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Versicherer halten sich beim Outsourcing zurück

04.04.2017 – Harry Schumacher_Harry_Sopra Steria ConsultingBei keinem anderen Worten wird es Angestellten so bange und Gewerkschaftlern kalt ums Herz wie beim Outsourcing. Das Thema Outsourcing in der Versicherungswirtschaft ist komplexer als es oftmals in den Medien dargestellt wird. So hält sich die deutsche Assekuranz in diesem Bereich auffallend zurück. VWheute hat Harry Schumacher von Sopra Steria Consulting um eine Einordnung gebeten.

Die Versicherungsbranche steckt in einer wirtschaftlich angespannten Situation. Die Masse der Versicherer bekundet, sie müsse sparen. Trotzdem hält sich die deutsche Assekuranz beim Thema Outsourcing auffallend zurück. Dabei bietet die Auslagerung von Prozessen ein hohes Potenzial zur nachhaltigen Kostenreduktion. Zunächst gilt es allerdings, bestehende Hürden abzubauen.

Im Vergleich zu anderen Branchen ist die Outsourcing-Quote in der Versicherungswirtschaft bis dato allenfalls durchschnittlich. Schuld daran ist vor allem die vorherrschende sparten- und produktorientierte Aufbau- und Ablauforganisation und die daraus resultierende geringe Prozessstandardisierung. Für jedes erfolgreiche Outsourcing-Projekt sind organisatorische Veränderungen unumgänglich, die ihrerseits nur mit einem kulturellen Wandel gelingen kann.

Umdenken erkennbar

Die gute Nachricht ist: In der Branche setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass Assekuranzen den Anforderungen des Marktes nach höherer Effizienz und sinkenden Kosten langfristig nur durch einen höheren Auslagerungsanteil gerecht werden können. 90 Prozent der Entscheider haben bereits 2015 in der Studie Branchenkompass Insurance von Sopra Steria Consulting betont, dass eine Reduktion der Leistungstiefe essentiell ist, um langfristig wettbewerbsfähig, effizient und wertschöpfend arbeiten zu können.

Kaum Tabus beim Auslagern

Was bislang fehlt, sind konkrete Maßnahmen. Effizienzhebel zum Ansetzen gibt es genug. Die Reduzierung des aufgeblähten Compliance-Apparats zum Beispiel: Die aufsichtskonforme Gestaltung und Überwachung wird in Eigenregie immer teurer. Auch im IT-Management bietet es sich an, standardisierte Tätigkeiten von Spezialisten übernehmen zu lassen.

Das funktioniert allerdings nur, wenn die Überwachung des IT-Outsourcings effizient organisiert ist, beispielsweise durch ein zentrales Governance-Modell. Denn es ist davon auszugehen, dass es künftig aufwendiger werden wird, die rechtlichen Vorschriften beim IT-Outsourcing einzuhalten. Hierbei ist auch die häufig komplexe Ausgestaltung der Service Level Agreements ein nicht zu vernachlässigender Faktor. Ein Beleg dafür, dass Versicherer jede Outsourcing-Entscheidung detailliert prüfen und individuell bewerten sollten.

Neben Unterstützungsfunktionen wie Personalmanagement und Rechnungswesen, ist Outsourcing im Kerngeschäft ebenfalls kein Tabu mehr. Ansätze wie die Abgabe von zentralen Aufgaben an Run-off-Spezialisten sind ein klares Indiz dafür, dass sich die Branche hier bewegt. Darüber hinaus erkennen immer mehr Versicherungen, dass sie durch Outsourcing nicht nur Kostenvorteile realisieren können.

Gerade im Hinblick auf komplexe und spezialisierte Tätigkeiten ermöglicht Outsourcing einen deutlich leichteren Zugang zu Know-how. Andernfalls müsste dieses mühsam durch Recruiting und Personalentwicklung aufbaut werden. Das gilt zum Beispiel für die Entwicklung von innovativen Produkten wie Telematikdienstleistungen und die Analyse großer Datenmengen. Ausnahmen bilden hier sensible Bereiche wie die Analyse von Gesundheitsdaten, die aufgrund ihrer strategischen Relevanz für die Unternehmen intern verbleiben sollte. Bei der Betrugsbekämpfung sowie im Marketing und Vertrieb hingegen arbeiten Versicherer bereits intensiv mit Partnern zusammen.

Die Voraussetzungen müssen intern geschaffen werden

Bei der Bewertung des Outsourcing-Potenzials sollten Versicherungsgesellschaften den Wertschöpfungsbeitrag einzelner Prozesse zum eigenen Kerngeschäft genau analysieren, da nur so die Ableitung einer unternehmensindividuellen Strategie möglich ist. Wichtig sind zudem Volumen und Komplexität der auszulagernden Prozesse. Beide Faktoren bestimmen maßgeblich, wie groß die Skaleneffekte ausfallen.

Beim Output Management zögern zum Beispiel viele Versicherer mit einer Komplettauslagerung, weil Abläufe zu verschachtelt sind und viele Druckstückvarianten in kleinen Stückzahlen keine nennenswerten Kostenreduzierungen ermöglichen. Standardisierung empfiehlt sich demnach nicht allein, um die notwendigen Outsourcing-Voraussetzungen zu schaffen, sondern auch, um interne Effizienzbarrieren, die zudem eine flexible Anpassung an veränderte Marktanforderungen erschweren, endgültig aus dem Weg zu räumen.

Bild: Harry Schumacher (Quelle: Sopra Steria Consulting)

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