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Versicherer setzen auf “Schnell, papierlos und sicher”

31.05.2017 – mcc_kongress_ak“Insurance Today and Tomorrow – Die Assekuranz zwischen antiker und digitaler Welt”, so lautet die Überschrift zum zweitägigen MCC Digital-Kongress der heute in Düsseldorf in die zweite Runde geht. Im Zentrum stehen ddie Strategien der Big-Player, die neue Customer Journey und Fragen zur Digitalisierung im Spannungsfeld zwischen Innovationsstau und Kostendruck. Zukunft, das war gestern!

Zum Auftakt der hochkarätig besetzten Veranstaltung erläuterte Frank Grund, Exekutivdirektor für Versicherungs- und Pensionsaufsicht bei der Bafin, in seiner tour de horizont die mit Spannung erwarteten regulatorischen Leitplanken für die neue digitale Versicherungswelt. “Vollkommen verändert haben sich die Rahmenbedingungen mit der Einführung von Solvency II”, so der Aufseher vor mehr als 100 Führungskräften und Experten der Versicherungswirtschaft. Ohne schon vorab ins Detail zu gehen ließ Grund durchblicken, dass die bis zum 22. Mai bei der Bafin eingelieferten Daten zum Solvency and Financial Condition Report, kurz SFCR, durchweg von stabiler Qualität waren, obwohl eine ganze Reihe von Unternehmen eine Quote von unter 100 ausgewiesen hatten.

Bis zum Sommer will die Bafin nun die Datenfülle qualitativ bewerten und ggf. nachbessern lassen. Wobei der isolierte Blick auf die Quoten nicht weiterhelfen würde, denn “die seien nur bedingt aussagekräftig”, so Grund weiter. Zukünftig würde die Bafin auch, ganz im Sinne des Verbraucherschutzes, schon bei der Produktentwicklung genauer hinschauen.

Der Verbraucher ist auch bei der Diskussion um die Provisionshöhe im Fokus der Aufseher, denn Provisionen dürften “keine Fehlanreize” für den Vertrieb bieten. Stichtag für dieses Thema ist der 23. Februar 2018, wenn die Verordnung für Infoblätter für Versicherungsanlageprodukte (IDD) ins deutsche Recht gesetzt wird. Als wichtigste Aufgabe für das Management erachtet man bei der Bafin die Qualifikation der Mitarbeiter. Erheblichen Nachholbedarf für die Branche sieht Frank Grund beim Thema IT-Sicherheit, weswegen die Bafin ihre Untersuchungen demnächst auch um eine Sicherheitsprüfung erweitern wird. Die Digitalisierung bietet zwar Chancen auch für neue Produkte und innerbetriebliche Effizienzsteigerungen, doch Cyberangriffe und Erpressungspotenziale bei Datendiebstahl markieren die andere Seite der Medaille.

Mit Blick auf die Digitalisierung ließ Grund für die Bafin durchblicken, dass sich auch die Behörde noch keine abschließende Meinung gebildet habe ob im Zuge der Digitalisierung lediglich Anpassungen oder vollkommen neue Modelle notwendig würden. In Frankfurt, am Sitz der Bafin, geht man eher von einem evolutionären Prozess aus.

Als wesentlichen Treiber der Digitalisierung hat Walter Botermann, Vorstandsvorsitzender der Alte Leipziger Lebensversicherung AG, eine signifikante Veränderung des Kundenverhaltens identifiziert. Botermann “hat aber keine Panik” wenn er die Chancen und Risiken der Digitalisierung betrachtet. Allerdings müsse man aufpassen, den Kunden nicht zu vertreiben, so Botermann in seinem Vortrag. Schließlich möchte der Kunde “die Dienstleistung erleben”, so die neueste Erkenntnis in der Branche.

Schnell, papierlos und sicher soll der Kontakt sein, dabei kompetent und kanalübergreifend mit großer Beratungskompetenz hinterlegt. Komplettiert wird die Konzern-Digitalisierungs-Roadmap bei der Alten Leipziger mit dem Aufbau einer Ideenwerkstatt für die kundenzentrierte Produktplanung. Laut Botermann besteht die neue Customer Journey aus Easy-Web, Video-Beratung, Online-Auftrag, Video-Ident bis hin zur elektronischen Unterschrift beim Abschluss einer Online-Police. Das alles hat natürlich auch gravierende Auswirkungen auf die Unternehmenskultur.

Ein Ansatz dem sich der Vorstandsvorsitzende der Axa Deutschland AG, Alexander Vollert, von Haus aus selber ein ausgewiesener IT-Fachmann, verschrieben hat. Digitalisierung bedeutet nämlich, so Vollert, dem Kunden auch neue Methoden beizubringen. Als Beispiel nannte Vollert die von der Axa entwickelte App “Wayguard” mit Hilfe derer sich Frauen sicher bis nach Hause geleiten lassen können. 55.000 neue Kunden konnte auf diesem Wege gewonnen werden berichtete Vollert stolz. Schließlich schaffe die Transformation Freiraum und Spielraum auch für die Mitarbeiter.

Nicht beteiligen wollte sich der Manager jedoch an der Diskussion, wie groß der Abrieb bei der Mitarbeiterzahl sein wird, “aber klar ist, die Transformation verändert die Struktur der Mitarbeiter” und dafür nimmt die Axa einen weiteren dreistelligen Millionenbetrag in die Hand, neben den direkten Investitionen in IT. Auch in die Führungskräfte selbst muss investiert werden, ist sich Vollert sicher, eine neue Form der Arbeit erfordere eine neue Form der Führung.

Um allen Kritikern solcher Operationen am offenen Herzen eines Unternehmens den Wind aus den Segeln zu nehmen haben sich Konzernführung und Betriebsrat der Axa auf den Verzicht betriebsbedingter Kündigungen bis zum Jahr 2020 geeinigt. “Auch Führungskräfte können Ängste haben“ ist sich Vollert sicher, aber um sich auf den Wandel einzulassen muss man “angstfrei” sein. Im Exklusiv-Interview mit VWheuteTV erläutert Vollert den neuen Dreiklang in seinem Unternehmen: Neues Denken – Neue Zusammenarbeit – Neue Skills.

Niemand aus den Führungsgremien in den Unternehmen möchte sich von der Digitalisierung treiben lassen, das wurde zum Auftakt des MCC-Kongress Insurance Today and Tomorrow überdeutlich. Nur wer pro-aktiv handelt kann gestalten und wer dies früher als der Wettbewerber tut hat später den größeren Profit. Wie sehr sich die Verhältnisse mittlerweile verändert haben wurde aus einer Zahl deutlich, die Norbert Rollinger, CEO der R+V Versicherung AG, im Forum präsentierte: Auf einen einzigen Kunden der in seiner Bankfiliale vorstellig wird kommen 500 Kontakte die online generiert werden, und auf die wird man sich zukünftig konzentrieren. (vwh/ak)

Bild: Walter Botermann (CEO Alte Leipziger), Markus Hofmann (CEO Ergo Versicherung AG) und Alexander Vollert (CEO Axa Deutschland) diskutieren auf dem MCC-Kongress in Düsseldorf über den Kurs der Assekuranz. (Quelle: Alexander Kaspar)

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