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VWheute testet autonomes Fahren

08.12.2017 – FO_Start-Probebetrieb_AFDer Wind peitscht über den ehemaligen Kasernenhof, die Finger zittern vor Kälte – und dann kommt die Zukunft angefahren. Ein autonom fahrendes Auto, das wie selbstverständlich vor einem hält. Ein etwas mulmiges Gefühl stellt sich beim Einsteigen ein, aber der PKW ruckelt nach dem Drücken des Startknopfs anstaltslos auf die Teststrecke. Willkommen im Testfeld Autonomes Fahren.

Im Inneren des Fahrzeugs finden sich viele technische Details wie Kameras, Anzeigen und Sensoren, aber es ist immer noch ein Auto, kein Labor auf Rädern, das über eine eingerichtete Teststrecke auf den ehemaligen Kasernengelände steuert.

Innen Auto_AF-KA

Auf einem kleinen Display des Armaturenbretts kann die Umgebung nach möglichen Gefahren abgesucht werden. So erscheinen Fußgänger mitsamt angezeigter Laufrichtung ebenso auf dem Bildschirm wie die nächste Lichtanlage oder auch unklassifizierbare Objekte, die per Sensor erfasst und auf die visuelle Anzeige übertragen werden. Die anvisierte Fahrstrecke wird mittels einer regenbogenfarbenen Linie angezeigt, der das Auto nach einem Druck auf den Startknopf folgt.

AF_KA_Startknopf

Beste Technik sorgt für Sicherheit

Technisch hat das verantwortliche Konsortium nichts dem Zufalle überlassen, zu dem unter anderem das FZI Forschungszentrum Informatik, das Fraunhofer Institut, das Karlsruher Institut für Technik (KIT) und viele andere Institutionen aus Politik und Wirtschaft gehören.

Beim Fahren stellt sich schnell ein Gefühl der Sicherheit ein, denn die Technik funktioniert reibungslos und die Dienlichkeit erkennbar. Beispielsweise nutzt das Auto vor der Einfahrt in eine Kreuzung seine Sensorenstärke und tritt mit den auf den Lichtanlagen und stationären Objekten installierten Messfühlern und Kameras in Verbindung. Die Verkehrssituation auf der Kreuzung sowie Witterung und Lichtzeichen werden dadurch bereits vor der Einfahrt analysiert und in ein angepasstes Fahrverhalten übertragen.

Monitor im Auto_AF_KA

Selbst bei einem Ausfall der festinstallierten Kreuzungs-Sensoren ist das Auto absolut fahrtüchtig, ein Fehlen genauer Umgebungsdaten führt automatisch zu einer vorsichtigeren Fahrweise. Mit einem Ausfall der Sensoren ist auf der tatsächlichen Teststrecke in Karlsruhe, unter anderem Durlacher Allee / Ostring, nicht zu rechnen, stecken doch Jahre der Planung und Abstimmung in dem Projekt.

GRafik_Knotenpunkt_autonomes Fahren_KA_07.12.2017

Der Probebetrieb in Karlsruhe und Heilbronn ist bereits gestartet, die offizieller Eröffnung des Testfeldes findet im Frühjahr 2018 statt, sodass Autohersteller, Verkehrsbetriebe und Städte ihre autonome fahrenden Busse, PKW und Nutzfahrzeuge im realen Straßenverkehr testen können.

Das maschinell gesteuerte Fahren, ist nach kurzer Eingewöhnungszeit bereits Routine, das Auto dreht seine Kreise auf dem Kasernenhof und KIT-Campus und anstatt auf den Verkehr zu achten, kann man mit den Wissenschaftlern über die rechtlichen und versicherungstechnischen Probleme plaudern, ohne ständig mit schweißnassen Händen und Panikblick auf die Straße zu starren.

Die Versicherungswelt ist an Bord

Ein Partner des Projektes Testfeld Autonomes Fahren ist der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV), an den das Projekt im Jahr 2018 übergeben wird. Der KVV wird den Einsatz autonomer Busse erproben und setzt dabei auf die Versicherungswelt. Die Badische Versicherungen (BGV) steht als Partner bereit.

“Als Badische Versicherungen sind wir beim Testfeld autonomes Fahren dabei, denn unser Kunde, die KVV, ist der Betreiber des Testfeldes, das im Rahmen der Gesamtverbindung mitversichert wird. Darüber hinaus können wir uns dadurch mit der neuen Technologie vertraut machen, uns selbst weiter entwickeln und Erfahrungswerte sammeln, um unsere Kunden auch auf diesem neuen Gebiet mit Risikoberatung und Versicherbarkeit zu unterstützen und zu fördern”, heißt es in einer Stellungnahme.

Die versicherungstechnischen Fragen des Projekts Testfeld Autonomes Fahren sind so komplex, dass extra eine eigene Arbeitsgruppe eingerichtet wurde. Fragen zu Datenschutz, Recht und Akzeptanz in der Bevölkerung sind nicht minder wichtig, sodass die fünf Jahre Projektdauer nicht als übertriebene Kalkulation erscheinen.

Wenn das Projekt so geschmeidig verläuft und endet wie die Testfahrt, muss den Verantwortlichen wie KIT-Professor J. Marius Zöllner nicht bange sein, der die Eröffnung des Testfeldes als “Meilenstein” bezeichnet und Karlsruhe als “führend” beim autonomen Fahren bezeichnet.

Die Zukunft getestet

Prominente Testfahrer wie Ministerialdirektor Uwe Lahl und der Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup waren jedenfalls voll des Lobes nach der Testfahrt: “Baden-Württemberg. Karlsruhe und die Region stehen mit diesem interdisziplinären Start-up einmal mehr für Innovationsfreude und Standortqualität”, freut sich der Oberbürgermeister.

Man selbst will gar nicht mehr aus dem Auto aussteigen und zurück auf den windgepeitschten Kasernenhof inklusive Eiseskälte. Ein kurzer Blick zurück auf das autonomen PKW: Dort steht ein Teil der Mobilitätszukunft. (mv)

Bild im Teaser: Bild des OB Mentrup und Lahl im Testauto (Quelle: KIT)

Bildquelle: (mv)

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