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Was können Versicherer von InsurTechs lernen?

25.09.2017 – Businessman using digital tactile screen with chartsVon Christian Mylius und Nils Mahlow. Die InsurTech-Landschaft in Deutschland hat sich im letzten Jahr weiter dynamisch entwickelt. Viele der reinen Vertriebsmodelle (unter anderem digitale Makler bzw. “Versicherungsordner”) geraten insbesondere aufgrund fehlender Bestände und gleichzeitig hoher Customer Acquisition Costs unter Druck.

Zudem bringen die Anforderungen an ein Maklermodell viele operative Herausforderungen mit sich, die tlw. unterschätzt wurden (Komplexität, Regulierung, Technologie). Letztlich steht für diese heute auf das B2C-Geschäft fokussierten InsurTechs der Nachweis eines nachhaltigen ökonomischen Erfolgs noch aus. Investoren wiederum werden auf eine Geduldsprobe gestellt.

Einige Startups, wie Knip als einer der Pioniere im digitalen Vertriebsmarkt, mussten den Geschäftsbetrieb in der ursprünglichen Form bereits aufgeben oder versuchen derzeit das Geschäftsmodell weiterzuentwickeln. Dabei steht die Gründung eigener Risikoträger oder zumindest eines Assekuradeur-Status im Fokus, um autarker und innovativer (insbesndere in der Entwicklung “digitaler Produkte”) zu sein, aber auch um den Investoren eine neue Story bis zu nächsten Finanzierungsrunde zu bieten.

Der Markt der InsurTechs bleibt somit spannend. Was jedoch auch bleibt sind die hohen Customer Acquistion Costs. Denn eine Versicherung verkauft sich nun mal eher nicht von selbst. Dieses “Dilemma” wird kurzfristig nur über spitze, digitale Vertriebsansätze in Verbindung mit intelligenten vertrieblichen Kooperationen bis hin zu smarten Ökosystemen zu lösen sein.

So, wie es letztlich auch lange Jahre gut in der analogen Welt funktioniert hat. Mittelfristig werden wiederum neue Technologien und hier insbesondere Data Analytics, künstliche Intelligenz und Blockchain disruptives Potenzial entfalten. Hier empfehlen wir einen Blick über die Ländergrenzen hinaus, denn erste vielversprechende InsurTechs bzw. Startups stehen bereits in den Startlöchern.

In welchen Bereichen können traditionellen Versicherer von InsurTechs lernen?

Der auf den ersten Blick sehr offensichtliche Aspekt der Technologie ist tatsächlich relevant, denn hier sind die Versicherer oftmals durch ihre in die Jahre gekommende Systemwelt gehemmt. Zudem sind relevante Kompetenzen im Umgang mit Daten und neuen Technologien oftmals nicht vorhanden.

Darüber hinaus existieren weitere Bereiche, in denen Versicherer von InsurTechs lernen können. Dabei geht es um die Unternehmenskultur sowie um die Fähigkeit, entsprechende “Talente” für das eigene Unternehmen gewinnen und binden zu können. Hier nutzen InsurTechs ihre gute Ausgangslage und positionieren sich im Kampf um Talente als ernstzunehmende Konkurrenten. Hervorzuheben sind dabei neben kulturellen Aspekten insbesondere flache Hierarchien in Verbindung mit innovativen Organisationsstrukturen und –methoden.

Versicherer müssen sich somit in diesen Bereichen kurzfristig verbessern, um im insgesamt immer härter werdenden Wettbewerb zu bestehen. Und dieser Wettbewerb wird nicht nur von InsurTechs ausgehen, sondern vielmehr von anderen Tech-Unternehmen, die heute noch gar nicht als Wettbewerb wahrgenommen werden.

Letztlich können somit “beide Seiten”, InsurTechs und Versicherer, voneinander profitieren. Es ist somit eine neue Form des “Co-opetition” gefragt. Allerdings müssen dafür insbesondere die traditionellen Versicherer an ihrer IT-technischen und kulturellen Integrationsfähigkeit arbeiten, damit das Denken und Handeln in neuen Kooperationsformen und Ökosystemen möglich wird.

Welche Voraussetzungen müssen für diesen Wandel geschaffen werden?

Aus unserer Sicht müssen klassische Erstversicherer die folgenden sechs Voraussetzungen schaffen:

Erstens: Flachere Unternehmenshierarchien etablieren und “Zuständigkeits-Silos” aufbrechen um schnellere Entscheidungen zu ermöglichen inkl. eines Vorlebens im “C-Level”. Denn gerade junge und hoch qualifizierte Mitarbeiter meiden starre Strukturen und langwierige Entscheidungswege.

Zweitens: Unternehmerische Aspekte in die eigene Kultur einbringen, um Kreativität zu fördern sowie Identifikation und Motivation von Leistungsträgern zu stärken.

Drittens: Multidisziplinäres Arbeiten ermöglichen und innovative Methoden etablieren, um Ideen schnell und mit vergleichsweise. niedrigen Kosten umsetzen zu können (unter anderem Design Thinking, Fake-Door-Tests, Entwicklung von MVPs etc.).

Viertens: Ein gesundes Verhältnis zum Scheitern von Ideen entwickeln, d.h. Scheitern muss erlaubt sein und nicht erfolgreiche Ideen bzw. Projekte sollten auch sehr schnell wieder beendet werden können (“Fail Fast”), um den Kreativitätsfluss im Unternehmen nicht zu hemmen.

Fünftens: Moderne Arbeitsumgebung aufbauen und daduch sichtbare Akzente für den Aufbruch in ein neues Zeitalter der Unternehmenskultur setzen, um Mitarbeitern auch den “Raum” für kreatives Arbeiten zu schaffen.

Sechstens: Über die Grenzen des eigenen Unternehmens hinaus denken und eine Offenheit gegenüber anderen Marktteilnehmern entwicklen, um mehr in Kooperationen und letztlich Ökosystemen wirtschaften zu können.

Die Autoren: Christian Mylius ist Partner und Managing Director bei EY Innovalue und spricht heute Abend auf dem 4. digitalen Versicherungsdinner zum Thema “Wo steht der Digitalisierungsprozess?” Nils Mahlow ist Director bei EY Innovalue.

Bild: Fotolia

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