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Unternehmen bewerten bAV-Reform kritisch

10.03.2017 – arbeit_pixelioHeute befasst sich der Deutsche Bundestag in erster Lesung mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles. Viele Unternehmen sehen ihre Interessen mit der geplanten Reform jedoch nur unzureichend berücksichtigt. Laut einer aktuellen Umfrage von Willis Towers Watson glauben 51 Prozent der befragten Unternehmen, dass die Reform bei der Lösung der momentanen Probleme in der bAV nicht helfen.

Darüber hinaus gaben 42 Prozent der Unternehmen an, dass die Reform nur teilweise die dringlichsten Probleme lösen würde. Zu den größten Baustellen zählen laut Studie vor allem die Sozialversicherungsbeiträge auf Betriebsrentenzahlungen sowie der hohe steuerliche Rechnungszins von Pensionsverpflichtungen. Außerdem glauben die befragten Unternehmen, dass die Reform auch bei einer “schlanken Umsetzung und Verwaltung der bAV” keine Lösungen biete. Der Wunsch nach einer “Enthaftung von der bAV” werde hingegen erst an vierter Stelle genannt.

“Die Sorgen der Unternehmen bezüglich des bestehenden bAV-System sind schon lange bekannt – und sie sind auch im bisherigen Verlauf des Gesetzgebungsverfahrens immer wieder von unterschiedlichen Seiten thematisiert worden, zuletzt im Rahmen der jüngsten Bundesratsdebatte. Gelöst werden sie durch den Reformentwurf jedoch nicht, hier besteht sicherlich weiterer Handlungsbedarf”, betont Michael Karst, der bei Willis Towers Watsons im Bereich Pensions den Fachbereich Recht leitet.

Geteilte Meinung bei Erfolgsaussichten

Hinsichtlich der Erfolgsaussichten der geplanten Reform ist die Meinung unter den befragten Unternehmen geteilt. Demnach sehen 41 Prozent eine Chance, dass die Reform ihr Ziel – die weitere Verbreitung der bAV im Mittelstand – zumindest teilweise erreicht, konstatiert Willis Towers Watson. Gleichzeitig gehen 63 Prozent der Unternehmen nicht davon aus, dass das Reformpaket die Altersarmut wirksam bekämpfen werde. 33 Prozent der Unternehmen gehen jedoch davon aus, dass diese durch das geplante Gesetz zumindest verringert werde.

“Diese Antworten aus der Gruppe der Unternehmen, die bereits eine bAV anbieten, erstaunen nicht”, kommentiert Reiner Schwinger, Head of the Northern Europe Region von Willis Towers Watson. “Sie sind nicht im Fokus des Reformpakets, das dem Grunde nach bestehende bAV-Systeme unberührt lassen will. Einige Teilprobleme werden allerdings auch für diese Gruppe durch die Beitragszusagen mit Zielrentensystematik gelöst – dieser Weg steht jedoch nur offen, wenn es die Tarifparteien zulassen, denen damit in diesem Zusammenhang hohe Verantwortung für die weitere Verbreitung der bAV zukommt”, erläutert der Experte.

Kritisch sehen die befragten Unternehmen zudem den angedachten Ausbau der bAV für Geringverdiener. So gehen 47 Prozent der befragten Unternehmen davon aus, dass Mitarbeiter mit kleinem Budget künftig für Alter vorsorgen, obwoihl diese nach dem geplanten steuerlichen Fördermodell im Rahmen der bAV selbst nicht verpflichtet sind, zusätzliche Eigenbeiträge zu leisten. 49 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die genannte Zielgruppe nur teilweise zur Altersvorsorge motiviert werden könnte.

Bleibt alles beim alten?

Demnach wollen 75 Prozent der Unternehmen, die sich bereits in der bAV engagieren, auch künftig keine bAV für Geringverdiener anzubieten – trotz einer für Unternehmen überschaubaren Kostenbelastung bei signifikanter steuerlicher Förderung. Zudem wollen zwei Drittel (67 Prozent) ihr bAV-Angebot nicht verändern. Lediglich 23 Prozent der befragten Unternehmen wollen nach der Reform die bestehende bAV kostenneutral umstrukturieren oder überarbeiten, ergänzt Willis Towers Watson. “Sicher werden viele Unternehmen erst die finale Fassung des Gesetzes abwarten, bevor sie im Einzelnen über Veränderungen nachdenken”, ergänzt Schwinger.

Mit Blick auf die gewünschte weitere Verbreitung der bAV betont Schwinger: “Der Reformentwurf lässt wesentliche Entwicklungspotenziale in der bestehenden bAV brach – hier werden Chancen verpasst. Wenn jetzt allerdings die Unternehmen einsteigen, die bislang keine bAV angeboten haben, könnte zumindest ein wichtiger Teilerfolg für eine weitere Verbreitung der bAV im Mittelstand und unter Geringverdienern erreicht werden.” (vwh/td)

Bildquelle: Dieter Schütz / pixelio.de

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