oder eine Cloud übermitteln. Als Vorreiter im Bereich Wearable Technology gelten Spionagegeräte, die der Ortung von zu observierenden Personen dienten. Ein bodenständigeres Beispiel für die Anwendung von Wearable Technology ist die Taschenrechneruhr aus den 1980er Jahren.

Zwei Anwendergruppen

Wearables sind Bestandteil des Konzepts “Internet der Dinge” und ermöglichen es den Benutzern, jederzeit “verbunden” zu sein. Je nachdem, zu welchem Zweck ein Wearable Computer am Körper getragen wird, kann dieses “Verbundensein” unterschiedliche Bedeutungen haben. Zu den ersten Benutzern von Wearables zählten vor allem die sogenannten Gadgetfreaks, die sich für die neuesten Technologien begeistern. Sie wollten einfach zu den ersten Anwendern dieser Technologie gehören, ihre Funktionsweise auf Herz und Nieren prüfen und letztendlich mit dem neuen Spielzeug angeben. Die zweite Anwendergruppe, die solche Geräte erworben hat, waren Sportler und Gesundheitsbewusste, die großen Wert darauf legen, ihre Fortschritte und unternommenen Aktivitäten genau zu überwachen.

Mittlerweile sind Windsurfer mit einem GPS-Gerät am Arm oder Radfahrer und Läufer, die ihre zurückgelegten Strecken erfassen und für Bekannte freigeben, keine Seltenheit mehr. Wer hat nicht die Anekdote vom völlig erschöpften und verstörten Läufer gehört, der vor dem Loslaufen vergessen hatte, die Endomondo-App zu starten, und deswegen nun die gleiche Strecke noch einmal ablaufen musste? Die Weiterentwicklung des Mobilfunks und insbesondere die zunehmende Verbreitung von Smartphones als “intelligente” Telefongeräte mit diversen Sensoren, auf denen Anwendungen wie Endomondo, Strava, Runkeeper oder Runtastic laufen, haben Menschen, die ihre Freizeit gern aktiv verbringen, neue Impulse gegeben.

Fit und gesund

Von Smartphones zu intelligenten Armbändern, wie zum Beispiel von Fitbit, Jawbone, Misfit, Lenovo, Samsung, Pivotal Living oder Gymwatch, und Smartwatches, wie Apple Watch, Samsung Gear, Sony Smart Watch, Pebble Time, Moto 360 oder Huawei Watch, war der Weg dann nicht mehr weit. Diese Geräte sind ideal für Sportbegeisterte wie beispielsweise Läufer oder Radfahrer geeignet, die ihre erzielten Ergebnisse genauer unter die Lupe nehmen möchten. Dementsprechend erzielt Wearable Computing gerade im Sportbereich sehr gute Umsätze, wo etwa ein Drittel aller Geräte verkauft wird (laut Prognose von ABI Research für 2013 bis 2019).

Neben der Überwachung von körperlichen Aktivitäten eignen sich Wearables hervorragend zur Messung grundlegender Vitalfunktionen. Entsprechende Sensoren ermöglichen die Kontrolle von Vitalzeichen wie Körpertemperatur, Puls, Blutdruck, Muskelaktivität, Schlaf u.v.m. Die gesundheitlichen Vorteile, die mit der Nutzung von Wearables erzielt werden können, liegen auf der Hand. Die Entwicklung von intelligenten Kontaktlinsen durch Google ist ein Paradebeispiel für diesen Bereich.

Trotz der wachsenden Beliebtheit sollte nicht vergessen werden, dass Wearable Technology noch in den Kinderschuhen steckt. Unzulänglichkeiten der Wearable-Geräte bestehen vor allem in Umfang und Qualität der Datenübermittlung. Einige Spezialisten stellen zudem die Genauigkeit der durchgeführten Messungen in Frage. Ebenfalls zu bedenken sind Akkulebensdauer und Datensicherheit. Schon die Verarbeitung der durch das Wearable-Technology-System generierten Daten stellt eine echte Herausforderung dar. Auch reicht eine Produktidee allein nicht aus: Man muss sich bereits im Vorfeld Gedanken über die Vermarktung des Produkts und seinen Preis machen, insbesondere da das Internet der Dinge und Wearable Technology noch völlig neu sind.

Wearables als Schlagwort

Wearables ist ein prägnantes und für die Versicherungsbranche äußerst vielversprechendes Schlagwort, das sich bereits als wichtiger Techniktrend in der Branche etabliert hat. Es rückt immer mehr in den Fokus nicht nur von Gartner- oder Forrester-Analysten, sondern auch Versicherern und Rückversicherern wie beispielsweise Munich- und Swiss Re. Laut dem Accenture-Bericht Technology Vision 2015 erwarten fast zwei Drittel aller Versicherungsunternehmen, dass Wearable Technologies einen erheblichen Einfluss auf das Branchengeschehen nehmen werden. Produkte, die auf Wearable Technology basieren, werden bereits durch Axa, Progressive, John Hancock, Esurance, Geico, AIA Australia, Highmark, Oscar Health Insurance, Humana, Cigna, United Health und Allianz getestet. Einige dieser Tests werden direkt von den Mitarbeitern dieser Unternehmen durchgeführt.

Zusammengefasst scheinen Wearables über das Potential zu verfügen, die Versicherungsbranche zu verändern. Ob dieser Wandel aber tatsächlich eintritt, wird die Zukunft zeigen. Wird die ganze Palette der Möglichkeiten auf eine einfache Abhängigkeit nach dem Motto “Ist der Versicherte sportlich aktiv, wird ihm vom Versicherungsunternehmen ein niedrigerer Beitragssatz angeboten” reduziert? Oder werden Wearable Technologies genutzt, um völlig neue Geschäftsmodelle auszuprobieren? Modelle, die auf ein größeres Engagement und den Aufbau einer aktiven Beziehung zwischen dem Kunden und dem Versicherungsunternehmen setzen? Fragen über Fragen. Letztendlich werden die Versicherungsnehmer über den Erfolg oder Misserfolg solcher Modelle entscheiden. Und dabei besteht keine hundertprozentige Garantie, dass sie tatsächlich motiviert sind, sich ständig überwachen zu lassen.

In Kürze:
Wearables sind Bestandteil des Konzepts “Internet der Dinge” und ermöglichen es den Benutzern, jederzeit “verbunden” zu sein. Laut dem Accenture-Bericht Technology Vision 2015 erwarten zwei Drittel aller Versicherungsunternehmen, dass Wearable Technologies einen erheblichen Einfluss auf das Branchengeschehen nehmen werden. (vwh)

Bild: Smartwatch (Quelle: Bosch)

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