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Swiss Re fürchtet den “perfekten Sturm”

14.06.2017 – patrick_raaflaub_swissreEin begrenzter Marktzugang, regulatorische Fragmentierung, die Rückkehr der Inflation und Cloud-Risikokumulierung sowie die sich abzeichnende Haftpflichtgesetzgebung für künstliche Intelligenz stellen kurzfristig die größten Herausforderungen mit dem höchsten Risikopotenzial dar. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Sonar-Bericht der Swiss Re.

Demnach sorgen sich die Ökonomen des Schweizer Rückversicherers Swiss Re vor allem um den Schutz des eigenen Gartens – sprich: die steigende Kontrolle der Kapitalflüsse sowie eine Zunahme des Protektionismus könnte die Geschäftsmodelle international agierender Unternehmen weiter gefährden. Darüber hinaus befürchtet der Rückversicherer eine steigende Fragmentierung der regulatorischen Vorgaben. Die Folge: Erst- und Rückversicherer wären zunehmend nicht mehr in der Lage, die Wirtschaftsaktivitäten der einzelnen Unternehmen zu unterstützen.

Neben politischen Risiken sehen die Experten in der Inflation ein weiteres Risiko mit negativen Folgen für die Versicherungsbranche. Was von den Notenbankern der Europäischen Zentralbank (EZB) dank Nullzins und billigem bewusst angestrebt wird, könnte nach Ansicht des Schweizer Rückversicherers vor allem die Rentabilität der Versicherer beeinträchtigen. Insbesondere bei langfristigen Verbindlichkeiten wie der Kranken- und Lebensversicherung könnte sich dies laut Bericht der Swiss Re negativ auf die Vermögensverwaltung auswirken.

Klimatisch sorgt sich der Schweizer Rückversicherer vor allem um die wachsende Wasserknappheit im Südwesten der USA sowie in immer mehr Gebieten rund um den Globus, allen voran im Mittelmeerraum, Afrika, sowie Teilen Asiens und Lateinamerikas. Das Risikospektrum ist laut Studie weit gestreut – von Waldbränden über den Konkurrenzwettbewerb um Wasser im Energie- und Landwirtschaftssektor sowie einer zunehmenden Massenmigration.

Auch die damit verbundenen gesundheitlichen Risiken können sich nach den Berechnungen der Swiss Re zu einem immensen Risiko entwickeln. Dabei gehe es schon nicht mehr um die Frage, ob eine tödliche Infektionskrankheit auftrete, sondern wann und welchem Umfang sie eine Gesellschaft treffen werde. Im Extremszenario einer Pandemie sei dieses Risiko vor allem für Kranken- und Lebensversicherer sowie die internationalen Finanzmärkte von zentraler Relevanz.

Nicht zu vergessen ist die Furcht des Rückversicherers vor dem “großen Sturm”: So erfreuen sich Cloud-Dienste für Unternehmen und Privatpersonen einer immer größeren Beliebtheit. Damit steige auch die Zahl der Risiken und die Möglichkeit, dass sich ein “perfekter Sturm” bildet, beispielsweise durch einen Cyber-Angriff oder einen Ausfall des Stromnetzes, so die Befürchtung der Swiss Re.

“Zukünftige Risiken zu ignorieren ist keine Option, weder für die politischen Entscheidungsträger, die Versicherungsindustrie noch für die Gesellschaft als Ganzes. Je früher wir uns an diese Veränderungen anpassen, desto besser sind wir vorbereitet”, kommentiert Patrick Raaflaub, Group Chief Risk Officer der Swiss Re, den aktuellen Sonar-Bericht.

“Der Wissensaustausch über einen proaktiven Risikodialog, der die Interessengruppen miteinbezieht, kann dazu beitragen, im Versicherungssektor eine proaktive und vorbeugende Risikomanagementkultur zu schaffen, die ein diszipliniertes Eingehen von Risiken ermöglicht. Dies ist ein wichtiger Schritt, um die Widerstandsfähigkeit der Gesellschaft insgesamt zu stärken”, ergänzt der Risikovorstand des Rückversicherers. (vwh/td)

Bild: Patrick Raaflaub (Quelle: Swiss Re)

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