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Versicherer gehen auf Asteroidenjagd

16.10.2017 – komet_pixelio“Der Weltraum – unendliche Weiten”: So lautet das Intro einer bekannten Science-Fiction-Serie. Und auch der Wissensdurst nach neuen Welten ist größer denn je. Längst ist der Orbit voll mit Weltraumstationen und Satelliten. Um die Jahreswende soll die chinesische Raumstation Tiangong 1 unkontrolliert auf die Erde stürzen. Auch wenn das Risiko einer Gefährdung gering sei, sind die Versicherer dennoch gefragt.

Wie das IT-Portal heise.de berichtet, war der Vorgänger von Chinas aktuellem Weltraumlabor Tiangong 2 am 29. September 2011 gestartet worden. Allerdings scheint die chinesische Weltraumbehörde bereits im März 2016 offenbar die Kontrolle über die Station verloren zu haben. Seitdem sinkt diese mit größer werdender Geschwindigkeit hinab zur Erdoberfläche.

Ursprünglich hatte die chinesische Regierung geplant, die Station kontrolliert über einem Ozean zum Absturz zu bringen. Nun besteht zumindest eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass der Absturz Auswirkungen auf den Flugverkehr oder Schäden am Boden nach sich ziehen könnte, berichtet das IT-Magazin weiter.

Ergo: so manch gewagtes Unterfangen wird erst durch die von der Assekuranz angebotene Risikoverteilung möglich. Dies galt bereits bei den Phöniziern, deren Schiffseigner unter Aufnahme nur bedingt rückzahlbarer Kredite andere an ihren Risiken teilnehmen ließen. Heute versieht die Menschheit ihren Heimatplaneten zunehmend mit einem Kranz von immer leistungsfähigeren geostationären oder nicht stationärer Kommunikationssatelliten mit einem Wert von bis mehreren 100 Mio. US-Dollar.

Ökosystem Raumfahrt

Immerhin: Ohne eine entsprechende Space Insurance mit einer weltweiten Bruttoprämie zwischen 0,5 und einer Mrd. US-Dollar jährlich würde mancher Investor oftmals die Finger von derart wagemutigen Projekten lassen. So versteht sich die Satelliten-Branche immer noch als ein eigenes Ökosystem, dem Hersteller, Raketendienst-Anbieter, Betreiber, Financiers, Regierungen, Versicherer und Versicherungsmakler angehören.

Für Science-Fiction-begeisterte Versicherer ähnelte bisher die Deckung von Satelliten bislang einer binären Wette mit einer Quote von 1:20: entweder die 100 Kilogramm schweren Satelliten samt Elektronik, Antennen, Antriebsmotoren und Treibstoff für ein Jahrzehnt verglühen beim Start oder sie funktionieren auf Anhieb.

Bereits 1984 hatte ein Space-Shuttle-Flug zwei nicht korrekt funktionierende Kommunikationssatelliten eingesammelt, die anschließend auf Erden repariert und und dann erneut ins All geschossen worden waren. Dies hatte den Schaden von 180 Mio. US-Dollar um 60 Mio. US-Dollar Wiederverkaufswert reduziert. Aus Dankbarkeit hatte Lloyd’s die damals beteiligten Astronauten mit Silbermedaillen ausgezeichnet.

Heute ist die Technologie jedoch soweit fortgeschritten, dass auch bereits ausgesetzte Satelliten bereits im Orbit repariert, neu betankt oder sogar ausgebaut werden können. Ein entsprechendes Programm von Vivisat (Joint Venture zwischen USSpace und ATK) soll bereits 2018 ins Leben gerufen werden. Auch die Technologie-Agentur der US-Regierung DARPA hegt solche Pläne. Das Satellite Servicing Capabilities Office der NASA dürfte ebenfalls solche Dienstleistungen zur Verfügung stellen.

Munich Re sieht sich als Marktführer

Begonnen hatte die vorgeblich friedliche Weltraumnutzung mit der Aussetzung des russischen Satelliten Sputnik 1 im Jahr 1957. Bereits 1965 wurde der erste Satellit Intelsat I von Lloyd’s-Syndikaten versichert. Die Versicherungssumme betrug damals 3,5 Mio. US-Dollar.

Neben staatlichen Weltraumfahrern wie in Russland (Soyuz), China (Long March) und Indien (Satellite Launch Vehicle) tummeln sich bereits auch zahlreiche private Anbieter am Markt. Hierzu gehören unter anderem ARCA, Australian Space Research, Interorbital, Lockheed Martin, Orbital ATK, Rocket Lab, Space Services of America, Stratolaunch Systems oder Space X, welches Tesla-Chef Elon Musk gehört.

Der Rückversicherer Munich Re bezeichnet sich dabei selbst als Marktführer in Sachen Raumfahrtrisiken und beziffert den eigenen Marktanteil mit 15 bis 20 Prozent. Der Spezialversicherer Hiscox wirbt dabei mit Versicherungssimmen bis 50 Mio. US-Dollar, XL Catlin mit Kapazitäten bis 45 Mio. US-Dollar. Dazu kommt ein weiteres halbes Dutzend Risikoträger, darunter die indische GICRe, QIC Europe=Qatar Insurance, Sompo Japan und Trans Re. Daneben mischt auch Altitude Risk Partners, hinter dem die drei Syndikate Barbican 1955, Faraday 435 und ANV 1861 stehen.

Aktuell erstreckt sich der orbitale Versicherungsschutz ausschließlich auf Satelliten. Künftig könnte sich der Versicherungsschutz aber auch auf private Weltraumstationen, die etwa der Herstellung von Chips im Zustand der Schwerelosigkeit oder dem Abbau von Asteroiden dienen könnten, die wertvolle Metalle und Wasser enthalten. (cpt)

Bild: Komet Catalina (Quelle: Bernhard Mayr / PIXELIO / www.pixelio.de)

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