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Versicherer sollen mehr für IT-Sicherheit tun

02.06.2017 – jan-oliver_thofernMit einem weltweiten Prämienvolumen für Cyber- Versicherungen von mindestens 20 Mrd. Dollar in den nächsten Jahren rechnet Jan-Oliver Thofern. Auf dem Marktforum des Industriemaklers Aon Benfield in Hamburg zum Thema “Das Geschäft mit dem Datenklau” machte dessen Chairman und CEO deutlich, dass die Digitalisierung für die Versicherungswirtschaft sowohl Chancen als auch Risiken beinhalte.

Auf der einen Seite würden neue Risiken durch völlig unkonventionelle Methoden entstehen. Als Beispiel führte er Japan an, wo bereits heute menschliche Krankenpfleger durch Roboter ersetzt werden. Dabei würden zwangsläufig große Datenmengen verbreitet, die Angriffsziele für kriminelle Machenschaften bieten könnten. Andererseits dürften aber auch die Versicherer ihre eigenen Risiken nicht unterschätzen. Das Vertrauen der Kunden könnte nachhaltig erschüttert werden, wenn Unternehmens- und Kundendaten gekidnappt werden. Neue digitale Geschäftsmodelle führten auch dazu, dass die Angriffsflächen erheblich zunehmen. Wenn hier etwas passiere, sei das ein empfindlicher Reputationsschaden für den Versicherer. Thofern verspricht sich von der EU-Datenschutzverordnung mit hohen Strafzahlungen, die 2018 in Kraft treten soll, eine Sensibilisierung in den Unternehmen.

Hälfte aller Unternehmen durch Cyber-Crime geschädigt

Franz Bergmüller, Vorstand der Württembergischen Versicherung AG, berichtete, dass bereits rund die Hälfte aller Privathaushalte und Unternehmen schon einmal durch Cyber-Crime geschädigt wurden. Zunehmend betreffe das nicht nur Computer, sondern vor allem auch Smartphones. Nur 50 Prozent aller Android-Geräte seien von der Sicherheit her ausreichend geschützt. Bei den Tätergruppen handele es sich zu 52 Prozent um aktuelle oder ausgeschiedene Mitarbeiter, 38 Prozent seien Wettbewerber. Cyber-Crime zähle inzwischen zu den wichtigsten globalen Risiken (Platz Drei).

Im Gegensatz dazu würden derzeit aber fast zwei Drittel der Großunternehmen keinen Cyberschutz kaufen. In Deutschland hätten überhaupt nur fünf Prozent der Betriebe Versicherungsschutz gegen Cyber-Schäden. Auffällig sei, dass Cyber-Schutz nicht als eigenständig, sondern als Zusatz zu bestehenden Versicherungen verstanden werde. Sein Unternehmen biete einen umfassenden Risikoschutz für mittelständische Unternehmen mit einem Umsatz von bis zu 20 Mio. Euro an. Das Komplettpaket, bewusst würde kein Bausteinsystem angeboten, beinhalte Schutz bei Informationssicherheits-, Datenschutz- und Datenvertraulichkeits-Verletzung. Bergmüller erkennt ein enormes Informationsinteresse der Betriebe an Cyber-Schutz, allerdings sei noch sehr viel Aufklärungsarbeit notwendig, um das Abschlussverhalten deutlich zu verbessern. “Cyber bietet enorme Wachstumschancen in einem ansonsten gesättigten Markt”, so sein Fazit (siehe auch KÖPFE & POSITIONEN).

Auch Frank Grund, Exekutivdirektor für Versicherungs- und Pensionsaufsicht, weiß, dass die Herausforderungen für die Bafin zunehmen werden. Sein Amt beschäftige sich daher sehr intensiv mit allen Formen und möglichen Auswirkungen der Digitalisierung auf die Versicherungswirtschaft. Diesem Thema sei auch die Herbstveranstaltung der Aufsicht gewidmet. Grund erklärte in aller Deutlichkeit, dass es für Insurtechs, die die Aufnahme des Versicherungsbetriebs beantragten, “keinen Rabatt” gebe.

Regulatorische Anforderungen seien für alle gleich. Gedanken mache sich die BaFin über ein anderes Problem. Durch die Digitalisierung würden verstärkt grenzüberschreitend Produkte angeboten. Zwar sei die Dienstleistungsfreiheit in Europa ein hohes Gut, dennoch würde es dem Verbraucher oftmals erschwert, zu erkennen, ob es sich bei dem Anbieter um einen “echten” Versicherer handele.

Hintergrund ist, dass die zuständigen nationalen Aufsichtsbehörden nach teilweise unterschiedliche Zulassungskriterien vorgehen würden. Mit Skepsis bewertet Grund das bestehende Risikomanagement der Branche. Er erwartet, dass sich die Unternehmen verstärkt mit dem Thema IT-Sicherheit auseinandersetzen. Untersuchungen bei Banken habe dort erhebliche Risiken zutage gebracht. Bei Versicherungen gebe es dagegen noch keine weitreichenden Erkenntnisse. IT-Sicherheitsprüfungen würden erst jetzt anstehen. Auffällig sei jedoch, bedingt durch die zahlreichen Fusionen der letzten Zeit, ein Wildwuchs bei den IT-Systemen zahlreicher Versicherer. Das führe zu einer hohen Komplexität und damit einem erheblichen Sicherheitsrisiko. (wo)

Bild: Jan-Oliver Thofern (Quelle: Aon Benfield)

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