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Versicherer und Digitalisierung: Ohne Spesen nichts gewesen

16.04.2018 – Keine Ahnung_planlos_lichtkunst.73_pixelio.deSind die Versicherer bei der Digitalisierung ahnungslos? Zwar hat die deutsche Versicherungswirtschaft die strategische Bedeutung der Digitalisierung erkannt und investiert fleißig, es kommt aber nichts dabei heraus. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Zeb. Die Versicherer würden sich selbst hemmen und es geben keinen Digital Leader. Die Kritik geht aber noch viel tiefer.

Stolze 83 Prozent der befragten Versicherer in Deutschland investieren zumindest punktuell in Digitalisierung. Allerdings konnten nur acht Prozent der Unternehmen einen funktionierenden Innovationsprozess etablieren, bei dem innovative Geschäftsansätze mit erhöhter Geschwindigkeit konzipiert und in das Gesamtunternehmen überführt werden, erklärt Zeb. Die Digitalisierung scheitert also weniger an der Investitionsbereitschaft, sondern an den internen Prozessen.

Stefan Geipel, Partner bei Zeb und Initiator der Studie: “Insurtechs sind die innovativen Leuchttürme der Versicherungsbranche und die Aufmerksamkeit für digital-disruptive Geschäftsmodelle ist sehr hoch. Entsprechend sehen wir mit der hohen Investitions- und Kooperationsbereitschaft einen starken Digitalisierungswillen unter den Versicherungsunternehmen. Dieser Wille wird jedoch nur zaghaft in die Praxis überführt. Es überrascht besonders, dass bisher nur jede zweite Versicherung eine Digitalisierungsstrategie mit einem strategisch definierten Projektportfolio entwickelt hat und die Verantwortlichkeiten für die digitale Transformation nur bei jedem vierten Unternehmen definiert und eingefordert werden. Möchten Versicherer an Schlagkraft gewinnen, müssen sie die digitale Transformation deutlich konsequenter angehen und vor allem Managementkapazitäten zielgerichtet einsetzen.“

Im Einzelnen ergab der “Zeb.digital pulse check”, dass Versicherer in Deutschland mit ihren Prozessen, Daten und der IT noch nicht auf digitale Geschäftsmodelle ausgelegt sind und dadurch in ihrer Transformationsgeschwindigkeit gehemmt sind. Zumeist arbeiten sie erst an der Schaffung von Grundvoraussetzungen für die digitale Transformation, wie zum Beispiel der Vereinheitlichung ihrer Datenformate und der Flexibilisierung ihrer IT-Architektur. Eine Echtzeitkonsolidierung von Daten bleibe Zukunftsszenario. Künstliche Intelligenz setzen sie mehrheitlich noch nicht ein, prüfen derzeit aber “die Chancen der Technologie”.

Man kann es wenden, wie man will, das ist ein harsches Urteil von Zeb, die Kritik geht aber noch weiter.

Der Kunde bleibt ungefragt

Bei den Versicherern sei es nicht verankert, vom Kunden her zu denken. Ein Großteil der teilnehmenden Versicherungen gibt an, die Bedürfnisse der Kunden zu kennen, allerdings bezieht weniger als die Hälfte die eigenen Kunden in die Produktentwicklung mit ein. Die Digitalisierung des Produktangebots erfolgt “evolutionär”. Komplexere digitale Angebote sind zumeist erst in der Entwicklung, disruptive Ansätze im Produktangebot nahezu nicht verfügbar.

Ein wesentlicher Aspekt für den Erfolg von Digitalisierungsinitiativen ist laut ZEB die Verankerung der notwendigen Innovationskraft im Management und der Organisation. Bei den Versicherern bestehe dabei Optimierungspotenzial. Herkömmliche Organisationsstrukturen mit klassischer Trennung von IT- und Fachseite sind gegenüber agilen Alternativen noch immer dominierend. Die befragten Unternehmen haben das Problem allerdings mehrheitlich erkannt. Immerhin 60 Prozent gaben an, an der “Überwindung kultureller Widerstände zu arbeiten”.

Milena Rottensteiner, Senior Consultant bei Zeb und Mitautorin der Studie: “Gerade das mittlere Management empfindet die Unternehmenskultur in vielen deutschen Versicherungen als innovationshemmend und bemängelt eine geringe Risikobereitschaft und Fehlertoleranz. Hier kann das Leitkonzept des Digital Leadership helfen, bestehende Silos aufzubrechen und die digitale Transformation voranzutreiben.“

Eine abschließendes Fazit gibt Philip Franck, Senior Manager bei Zeb: “Aktuell ist noch kein Versicherer auszumachen, der als Digital Leader gelten kann. Über alle Digitalisierungsdimensionen hinweg verorten sich die Teilnehmer im ‘unteren Mittelmaß’ – der digitale Reifegrad der Branche muss bestenfalls als ausreichend bezeichnet werden. Insbesondere mit Blick auf global agierende Internetkonzerne, die sich zunehmend intensiver für das Versicherungsgeschäft interessieren, gilt es jetzt an Geschwindigkeit zu gewinnen. Deutsche Versicherer müssen mehr wagen und ihren “Werkzeugkasten” erweitern.” (vwh/mv)

Zur Studie: Beteiligt an der Studie haben sich über 50 Entscheider von deutschen Versicherungsunternehmen, die nach Bruttoprämien gemessen zusammen etwa 60 Prozent des deutschen Versicherungsmarkts ausmachen.

Bildquelle: lichtkunst.73 / www.pixelio.de / PIXELIO

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