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“Telematik ist nur eine Übergangslösung”

15.02.2017 – frank_edelmeier_axa“Wir schätzen das Marktpotential für telematikbasierte Lösungen in Deutschland auf fünf bis zehn Prozent des Gesamtmarktes”, erklärt Kfz-Experte Frank Edelmeier von der Axa im Exklusiv-Interview mit VWheute. Dennoch sei Telematik nur eine “Übergangslösung, die in einigen Dekaden schrittweise vom vollautonomen Fahren abgelöst werden wird”.

VWheute: Herr Edelmeier, im letzten Gespräch mit VWheute sagten Sie: “Elektrofahrzeuge werden sich als nachhaltiges Verkehrsmittel langfristig durchsetzen.” Von 2015 bis 2016 stieg die Zahl der E-Cars laut Statista um rund 35 Prozent, ist aber gegenüber den Benzinern weiter marginal. Halten Sie Ihre These?

Frank Edelmeier: Unser Gespräch liegt ja noch gar nicht so lang zurück. Sie fragten mich damals, ob der Komplett-Umstieg auf E-Mobilität bis 2030 möglich ist. Mit dem Blick in die Ferne bin ich weiter sehr zuversichtlich, dass die Autobauer es schaffen werden, Neufahrzeuge bis dahin flächendeckend mit Elektromotoren auszustatten. Die Anschaffungskosten werden ebenso sinken, um breite Akzeptanz zu erlangen. Mindestens genauso wichtig sind aber auch technische Verbesserungen bei Reichweite und Ladezeit und die dazugehörige Ladeinfrastruktur. Jede Menge Herausforderungen, aber die Dinge sind, wie ich meine, auf einem guten Weg.

VWheute: Ein anderes Thema: Hat sich die Telematik in Deutschland durchgesetzt und was ist zu verbessern – gerade gegenüber dem Ausland?

Frank Edelmeier: Wir schätzen das Marktpotential für telematikbasierte Lösungen in Deutschland auf fünf bis zehn Prozent des Gesamtmarktes. Telematikangebote sind in Deutschland immer noch verhältnismäßig jung am Markt. Sie stellen eine weitere Wahlmöglichkeit für Kunden dar, zusätzlich zu den regulären Tarifen. Gerade deutsche Nutzer stellen erhöhte Erwartungen an den Datenschutz, dies haben wir bei unserer Lösung sehr genau bedacht. Immer wieder werden in Branchenkreisen, weniger von Kundenseite, die Themen Datengenauigkeit und Erfassungsmöglichkeiten diskutiert. Sicherlich ist die Erfassung per App nicht so genau wie eine permanente Aufzeichnung per festverbauter Blackbox. Kunden erhalten damit aber weitaus größere Nutzungsfreiräume. Das war uns wichtig, und es trägt zur Akzeptanz am Markt bei.

VWheute: Wie gut wird der Axa Drive Check von den Kunden angenommen und was haben Sie als Versicherer daraus gelernt?

Frank Edelmeier: Die Rückmeldungen unserer Kunden zu unserer App-basierten Lösung sind sehr positiv. Erst kürzlich wurde der DriveCheck zudem mit dem Goldenen Bullen zur Versicherungsinnovation des Jahres 2017 gekürt. Viele Versicherungen zeichnen die Daten ihrer Kunden permanent auf. Wir überlassen es den Kunden, welche Fahrten sie aufzeichnen und an uns übermitteln wollen. Das wird immer wieder von Kunden positiv hervorgehoben. Außerdem haben wir sehr viel Lob dafür erhalten, dass keine Umbauten am Fahrzeug vorgenommen werden müssen und die Nutzung der App kostenlos ist.

VWheute: Was ist die Zukunft der Kfz-Versicherung, was wird 2017 der Trend werden?

Frank Edelmeier: Wir befassen uns eingehend mit der Mobilität der Zukunft, und zwar in allen Facetten. Telematik ist eine Übergangslösung, die in einigen Dekaden schrittweise vom vollautonomen Fahren abgelöst werden wird. Die Vorstellung von selbstfahrenden Autos fasziniert viele Menschen und polarisiert gleichermaßen. Vor allem die Frage der Sicherheit beschäftigt viele Autofahrer. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Männer glauben wesentlich häufiger als Frauen, dass autonom fahrende Autos sicherer als Menschen fahren können. Das zeigte der Axa Verkehrssicherheitsreport bereits 2015.

Langfristig wird das autonome Fahren dazu führen, dass sich die klassische Kraftfahrtversicherung nachhaltig schrumpft. Die spannende Frage ist, in welcher Geschwindigkeit das geschehen wird. In den nächsten zehn Jahren sehen wir eine eher moderate Veränderung durch autonomes Fahren. Zurzeit kommt der Druck auf die Kraftfahrtversicherer hauptsächlich dadurch zustande, dass der Markt schon sehr stark gesättigt ist und die Zahl der versicherten Fahrzeuge nicht mehr lange weiter steigen wird. Heute liegt der Fokus eher auf alternativen Mobilitätskonzepten wie Carsharing oder Mitfahrzentralen, die die Mobilität erhöhen, ohne dass mehr Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs sind.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz.

Bild: Frank Edelmeier, Leiter des Geschäftsfeldes Kraftfahrt bei Axa. (Quelle: Axa)

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