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Smarte Häuser, zögerliche Versicherer

01.08.2017 – mariusz_janczewski_comarchVon Mariusz Janczewski. Intelligente Häuser und smarte Gebäudetechnik sind wohl inzwischen für alle ein Begriff. Von intelligenten Kühlschränken, die selbstständig Einkäufe tätigen, mobilen Anwendungen, die das Licht und die Heizung im Haus steuern oder den Hauseigentümer bzw. Sicherheitsdienst bei Auftreten einer Gefahr wie Rauch, Überschwemmung oder Einbruch alarmieren, hat mit Sicherheit jeder von uns schon gehört.

Nicht zum ersten Mal eröffnet eine innovative Technologie neue Möglichkeiten. Durch die fortschreitende Miniaturisierung der Informations- und Kommunikationstechnik und die sinkenden Gerätepreise werden die beschriebenen Lösungen für ein immer breiteres Publikum relevant. Voraussetzungen sind lediglich eine Internetverbindung, ein internes Netzwerk sowie Sensoren und Steuerungsmechanismen. Und all dies ist bereits zugänglich. Damit birgt dieser Bereich ein riesiges Versicherungspotential.

Beim vernetzten Wohnen (englisch: Connected Home), das häufig auch als “Smart-Home-Technologie” bezeichnet wird, handelt es sich um vernetzte Häuser oder Wohnungen, in denen mehrere Geräte, Dienste oder Anwendungen zusammenarbeiten. Vernetztes Wohnen dient in erster Linie der Sicherheit, dem Gesundheitsschutz sowie der Überwachung und Steuerung der Haustechnik, aber auch der Kommunikation und nicht zuletzt der Unterhaltung der Bewohner.

Ein Smart-Home-System besteht aus Sensoren und den mit ihnen integrierten Geräten, die durch entsprechende Anwendungen angesteuert werden. Mit Hilfe dieser Komponenten können Sie Ihr Zuhause in eine kleine technische Welt verwandeln – eine Welt, die sich entweder direkt vor Ort oder per Fernzugriff steuern lässt, wobei die letzte Option natürlich deutlich interessanter erscheint.

Fünf Basistechnologien

Das Marktforschungsunternehmen Gartner nennt fünf Technologiebereiche, die dem vernetzten Wohnen zugrunde liegen. Diese umfassen:

  • Netzwerktechnologien – das Hauptgerüst des Systems und der Datenträger. Hier kommen geläufige Netzwerkstandards wie Ethernet, WLAN, Bluetooth, 3G, LTE und Multimedia over Coax Alliance sowie ihre energiesparenden, speziell für derartige Lösungen entwickelten Pendants wie bspw. Bluetooth Low Energy zum Einsatz.
  • Sicherheit und Überwachung von Häusern und Geräten, d. h. die Gesamtheit aller Komponenten, die eingesetzt werden, um Normabweichungen festzustellen (wie Temperatur-, Gas-, Überschwemmungs-, Bewegungs-, Belüftungs- und Klimasensoren) und eine entsprechende Meldung an den Eigentümer zu übermitteln bzw. selbsttätig die für die jeweilige Gefahrensituation vorgesehenen Maßnahmen einzuleiten. So lassen sich Gefahren wie das Austreten gefährlichen Rauchs, Wasser an Stellen, an denen kein Wasser sein darf, eine ausgeschlagene Dachfensterscheibe oder ein Einbrecher in der Garage schnell erkennen.

Standardsets aus dem Bereich “Vernetztes Wohnen” bieten nicht nur entsprechende Funktionen, sondern können mit weiteren Sensoren oder Geräten aufgerüstet werden. Somit sind derartige Systeme flexibel erweiterbar. Die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. Es werden immer mehr “intelligente” Zubehörteile angeboten, die sowohl als Fertiglösungen als auch als Do-it-yourself-Sets erhältlich sind.

Vor einigen Jahren, als vernetztes Wohnen auf dem Markt noch kaum präsent war, hat mir ein befreundeter Ingenieur seinen selbst konstruierten Türöffnungssensor vorgeführt. Bei jedem Öffnen der Haustür sendete dieses Gerät eine kurze Meldung an sein Handy. So wusste er genau, wann seine Kinder aus der Schule zurückgekommen waren. Mir ist nicht bekannt, ob er weiterhin an seinem häuslichen Informationssystem herumbastelt, aber Menschen wie er finden auf dem heutigen Markt deutlich mehr Geräte dieser Art als damals.

  • Energieeinsparung – diese Technologie steht mit der erwähnten Steuerung der Haustechnik in Verbindung. Da sie der Kontrolle des Strom-, Gas- und Heizenergieverbrauchs dient, rückt sie immer häufiger in den Vordergrund. Schließlich betreffen diese Kenngrößen nicht nur jeden einzelnen Haushalt, sondern haben auch Einfluss auf den Gesamtverbrauch dieser Ressourcen in der Wirtschaft und sind im Hinblick auf Umweltaspekte relevant.
  • Im Gesundheits- und Fitnessbereich können die Smart-Home-Technologien ebenfalls genutzt werden, um beispielsweise die notwendige, nahtlose Überwachung von Kindern, Kranken und Pflegebedürftigen sicherzustellen.
  • Multimediale Unterhaltung – die Technologien in diesem Bereich, die das Anschließen von Geräten zur Wiedergabe von Bild und Ton ermöglichen, richten sich vorrangig an Film- und Musikliebhaber. Für die Versicherungsbranche ist dieser Bereich weniger relevant. Die Technologien ermöglichen es dem Anwender, die Bild- und Tonwiedergabe von einem beliebigen Ort aus, nach den eigenen Präferenzen und auf der gewünschten Plattform zu starten und zu steuern. Fachleute sind der Meinung, dass diese Smart-Home-Technologie unter technischen Gesichtspunkten die ausgereifteste ist. Dies ist den Anwendern hoffentlich bewusst und sie versichern ihre Unterhaltungselektronik entsprechend.
    Durchbruch erst in zehn Jahren?

Fakt ist – das vernetzte Wohnen ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Smart Home ist auf dem Markt in unterschiedlichen Varianten, mal in einer komplexen, mal in einer einfachen Form präsent. Ab und zu macht diese Technologie auch lautstark in den Medien auf sich aufmerksam. Um massentauglich zu sein, ist sie aber noch zu unausgereift. Laut Gartner haben bis jetzt lediglich ein Prozent aller Versicherungsunternehmen Projekte gestartet, die mit dem vernetzten Wohnen in Verbindung stehen. Die Initiative in diesem Bereich haben u. a. Allianz, American Family Insurance Group, Farmers Insurance, Liberty Mutual, NRMA Insurance und State Farm ergriffen.

Die Analysten prognostizieren, dass es noch mindestens zehn Jahre dauern wird, bevor die Smart-Home-Technologie sich großer Beliebtheit erfreuen und in großem Umfang angewendet werden wird. Das vernetzte Wohnen bleibt also weiterhin eine Zukunftsvision, trotzdem lohnt es sich bereits heute, sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen, da sie großes Potential für die Versicherungsbranche verspricht. Smart Home sollte nicht nur im häuslichen Kontext, sondern auch im Hinblick auf die gewerbliche Nutzung in Lagern, Produktionshallen, Werkstätten und Büros gesehen werden.

Bild: Mariusz Janczewski, IT-Berater im Bereich Versicherungen bei Comarch (Quelle: Comarch)

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