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Sozialpartnermodell “packt den Tiger in den Tank”

30.08.2017 – henriette_meissner_stuttgarterMit der Reform der Betriebsrenten hat sich die jetzige Bundesregierung auf eine neues Sozialpartnermodell geeinigt. Dabei können beide Seiten künftig Betriebsrenten ohne Haftung der Arbeitgeber und damit ohne Garantie vereinbaren. Für die sicherheitsbewussten Deutschen erfordert dies eine “bedeutende Verhaltens- und Einstellungsänderung”, betont Henriette Meissner gegenüber VWheute.

VWheute: Frau Meissner, worum geht es denn beim Thema Kommunikation im Rahmen des Sozialpartnermodells?

Henriette Meissner: Das Sozialpartnermodell bedeutet einen Bruch mit den traditionellen Rahmenbedingungen der Betriebsrente. Also einen Paradigmenwechsel. Aus Sicht der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer tritt an die Stelle von garantierten Leistungen, stetiger Rentenanpassung nach oben und Arbeitgeberhaftung eine Welt, in der man genau von diesen lieb gewonnenen Rahmenbedingungen Abschied nehmen muss.

Und nach allen Umfragen ist das Thema Sicherheit auch des Deutschen “liebstes Kind”. Es wird also eine bedeutende Verhaltens- und Einstellungsänderung auf der Seite der Betroffenen notwendig werden. Aus dem klassischen Change Management wissen wir, dass dafür eine professionelle Kommunikation erfolgsentscheidend ist. Und es rät sich, auch die zahlreichen Erkenntnisse aus diesem Bereich frühzeitig bei der Installation von Sozialpartnermodellen zu beachten.

VWheute: Können Sie uns ein Beispiel geben?

Henriette Meissner: Man weiß zum Beispiel, dass Veränderung auf der emotionalen Ebene starke Reaktionen auslöst. Gerade, wenn bekannte Orientierungspunkte (also zum Beispiel Garantien) wegfallen, kommt es zu Ängsten und Bedenken: “Was machen ‘die’ jetzt mit meinem Geld?”, “Kann ich dem neuen Modell vertrauen?”. Je höher die erwartete Verhaltensänderung ist und je größer die emotionale Aufladung, umso wichtiger ist das Thema der angemessenen und langfristigen Kommunikation, die genau diese Ebene adressiert. Das ist eine wichtige Erfahrung aus der Change Kommunikation.

VWheute: Was würden Sie den Beteiligten raten?

Henriette Meissner: Auch das lernen wir aus dem Change Management. Zum einen: Kommunikation ist Chefsache, also ganz konkret, die Initiatoren, die Sozialpartner (Arbeitgeber- wie Arbeitnehmerseite) müssen 300 Prozent hinter ihrem Modell stehen und das auch so kommunizieren. Zum anderen: Es muss sehr frühzeitig geschaut werden, wer die so genannten Stakeholder sind. Deren kritische Fragen sollten proaktiv adressiert werden, damit man die Kommunikationshoheit behält.

VWheute: Was ist denn aus Ihrer Sicht die größte kommunikative Herausforderung des Sozialpartnermodells?

Henriette Meissner: Schon im Vorfeld des Gesetzes hat sich das deutlich abgezeichnet. Eher sicherheitsorientierten Deutschen klar zu machen, dass jährlich schwankende Geldanlagen am Ende mehr Rendite bringen werden und dass auch die Renten schwanken können, ist die Herausforderung. Hier werden alle Beteiligten noch fachliche Vorarbeiten leisten müssen, um die Erfolgsgeschichte des Sozialpartnermodells auch kommunikativ in überzeugenden Bildern den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu vermitteln. Ich denke da gerne an das sehr prägnante Bild der Esso-Kampagne der 60er Jahre: “Pack den Tiger in den Tank!” – Genau das passiert im Sozialpartnermodell: Wir packen renditestarke Geldanlage in die Betriebsrente.

VWheute: Die Stuttgarter ist ja Mitglied des neuen Rentenwerks, einem Anbieter des neuen Sozialpartnermodells. Wie unterstützen Sie das Thema Kommunikation?

Henriette Meissner: Die Sozialpartner sind diejenigen, die ein Sozialpartnermodell durchführen und steuern – wir, Das Rentenwerk, sind Dienstleister und verlässlicher Kapitalanlagespezialist. Schließlich wird Das Rentenwerk von fünf starken Partnern getragen, alle Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit (bzw. Töchter von VvaG) – also Gesellschaften, die vor allem ihren Kunden partnerschaftlich verpflichtet sind. Und selbstverständlich unterstützen wir auf Wunsch der Sozialpartner die Kommunikation von unserer Seite, zum Beispiel mit entsprechenden Zahlen, Daten, Fakten oder als Sparringspartner für kommunikative Maßnahmen.

Bild: Henriette Meissner, Generalbevollmächtigte bAV der Stuttgarter Lebensversicherung, spricht heute auf dem Euroforum “Die Zielrente”. (Quelle: Stuttgarter)

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