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“Restriktionen für Rückversicherer sind unwahrscheinlich”

08.06.2017 – ullrich_wallinn_hannoverreHeute wählen die Briten ein neues Unterhaus. Die Wahlen stehen dabei auch ganz im Zeichen des Brexit. Diesen sieht Ullrich Wallin, Vorstandschef der Hannover Rück, gelassen. Im Exklusivinterview mit dem Business- und Managementmagazin Versicherungswirtschaft spricht er über Protektionismus und wirtschaftliche Brennpunkte.

Versicherungswirtschaft: Welche Folgen hat der EU-Austritt Großbritanniens auf die Entwicklung der Rückversicherung in Europa?

Ullrich Wallin: Das sehen wir sehr gelassen. Rückversicherung kann in allen europäischen Ländern gegenseitig frei gezeichnet werden. Das ist ein sehr positiver Aspekt. Wenn sich das ändern sollte, müssen wir eine Niederlassung in Großbritannien gründen. Ich glaube aber nicht, dass es zu Restriktionen kommen wird. Aus meiner Sicht dürfte der Brexit kaum Auswirkungen auf die Rückversicherung haben.

Versicherungswirtschaft: Gefährdet die neue US-Regierung mit ihren geplanten protektionistischen Maßnahmen für den Binnenmarkt das Rückversicherungsgeschäft?

Ullrich Wallin: Die Frage ist, ob die zur Debatte stehende Cross Border Tax – wenn sie denn käme – auch auf Rückversicherungsprämien angewandt wird. Sollte das der Fall sein, könnten wir aus Deutschland heraus kein profitables Geschäft in den USA mehr zeichnen. Auf unsere Personen-Rückversicherung hätte diese Maßnahme jedoch wenig Einfluss, da wir in den USA über eine eigene Tochtergesellschaft verfügen. Das Schaden-Rückversicherungsgeschäft zeichnen wir hingegen aus Deutschland heraus. Sollte es nötig sein, würden wir geeignete Vorkehrungen hierfür treffen. Ich gehe allerdings davon aus, dass eine Importsteuer auf Finanzdienstleistungen nicht eingeführt wird.

VWheute: Wo sehen Sie in einer Welt wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Brennpunkte gegenwärtig die größten Gefahren?

Ullrich Wallin: Für uns als Rückversicherer ist es wichtig, soweit wie möglich freien Zugang zu den Märkten zu haben. Das nennen wir Cross-Border-Trading. Den weltweiten Risikoausgleich zu schaffen klappt dann am besten, wenn Rückversicherer in allen Ländern ihr Geschäft frei zeichnen können. Das ist auch im Sinne der dortigen nationalen Versicherer, weil sie auf diese Weise die beste Rückversicherung sowie die wettbewerbsfähigsten Konditionen bekommen. Überall dort, wo der freie Rückversicherungsverkehr beschränkt ist, wird das Angebot in dem jeweiligen Land verknappt.

Auch Deutschland beschränkt ausländische Rückversicherer darin, Geschäft zu zeichnen, wenn diese aus Ländern kommen, deren Aufsichtssysteme nicht Solvency II äquivalent sind. Andere Länder, wie Frankreich, Großbritannien oder Irland, handhaben das nicht so. Wir sehen gerade in Asien, wie Protektionismus die lokalen Rückversicherer bevorzugt. Wir sind für einen freien Dienstleistungsverkehr für unsere Branche; das hilft letztendlich auch den Erstversicherern.

Versicherungswirtschaft: In welchen Märkten dieser Welt sehen Sie die größten Wachstumspotentiale und warum?

Ullrich Wallin: Große Wachstumspotentiale sehe ich in Asien, weil dort insgesamt die wirtschaftliche Entwicklung sehr positiv verläuft. Damit steigen dort sowohl die Versicherungsdurchdringung als auch die versicherten Risiken. Folglich erhöht sich auch der Bedarf nach Rückversicherung. In den USA sehe ich ebenfalls gute Ansätze zur Ausweitung unseres Geschäfts. Grund dafür ist die große Zahl an Erstversicherern mit denen wir Geschäfte betreiben können.

In Westeuropa dagegen dürfte der Markt eher gesättigt sein. Osteuropa ist zwar teilweise eine Wachstumsregion, aber in weiten Teilen politisch eher problematisch zu sehen. Nehmen wir zum Beispiel den russischen Markt, der zwar Wachstumspotentiale aufweist, aber auch von Sanktionen bestimmt ist. Hinzu kommt die Schwäche des Rubels.

Die Fragen stellte VWheute-Korrespondent Wolfgang Otte.

Bild: Ullrich Wallin (Quelle: Hannover Rück)

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