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Reines Glücksspiel? Risikotransfer bei Wettveranstaltern

04.08.2017 – 87115_web_R_B_by_Claudia Hautumm_pixelio.deDie Abschottungen zwischen Glücksspiel, Versicherung und Kapitalmärkten gehören der Vergangenheit an. Wie weit dieser Trend schon gediehen ist, verdeutlicht die Verbriefungstransaktion des von der Gibraltar Gaming Commision lizensierten Lottoland. Der Wettveranstalter organisiert unter eigenem Namen Lotterien und sonstige Glücksspiele. Das Risiko trägt Lottoland. Ein Schaden kann daher ein versicherbares Ereignis sein.

Lottoland transferiert das unter die Sparte 16 “Miscellaneous Financial Loss” fallende Jackpot-Risiko unbelastet von Prämiensteuer via lokalen Erstversicherungs-Fronter, Eurogard Insurance PCC Limited sowie mehrere dahinter geschaltete Rückversicherer (jeweils Reinsurance Protected Cells in Guernsey und den Bermudas) an die Kapitalmärkte.

Die Rückversicherer wiederum begeben Anleihen, unter denen die Rückzahlung nur im Fall der Schadenfreiheit der rückversicherten Deckung geschuldet wird. Rückversicherungsverpflichtungen und gegebenenfalls anfallende Rückzahlungsverpflichtungen unter den Bonds kompensieren sich.

Die von den Bond-Gläubigern stammenden Mittel werden im Sinne von Collateralised Reinsurance zweckgebunden für mögliche rückversicherte Schäden hinterlegt.

Die erste Transaktion dieser Art war Fortuna 1 im Jahr 2015. Nun wurde Fortuna 3 mit einer Maximalhaftung von 120 Mio. Euro über vier Layer platziert. Der modellierte Schadenerwartungswert  für den höchsten Layer liegt bei zwei Prozent, der für den niedrigsten und exponiertesten bei 14 Prozent.

Die Layerprämie beträgt das 1,6- bis 2,1-Fache des Erwartungswerts. Unter frühere Deckungsjahre fiel bereits ein Lottohauptgewinn in Höhe von 22 Mio. Euro in Berlin.

Der Risikotransferpreis wird monatlich entsprechend den aktuellen Exponierungen von Lottoland nachmodelliert. Bei Lottobetreibern ist die Stochastizität der Exponierungen recht transparent – Spielcasinos und britischen Buchmachern dürfte es aber wesentlich schwerer fallen, ihr “Va Banque”-Risiko auf die Kapitalmärkte zu verlagern.

Arrangeur bzw. Risikoberater war die in Bad Soden ansässige Inea GmbH. Einer der Inea Geschäftsführer ist der Jurist Norbert Kranz, der früher bei Gen Re Erstversicherern das Outsourcing von deren Kapitalanlagen anbot. Ein weiterer Inea Geschäftsführer ist der einstige Risikomanager bei Höchst Tore Ellingsen.

Online-Glücksspiel gehört zu den stark gewachsenen Wirtschaftsbranchen Gibraltars. Nach dem Brexit müssen dortige Gesellschaften aber wohl ihr auf EU-Staaten zielendes Angebot von innerhalb der EU27 generieren. (cpt)

Bildquelle: Claudia Hautumm/ PIXELIO/ www.pixelio.de

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