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RegTechs schalten auf laut

03.11.2017 – 163268_web_R_by_Jens Zehnder_pixelio.deWährend die FinTechs zum größten Teil in den Bereichen Kundengewinnung und Vertrieb tätig sind und ihren Schwerpunkt auf die Geschäftsgenerierung legen, fokussieren sich RegTech-Unternehmen auf die internen Bedürfnisse von Kreditinstituten, Versicherungsunternehmen und Investmentfondsgesellschaften.

Ihr Tätigkeitsfeld umfasst also eher den Datenaustausch mit Regulierungsbehörden, Kontrollprozesse, die Identifizierung von Personen und Unternehmen, Cashflow-Überwachung, Datenanalyse und Reporting. Ein RegTech zu sein, ist alles andere als einfach. Ein solches Unternehmen muss über hervorragende Geschäftskenntnisse verfügen, die betreffenden Regulierungen kennen und hinsichtlich neuer, zeitnah in Kraft tretender Vorschriften stets auf dem Laufenden sein.

Studenten oder junge Beschäftigte der Start-up-Unternehmen bringen solche Fachkompetenzen selten mit. Kein Wunder, dass RegTechs ihre Mitarbeiter sehr häufig in der Aufsichtssparte suchen. Übrigens ist die Gründung zahlreicher RegTechs tatsächlich auf die Initiative von Personen aus dem Aufsichtsbereich zurückzuführen.

Die Kompetenz von ehemaligen Aufsichtsmitarbeitern allein reicht jedoch nicht aus. Das größte Problem stellt der auf dem Markt herrschende Fachkräftemangel dar. Daher sind die Aufsichtsbehörden selbst gefragt, sich im Hinblick auf die Gründung und Tätigkeit von RegTech-Unternehmen zu engagieren. So hat die britische Regulierungsbehörde Financial Conduct Authority (FCA) die Initiative ergriffen und im Auftrag der Regierung des Vereinigten Königreichs die Zusammenarbeit mit Technologieunternehmen begonnen. Dies war sozusagen die Geburtsstunde von RegTechs.

Initiative der polnischen Finanzaufsichtskommission

Auch die polnische Finanzaufsichtskommission Komisja Nadzoru Finansowego ist mit einer vor Kurzem ins Leben gerufenen Arbeitsgruppe für die Entwicklung von Finanzinnovationen (FinTech) tätig geworden. Laut den auf ihrer Website veröffentlichten Angaben “beschäftigt sich die Arbeitsgruppe mit der Überprüfung gültiger Rechtsvorschriften und Aufsichtsregulierungen zwecks Identifizierung regulatorischer Hürden für die Entwicklung von Unternehmen, die moderne IT-Lösungen im Finanzdienstleistungsbereich anbieten”.

Es geht also vorrangig darum, den FinTechs das Leben zu erleichtern. Dies entspricht dem weltweiten Trend, die Hürden für die auf dem Finanzmarkt tätigen Start-up-Unternehmen abzubauen. Bisher scheinen RegTechs auf dem polnischen Markt noch nicht präsent zu sein, doch das ist nur noch eine Frage der Zeit.

Internationaler “Regulierungssandkasten”

Während Polen im RegTech-Bereich erst langsam Fahrt aufnimmt, laufen in anderen Ländern bereits konkrete Programme. Neben Großbritannien mit der FCA haben auch Länder wie Australien, Hongkong, Indien, Israel, Japan, Singapur und die USA Initiativen zur Unterstützung von RegTech- bzw. FinTech-Unternehmen gestartet. Die Aufsichtsbehörden dieser Länder versprechen Erleichterungen und versichern, die Entwicklung von Finanzinnovationen voranzutreiben. Zudem unterstützen sie “Regulierungssandkasten”-Modelle bzw. Sandbox-Modelle.

Die Definition von FinTech Poland lautet: “Ein Regulierungssandkasten oder Sandbox ist ein geschützter und isolierter Raum, in dem Unternehmen ihre innovativen Produkte, Dienstleistungen, Geschäftsmodelle und Mechanismen testen können, ohne dass alle für diese Produkte, Dienstleistungen oder Dienstleister als verbindlich geltenden Regulierungsvorgaben erfüllt sein müssen. Dem allgemeinen Verständnis von Sandbox entsprechend soll ein Regulierungssandkasten den Unternehmen die Möglichkeit geben, Produkte oder Dienstleistungen einer begrenzten Anzahl an Konsumenten anzubieten. Dies versetzt insbesondere Start-up-Unternehmen in die Lage, die Reaktion von Konsumenten auf neue Lösungen in einer sicheren Umgebung zu testen.”

Wie sieht die Zusammenarbeit aus?

Eine positive Entwicklung zeigt sich darin, dass FinTech- und RegTech-Unternehmen sowie ihre Bedeutung in Polen endlich wahrgenommen werden und nun Überlegungen im Gange sind, wie man sie in ihrer Tätigkeit unterstützen könnte. Für einige dieser Unternehmen ergibt sich dadurch die Chance, sich detaillierter mit den gültigen Rechtsvorschriften auseinanderzusetzen und an diese anzupassen.

Nicht gänzlich ohne Neid lässt sich feststellen, dass die Start-ups im Finanzbereich jetzt ein wenig Rückenwind bekommen, was u. a. darauf zurückzuführen ist, dass die Innovation in Polen zu einer strategischen Priorität erklärt wurde. Dementsprechend erfreuen sich Start-ups nun Anerkennung und Beliebtheit; man möchte ihnen helfen und mit ihnen zusammenarbeiten.

Bleibt zu hoffen, dass andere IT-Anbieter auf dem Markt einen ähnlichen Kooperationsvorschlag erhalten werden; bisher bestehen keine Partnerschaften mit der Finanzaufsichtskommission Komisja Nadzoru Finansowego oder anderen Aufsichtsinstituten. Dadurch ist die Informationsaustauschkette sehr lang und es wird deutlich mehr Zeit für die Anpassung der Marktteilnehmer an neue Regulierungen benötigt.

Denn erst, wenn die Versicherungsunternehmen über neue Regulierungen informiert wurden, können sie Kontakt zu ihren IT-Partnern aufnehmen, um ihre Systeme an die bevorstehenden Änderungen anpassen zu lassen. Durch eine Zusammenarbeit der polnischen Finanzaufsichtskommission mit Versicherungsunternehmen und IT-Anbietern könnte mehr Zeit für gemeinsames Handeln sowie eine bessere Vorbereitung auf Änderungen und ihre schnellere Umsetzung erreicht werden.

Link: Was bringen RegTechs bei der Regulierung? (Tagesreport vom 02.11.2017)

Autor: Mariusz Janczewski ist IT-Berater im Bereich Versicherungen bei Comarch.

Bildquelle: Jens Zehnder/ PIXELIO/ www.pixelio.de

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