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D&O am Scheideweg zwischen Preis und Deckung

01.02.2018 – Zeit Uhr Manager Krawatte Stephanie Hofschlaeger_pixelio.deIn der D&O-Versicherung zeichne sich ein “grausames Spektakel” ab. Davon ist Michael Hendricks von Hendricks und Partner Rechtsanwälte, überzeugt. Auf der Euroforum Haftpflichttagung in Hamburg äußerte der Experter zudem die Vermutung, dass selbst eine Verzehnfachung der Prämien für die Zukunft nicht auskömmlich sei.

Auffällig sei außerdem, dass die Versicherungsunternehmen im direkten Kontakt mit den Versicherten brandgefährliche Zusatz-Klauseln anbieten würden. Die D&O-Sparte bedeute allein von der Beratung her für den Makler eine enorme Herausforderung. Gleichwohl erlebe man einen heftigen Digitalisierungsprozess, dem sich die Vermittler stellen müssten.

Zur Prämienentwicklung machte Hendricks eine einfache Rechnung auf: “Ein bestmögliches Versicherungskonzept kostet pro einer Mio. Euro Deckungssumme circa 1.000 Euro Prämie. Davon blieben für den Versicherer rund 500 Euro Risikoprämie übrig. Der Rest fließe zum großen Teil in die Taschen der Versicherungsmakler. Bedauerlicherweise werde der Preis-Wettbewerb auch von den großen Maklerhäusern angeheizt.

Hendricks forderte die D&O-Versicherer auf, sich die Mühe zu geben und eine seriöse Prämiengestaltung vorzunehmen. Beim Thema Schadenbelastung sieht Hendricks zusätzliche Probleme auf die Versicherer zukommen. Lange Nachmeldefristen von bis zu zwölf Jahren würden die Kassen der Versicherer zusätzlich strapazieren. Nach seinen Berechnungen würden inzwischen ohnehin 70 Prozent der Schadenaufwendungen für Anwalts-, Gerichts- und Gutachterkosten draufgehen. Das grenze bei D&O schon nahezu an eine Rechtsschutzversicherung (siehe KÖPFE & POSITIONEN).

Der Rechtsanwalt setzt in diesem Jahr große Hoffnung bei Auseinandersetzungen in die Initiative zur Einrichtung schiedsgerichtlicher Verfahren bei der Klärung von Haftungs- und möglicherweise auch Deckungsfragen. Damit könnte endlich ein schnellerer Abschluss der Verfahren ermöglicht werden. Er erwähnt, dass es zurzeit bei mittelständischen Unternehmen durchschnittliche Regulierungszeiten von bis zu drei Jahren gebe. Bemerkenswert auch seine Aussage, dass D&O zwar eine Verlustsparte sei, aber für Versicherer und Makler den “Eintritt in die Chefetage bedeutet”, um an weiteres lukratives Geschäft zu kommen.

Auf einen interessanten Aspekt machte Oliver Sieg, Partner bei Noerr LLP, aufmerksam. In Deutschland seien inzwischen, auch im Zusammenhang mit dem Diesel-Skandal, amerikanische Anwaltskanzleien aktiv. Diese würden gegen einen Anteil von 35 Prozent an der möglichen Gesamtentschädigung ihre Dienste anbieten. Ein solches Verfahren sei dagegen deutschen Anwälten verboten. Hier entwickele sich ein scharfer Wettbewerb.

Das Thema Digitalisierung bestimme inzwischen auch das Rechtswesen. Während aber die Anwälte sowohl auf der Kläger- als auch auf der Beklagtenseite schon hoch digitalisiert arbeiten würden, hinke die deutsche Justiz dem noch weit hinterher. Sieg ist davon überzeugt, dass in Deutschland noch lange umfassende D&O-Angebote zu erhalten sind, da es nach wie vor die unbeschränkte Organhaftung gebe. Er sieht wenig Hoffnung, dass sich da in absehbarer Zeit etwas tue.

Daniel Messmer, Director Reinsurance, Swiss Re Europe, wähnt die Erstversicherer bei D&O am Scheideweg. Je weiter sich diese in Richtung “Vollkasko” ausweite, desto mehr stelle sich die Frage nach dem Spagat zwischen Preis und Deckung. Gerade bei der Bedingungsgestaltung gebe es erhebliche, teilweise überbordende, Innovationskraft. Er will aber einen Silberstreif am Horizont ausgemacht haben. Inzwischen gebe es Verträge, die eine automatische Prämienerhöhung im zweiten Jahr nach Abschluss vorsehen würden. Messmer kritisiert Deckungszusagen, wie zum Beispiel für Umweltschäden, die nichts mit Organhaftung zu tun hätten. Er bemängelte insgesamt die Bandbreite und Vielfältigkeit von Deckungszusagen, ohne die Risiken genau zu kennen. (wo)

Bildquelle: Stephanie Hofschlaeger / PIXELIO (www.pixelio.de)

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