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Quo Vadis Krankenversicherung?

28.08.2017 – Krankenkasse_Thorben Wengert_pixelio.de.Mit Spannung blicken auch die privaten Krankenversicherungen und ihre Beschäftigten auf den 24. September 2017, den Tag der Bundestagswahlen. Bei bestimmten Mehrheitsverhältnissen könnte sich danach das Schicksal einer ganzen Branche entscheiden. SPD, Grüne und Linke wollen sich vom dualen Gesundheitssystem verabschieden und die seit nunmehr rund 15 Jahren geforderte Bürgerversicherung für alle einführen.

Verständlich, dass sich die privaten Krankenversicherer gegen die Einheitsversicherung zur Wehr setzen und auf deren negative Wirkung für das Gesundheitssystem in Deutschland verweisen. Der Vorstandsvorsitzende der Süddeutschen Krankenversicherung, Ralf Kantak, ist nicht der einzige, der sich vehement gegen das Damoklesschwert des möglicherweise anstehenden Einheitsbreis wehrt und mit Argumenten punkten will.

Kantak ist davon überzeugt, dass sich das duale System, also das Nebeneinander von gesetzlicher und privater Krankenversicherung in Deutschland, in den letzten Jahrzehnten bewährt hat. Die einheitliche Krankenversicherung für alle sei kein Mittel gegen höhere Beiträge in der GKV. Im Gegenteil, die PKV entlaste die GKV und stütze das gesamte deutsche Gesundheitssystem. Diese Aussage wird von einigen wissenschaftlichen Einrichtungen geteilt. Selbst Chefs großer gesetzlicher Krankenkassen warnen vor den negativen Folgen der Bürgerversicherung.

Die medizinische Versorgung in Deutschland gehöre zu den besten der Welt, heißt es immer wieder. Das liege unter anderem daran, dass Privatversicherte einen Großteil des Fortschritts finanzierten. Sie zahlten höhere Ärztehonorare als gesetzlich Versicherte. Ohne die Privatversicherungen gingen dem gesamten Gesundheitswesen jedes Jahr rund elf Milliarden Euro verloren. Die Koexistenz von gesetzlicher und privater Krankenversicherung zählt folglich zu den Stärken des deutschen Gesundheitssystems.

Die Politik, allen voran die SPD, versucht schon jetzt durch die Hintertür, Beamten die GKV schmackhaft zu machen. Diese Gruppe in der Freien und Hansestadt Hamburg soll ab August 2018 anstatt der individuellen Beihilfe den hälftigen Beitrag zu einer gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung erstattet bekommen. Bürgerversicherungs-Fan Karl Lauterbach (SPD) jubelt bereits. Andere sozialdemokratisch geführte Bundesländer wollen diesem Beispiel folgen und erhöhen damit letztendlich den Druck des Handelns. Kritiker warnen davor, dass das zu erheblichen Mehrkosten führt, die letztlich der Steuerzahler blechen muss.

Nun kommt in dieser für die PKV hektischen Zeit eine ganze Reihe positiver Meldungen. Viele Unternehmen berichten über stattliche Beitragsrückerstattungen an ihre Kunden oder kündigen generelle Beitragssenkungen an, nachdem noch vor Wochen kritisch über teilweise hohe Beitragssteigerungen in der PKV berichtet wurde. Wobei fairerweise ebenfalls erwähnt werden sollte, dass den Gesellschaften vom Gesetzgeber enge Spielräume für Beitragserhöhungen gesetzt sind. Diese liegen nur nach “selbstauslösenden Faktoren” vor, wenn die Leistungen in einem Tarif nachweislich mindestens zehn Prozent höher liegen als kalkuliert.

Während also manch ein privater Krankenversicherer zweitweise über mehrere Jahre hinweg auf Beitragserhöhungen weitgehend verzichten musste, führte das zu ordentlichen Steigerungen, wenn der jeweilige Wert die höheren Ausgaben überstieg. Der PKV-Verband fordert deshalb eine bessere gesetzliche Regelung, die eine stetigere Beitragsentwicklung ermöglicht, wie sie aus der GKV bekannt ist. Aufhorchen lassen auch Meldungen darüber, dass die Altersrückstellungen in der PKV mit 233 Mrd. Euro Rekordhöhe erreicht haben und damit für stabile Beiträge im Alter sorgen.

Die PKV hat also verstanden, dass sie ihre Existenzberechtigung durch solche guten Nachrichten untermauern kann. Vor allem eines kann die PKV beruhigen: Nach jetzigen Wahlprognosen dürfte es kaum Chancen für einen Politikwechsel geben, was auch weiterhin für die Fortführung des dualen Systems spricht. Wobei, darüber ist sich die Branche aber auch im Klaren, die Gesellschaften keineswegs nach der Wahl zur Tagesordnung übergehen dürfen. Eine Branche lebt von ihrer Innovationskraft und ihrer Weiterentwicklung. Das ist immer noch das beste Mittel, um Kritikern Wind aus den Segeln zu nehmen.

Da sollte die PKV doch Einiges zu bieten haben, was überzeugt. Die Entwicklung hin zum Gesundheitsspezialisten, der seinen Versicherten mit Rat und Tat bei allen Gesundheitsfragen zur Seite steht, wäre zum Beispiel eine richtige Antwort. Die Alterung der Gesellschaft und die damit verbundenen Gesundheitsrisiken fragen nach Antworten. Wer als Kunde seiner Gesellschaft vertraut und mit dieser zufrieden ist, wird sich wohl kaum für einen Systemwechsel aussprechen. (vwh/wo)

Bildquelle: Thorben Wengert / PIXELIO (www.pixelio.de)

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