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Rückversicherer unter Druck: Mittendrin, aber nicht dabei

09.08.2017 – hauptgebaude_munichreDie heute veröffentlichten Halbjahreszahlen der Munich Re spiegeln das Dilemma einer ganzen Branche wider. Während die Zeichnungsjahre 2012 bis 2014 noch beträchtliche Gewinne aufwiesen, scheint die seit 2015 andauernde Pechsträhne die Rückversicherer zu verfolgen. Bestes Beispiel waren die jüngst vorgelegten Halbjahreszahlen der Swiss Re.

Mit einem Minus im ersten Halbjahr befände sich Munich Re in bester Gesellschaft: Einen Gewinnrückgang von 35 Prozent meldet Konkurrenz Swiss Re für den gleichen Zeitraum, nur beim Erneuerungsgeschäft zeigt sich ein Lichtblick: Dieses liege in der Tarifierung bei 102 Prozent der Vorjahrespreise, gleichbedeutend mit einer zweiprozentigen ersten Preisanpassung nach oben. Demnach wäre die Talfahrt bei Swiss Re jedenfalls bereits gestoppt. Mit einiger Wahrscheinlichkeit gilt dies aber nicht für die gesamte Branche, sondern ist eine Folge der bei Swiss Re besonders selektiv gewordenen Zeichnungspolitik, die sich im P&C Volumeneinbruch ausdrückte.

Generell scheint ein Wiederanstieg der Marktraten dringend nötig: die unverständliche Senkung des Renten-Diskontierungssatzes von 2,5 Prozent auf minus 0,75 Prozent durch die britische Regierung im Februar 2017 kostet insbesondere die Schadenexzedenten-Rückversicherer Millionen US-Dollars. Zudem soll 2017 ein besonders heftiges Karibik-Hurrikan-Jahr werden. Sollte es einen Marktschaden von mehr 50 Mrd. US-Dollar geben, so wäre dies das einerseits (was die gegenwärtigen Ergebnisse angeht) gefürchtete, andererseits aber (was künftige Raten betrifft) herbeigesehnte Ereignis.

Rückversicherung als Spielball der Währungen

Sollten die Marktzinsen allmählich wieder steigen, könnte sich der Hunger von institutionellen Investoren auf ein wenig mehr an Rendite abwerfenden Risikoverbriefungen reduzieren.

Einer Marktverhärtung steht andererseits die Wiedererstarkung von Pfund und Euro gegenüber dem US-Dollar im Wege. Ein schwächerer US-Dollar bedeutet insbesondere bei Lloyd’s Syndikaten eine geringere Nutzung der in maximalen Prämieneinkommen gemessenen Stamp Capacity bzw. einen Anreiz, mehr in US-Dollar zu zeichnen, um das Geschäftsplan-Soll zu erfüllen. Underwriter laufen kurzfristig Gefahr aufgrund einer zu hohen Kostenquote ihren Job zu verlieren – die Schadenquote wird ihnen auch in Zeiten ständiger aktuarieller Kontrolle erst mittelfristig zum Verhängnis.

Eine weitere Unwägbarkeit kommt außerdem im kommenden Jahr hinzu. Je nach Verlauf der Brexit-Verhandlungen könnte es dazu kommen, dass Rückversicherer des Londoner Marktes und gar noch der Bermudas die ihnen bislang von der EU zugestandene regulatorische Äquivalenz einbüßen. EU-Versicherer könnten zwar immer noch ihr Geschäft nach London zedieren, hätten davon aber nur bei Erhalt von Sicherheiten (Bankgarantien, Depots) noch den Erfolg einer Reduzierung des Solva-Bedarfs. (cpt)

Bild: Hauptgebäude der Munich Re. (Quelle: Munich Re)

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