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Versicherer blicken verhalten optimistisch in die Zukunft

06.12.2017 – Zukunft_Andrea Damm_pixelioDie Versicherer geben sich mit Blick auf die eigene Zukunft verhalten optimistisch. So glauben 65 Prozent der Entscheider in der Branche zumindest an eine stabile Geschäftsentwicklung bis zum Jahr 2020. Immerhin 24 Prozent glauben – gemessen an der Konjunktur insgesamt – sogar an ein überdurchschnittliches Wachstum. Größtes Sorgenkind bleibt jedoch das weiterhin niedrige Zinsniveau.

Trotz positiver Stimmung haben die Versicherer laut aktuellem Branchenkompass der Consulting-Firma Sopra Steria jedoch noch eine lange To-Do-Liste abzuarbeiten. So halten dauerhaft niedrige Zinsen, neue Regulierungsvorschriften wie die EU-Vermittlerrichtlinie und die EU-Datenschutz-Grundverordnung sowie die veränderten Kundenerwartungen an Produkte und Service die Branche auch in den kommenden Monaten weiterhin in Atem.

Niedrigzins macht den Versicherern zu schaffen

Demnach sehen drei Viertel der befragten Versicherungsentscheider im niedrigen Zinsniveau momentan die wichtigste Herausforderung, die es künftig zu meistern gelte. So passen die Lebensversicherer ihre Angebote an den 2017 auf 0,9 Prozent festgelegten Garantiezins an, während Neukunden zunehmend Verträge ohne herkömmliche Zinsgarantien erhalten, konstatieren die Studienautoren. Zudem spiele der Run-off eine immer größere Rolle – siehe Generali, Ergo oder Arag.

Allerdings seien auch andere Sparten von den dauerhaft niedrigen Zinsen betroffen, heißt es im Branchenkompass von Sopra Steria weiter. So werde es für die Schaden- und Unfallversicherer es zunehmend schwierig, negative Schadenfallquoten mit Zinseinkommen aus Kapitalanlagen auszugleichen. Zudem seien private Kranken- und Pflegeversicherer letztendlich zu Beitragsanpassungen gezwungen, sollten die Alterungsrückstellungen zu wenig Rendite erwirtschaften.

Unternehmen leiden unter Regulierungsflut

Gleichzeitig ächzen die Versicherer laut Umfrage weiterhin unter den neuen Regulierungsvorschriften. So bewerten 72 Prozent der Befragten die Compliance als eine große Belastung für das eigene Unternehmen. Zudem bestätigen nur 37 Prozent der Studienteilnehmer, dass im eigenen Unternehmen automatisierte Compliance-Überprüfungen verbreitet seien. Um der Regulierungsflut Herr zu werden, setzen die Entscheider der Branche jedoch vor allem auf neue Technologien.

46 Prozent der befragten Entscheider versprechen sich demnach laut Studie besonders von Big Data und künstlicher Intelligenz deutliche Verbesserungen. Geplant sind dabei beispielsweise lernende Systeme, die Anti-Geldwäsche-Untersuchungen durchführen, und Sprachassistenten, die Mitarbeitern einfache Fragen zur Einhaltung von Compliance beantworten. “Wichtig ist zudem, dass die Versicherer Compliance-Prüfungen als Alltagsgeschäft verstehen und Maßnahmen dauerhaft in die operativen Prozesse einbauen. Das erleichtert den Umgang mit neuen Regulierungsanforderungen, die mit Sicherheit kommen werden”, kommentiert Lars Rautenburger von Sopra Steria Consulting.

Automatisierung und Innovation

Zudem wollen 82 Prozent der Versicherungsunternehmen das Geschäft zukünftig stärker automatisieren. Nur 43 Prozent der Befragten schätzen den Grad der Dunkelverarbeitung derzeit als hoch ein. Zum einen soll durch automatisierte Prozesse die Kundenzufriedenheit steigen, zum anderen die Kosten sinken, beispielsweise im Schadenmanagement, konstatiert die Studie weiter. Gleichzeitig sollen Online-Schadenmeldungen und der Upload von Dokumenten, Bildern und Videos über Schaden-Apps sollen künftig zum Standard werden. Weiteres Einsparpotenzial sollen zudem Algorithmen bieten, die bei der Betrugserkennung unterstützen. Dazu kommen laut Studie IT-Lösungen, die Briefpost automatisiert in digitale Daten umwandeln können.

Darüber hinaus wollen 78 Prozent der Versicherer künftig mit innovativen Produkten und Leistungen beim Kunden punkten. So plant beispielsweise ein Drittel der Befragten, häufiger per Videoberatung mit Kunden in Kontakt zu treten als heute. Hinzu kommen sogenannte Skills für Sprachassistenten wie Amazons Alexa, um künftig mehr Service rund um die Uhr bieten zu können. 46 Prozent der Befragten rechnen außerdemn mit einem Aufschwung für den Vertrieb von Cyber-Policen und von Beratungsdienstleistungen zur Prävention gegen Hackerangriffe.

“Die positiv gestimmten Versicherer schöpfen ihren Optimismus bis 2020 vor allem aus strategischen Weichenstellungen, mit denen sie Produkte und Service für die Kunden verbessern sowie die Kosten senken wollen. Digitalisierung und Automatisierung spielen dabei an beiden Stellschrauben eine entscheidende Rolle”, ergänzt Rautenberger. (vwh/td)

Bildquelle: Andrea Damm / PIXELIO (www.pixelio.de)

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