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Versicherungskarrieren: Frauen auf dem Weg nach oben

08.03.2017 – Frau_connor212_sxcWie jedes Jahr wird am Weltfrauentag über die Ungleichheit zwischen Mann und Frau beim Einkommen, bei politischen Rechten und der gesellschaftlichen Anerkennung diskutiert. Wie sieht es in der Versicherungsbranche aus? Knapp die Hälfte der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sind weiblich, bei 31 der 59 größten Versicherungen in Deutschland war 2016 mindestens eine Frau im Vorstand.

Laut einer aktuellen Erhebung des AGV sind 2/3 der über 1.000 befragten Managerinnen der Meinung, dass die eigene Unternehmenskultur auch Führungskräften die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gut bis sehr gut ermögliche. “Mobiles Arbeiten und das Verständnis der nächsthöheren Führungskraft spielten hierbei eine maßgebende Rolle”, sagt Betina Kirsch vom AGV.

Trotz höherer Bildungsabschlüsse und einem wachsenden Anteil erfolgreicher Absolventinnen in vielen Studienrichtungen sind Frauen in den Führungsetagen der deutschen Konzerne noch immer deutlich unterrepräsentiert. Der Anteil weiblicher Vorstandsmitglieder der 200 größten Unternehmen in Deutschland hat sich laut DIW Berlin 2016 um knapp zwei Prozentpunkte auf gut acht Prozent erhöht. Bei Dax-Unternehmen liegt der Anteil bei sieben Prozent, bei den 30-Dax-Unternehmen elf Prozent – noch Ende 2011 waren es nicht einmal vier Prozent gewesen.

In 31 der 59 größten Versicherungen in Deutschland war 2016 mindestens eine Frau im Vorstand oder in der Geschäftsleitung tätig – vier mehr als im Vorjahr. Der Anteil von Frauen an allen Vorstandsmitgliedern lag mit fast zehn Prozent rund zwei Prozentpunkte über dem der Banken. Bei den untersuchten börsennotierten Versicherern sitzen Helga Jung und Jacqueline Hunt im Vorstand der Allianz SE, Giuseppina Albo und Doris Höpke bei der Munich Re. Birgit König ist Vorstandsmitglied der Allianz Deutschland. Im deutschen Axa-Konzern sitzen Andrea van Aubel und Astrid Stange. Beim Huk-Coburg-Konzern ist Sarah Rössler Vorstandsmitglied, bei den Versicherungskammer Bayern Barbara Schick. Viele weitere Frauen finden sich vor allem in den Vorständen der Töchtergesellschaften großer Versicherer wieder.

“Die Erhöhung des Frauenanteils in Führung ist ein vielschichtiger und zeitintensiver Change-Prozess, der sich in unserer Branche jedoch zahlenmäßig schon bemerkbar macht. Die Modernisierung der Unternehmens- und Führungskultur ist eine essentielle Stellschraube, um das Thema anzukurbeln”, erklärt Kirsch.

In den Aufsichtsgremien betrug der Frauenanteil laut DIW Berlin gut 22 Prozent – ein Anstieg um rund drei Prozentpunkte und damit lagen Versicherungen erstmals seit 2006 vor den Banken. Von 20 Aufsichtsratsmitgliedern sind bei der Munich Re acht Frauen. Bei der W&W und Ergo Group sind sechs der 16 Aufsichtsratsmitglieder weiblich. Bei der Talanx und R + V sind es vier von 16.

Abgesehen von den Spitzenpositionen sind im Finanzsektor nach wie vor mehr Frauen als Männer beschäftigt. Bei Banken liegt der Frauenanteil an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten seit über 15 Jahren konstant bei rund 57 Prozent. Etwas geringer ist er mit rund 50 Prozent bei “Versicherungen, Rückversicherungen und Pensionskassen”.

Lohnlücke in Industrieländern wird 2044 geschlossen

Auch die Einstellung der Frauen zu versicherungsspezifischen Themen scheint grundsätzlich anders zu sein. Eine private Altersvorsorge ist für Frauen deutlich wichtiger als Männern. Dies geht aus einer Umfrage von TNS Infratest im Auftrag der R+V Versicherung hervor. 44 Prozent der Frauen halten eine eigene Vorsorge, beispielsweise mit Riester oder einer privaten Rentenversicherung, für äußerst wichtig oder sehr wichtig, gegenüber nur 33 Prozent der Männer.

Im Geschäftsleben verdienen Frauen bei gleicher Qualifikation nach wie vor weniger als die Männer. Nach Berechnungen des Beratungsunternehmens Accenture könnte der sogenannte “Gender Pay Gap” in weniger als drei Jahrzehnten geschlossen werden. Voraussetzung ist, dass Frauen drei spezifische Karriere-Katalysatoren nutzen und Unternehmen, Regierungen und Universitäten diese Entwicklung tatkräftig unterstützen.

Die Ergebnisse der Accenture-Studie zeigen: Verdient eine Frau 100 US-Dollar, bekommt ein Mann im globalen Durchschnitt 140 US-Dollar, also 40 Prozent mehr. Zusätzlich fällt ins Gewicht, dass Frauen seltener eine bezahlte Tätigkeit ausüben als Männer – im Vergleich sind es nur 50 Prozent der Frauen, aber 76 Prozent der Männer, die sich in einem bezahlten Beschäftigungsverhältnis befinden. Dieses Phänomen verstärkt die wirtschaftliche Ungleichheit zwischen den Geschlechtern zusätzlich: Rechnet man diesen Faktor hinzu, verdient ein Mann sogar 258 Dollar, während eine Frau nur 100 US-Dollar erhält. Die Studie von Accenture spricht hier von einer “versteckten” Lohnlücke.

Übrigens: Bei Paaren mit Kindern unter drei Jahren gingen allein im Jahr 2015 rund 83 Prozent der Väter einer Vollzeit-Tätigkeit nach. Für die Mütter war eine Erwerbstätigkeit in Vollzeit mit einem Anteil von zehn hingegen eher die Ausnahme, konstatiert das Statistische Bundesamt. Demnach waren im Westen Deutschlands nur rund acht Prozent der Mütter von Kleinkindern in vollem Umfang erwerbstätig. In Ostdeutschland gingen hingegen 21 Prozent der in einer Partnerschaft lebenden Mütter einer Vollzeit-Tätigkeit nach. Gleichgeschlechtliche Paare mit Kindern unter drei Jahren blieben bei dieser Betrachtung hingegen unberücksichtigt. (vwh/dg)

Bildquelle: sxc

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