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Unsicherheit braucht kontinuierliche Analyse

05.12.2017 – gerhard_schmid_munichreEmerging Risks (ER) sind Risiken mit einem hohen Unsicherheitspotenzial in den Dimensionen Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenausmaß. Sie können erhebliche Auswirkungen auf versicherte Risiken und Kapitalanlagen haben. Munich Re-Experte Gerhard Schmid gibt heute auf einer MCC-Fachkonferenz Antworten auf die Frage, worauf sich Industrie, Gesellschaft und Assekuranz einstellen künftig einstellen müssen.

Ein Spezifikum von ER ist, dass sie bislang unbekannt, bzw. unerkannt sind, eine große Anzahl von Personen, Sachen oder Vermögenswerten betreffen und konventionelles Risikomanagement nur schwer anwendbar ist. Die vorhandene Unsicherheit kann mit einer ontinuierlichen und differenzierten Betrachtungsweise der Ursprungsbereiche – Gesellschaft, Technologie, Umwelt, Wirtschaft und Politik – analysiert werden. Wichtig dabei ist, dass diese Analyse kontinuierlich durchgeführt wird, um eventuelle Veränderungsprozess feststellen zu können.

Im ersten Schritt der Analyse werden die momentan das Risiko bestimmenden Trends festgestellt, in einem zweiten Schritt dann die konkreten Auswirkungen auf versicherte Risiken oder Assets beschrieben. Zur Durchführung der Analyse kann die sogenannte STEEP-Methodik (Society, Technology, Environment, Economy, Politics) verwendet werden.

Die STEEP-Analyse ist ein Werkzeug um verschiedene externe Faktoren zu bewerten, die risikorelevant sein können. Der Feststellung von Trends kommt eine entscheidende Rolle zu. Idealerweise wird diese Untersuchung in denjenigen Quellen vorgenommen, die sehr aussagekräftig und vertrauenswürdig sind. In der Praxis handelt es sich um Quellen mit wissenschaftlich-technischem, juristischem, wirtschaftlichem, aber auch gesellschaftlichem Hintergrund. Werden all diese Informationen zusammengebracht und miteinander verknüpft, ergibt sich eine ganzheitliche Risikolandschaft mit aussagekräftigen Trends.

Die Analyse selbst kann entweder von einem Spezialisten oder mit Hilfe der “Big Data” Technologie durchgeführt werden. Auf dem Markt sind vielfältige Tools vorhanden, die die “Big Data” Technologie verwenden und große Mengen von relevanten Daten, z.B. aus dem Internet aus öffentlich zugänglichen Quellen nach definierten Kriterien durchsuchen und auswerten können. Der größte Aufwand dabei ist, das Tool so auszugestalten, dass das System nach den individuellen Erfordernissen des Anwenders arbeitet.

Die festgestellten Trends aus diesen Bereichen geben erste Hinweise, welche Herausforderungen, Gefährdungen und Neuerungen auf die Gesellschaft, die Industrie und die Assekuranz zukommen können. Die folgende Abbildung gibt einen Überblick über die derzeit aktuellen Trends und lässt vermuten welche Folgen das für jedes einzelne Segment haben kann.

megatrends_munichre

Nach eingehender Diskussion und nach Abgleich mit dem individuellem Risikoportefeuille können aus Trends konkrete ER beschrieben werden, die mit Hilfe eines ER Radars dargestellt werden können. Die ER Initiative der CROF haben einen solchen ER Radar erstellt. Er wird jährlich überprüft und auf den jeweils aktuellen Stand gebracht.

Der ER Radar des Chief Risk Officer Forums Emerging Risk Initative

Der Radar besteht aus drei Ellipsen und vier Segmenten(Technologie, Umwelt, Gesellschaft/Politik/Wirtschaft und Regulierung/Gesetz). Der innerste Bereich beschreibt die ER, die momentan das Versicherungsgeschäft beeinflussen können, der zweite all diejenigen ER, die sich im Zeitrahmen der nächsten fünf Jahre einstellen können und der dritte diejenigen, die im Zeitraum von fünf bis zehn Jahren auftauchen können.

Die Größe der einzelnen, dargestellten Punkte korrespondiert mit dem erwarteten Effekt – je größer, desto risikobehafteter. Die Farbgebung beschreibt die Risikokategorie: Rot bedeutet hohes Risiko, gelb hingegen geringes Risiko.

Industrie, Gesellschaft und Assekuranz müssen sich auf ein komplexes Konstrukt von neuen Herausforderungen einstellen. Der Megatrend Digitalisierung – einer unter vielen – stellt diese drei Bereiche vor neue und interessante Tatsachen wie zum Beispiel Hackerangriffe auf digitale Fabriken und autonome Fahrzeuge, Arbeitsplatzverlust und kontinuierliche Überwachung diverser Lebenssituationen/Verlust der Privatsphäre, fehlende Schadenerfahrung und adäquate Versicherungslösungen, die es zu meistern gilt.

Bild: Gerhard Schmid (Quelle: Munich Re)

Grafikquelle: Munich Re

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