Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

- Anzeige -

Persönliche Beratung könnte zum Luxus werden

06.02.2017 – marc_suminski_sgkDen ersten Ansturm von Fintechs konnte die Versicherungswirtschaft relativ gut wegstecken, aber der Vormarsch der Digitalisierung ist noch lange nicht am Ende. “Digitalisierung ist ein Stichwort, das Sie alle nicht mehr hören können – aber Sie müssen es hören”, glaubt Marc Surminski, Chefredakteur der Zeitschrift für Versicherungswesen.

Grundsätzlich bedeute Digitalisierung, dass sich die Versicherer radikal verändern müssen, um sich an die von der Umwelt diktierten Veränderungen anzupassen. Wie Beispiele aus anderen Branchen zeigen, – Stichwort Kodak – sollte sich niemand zu sicher sein, dass er ein “Fels in der Brandung” und sein Geschäftsmodell unzerstörbar ist.

Lange habe die Versicherungswirtschaft geglaubt, sie sei durch die starke Regulierung und das komplexe und kapitalintensive Geschäft geschützt – “aber diese Schutzmauer ist relativ brüchig”, stellte Surminski fest. Offensichtlich sei dies bereits im Kfz-Geschäft, hier wird das Neugeschäft mittlerweile zu einem Drittel über Vergleichsplattformen im Internet abgeschlossen.

Auch der hohe Kapitalbedarf habe das Aufkommen von Fintechs nicht verhindert – allein in Deutschland sei das Investitionsvolumen für Insuretechs von 23,0 Mio Dollar 2015 auf 82,4 Mio Dollar 2016 gestiegen. Bisher sei damit hier “viel heiße Luft und wenig Geschäft” produziert werden – aber das müsse nicht so bleiben. Fakt sei, dass sich das Kundenverhalten ändert und damit müsse sich auch der Vermittler ändern. Gefragt sei der “hybride Vermittler”, der technisch mit den Insuretechs gleichzieht und gleichzeitig die Überlegenheit des persönlichen Vertriebs ausspielt.

Auch von der Generation Y, die einen großen Teil ihrer Zeit online verbringt, wollen über 50 Prozent lieber einen persönlichen Kontakt zum Vermittler, wenn es um komplexe Themen geht. Surminski sieht hier eine “deutliche Marktbereinigung” auf die Branche zukommen. Standardprodukte werden in den Online-Bereich abwandern, der Vertrieb wird sich auf komplexe, beratungsintensive Produkte konzentrieren.

Völlig offen ist dagegen, wie sich der zunehmende Einsatz von selbstlernenden Robotern auswirken wird – werden sie die persönliche Beratung nur ergänzen oder völlig ersetzen? Und auch durch die “Siri-Revolution”, das Vordringen digitaler Assistenten in alle Lebensbereiche, drohen einschneidende Veränderungen bis hin zu der Möglichkeit, dass eine persönliche Beratung nur noch für eine elitäre Minderheit möglich und erschwinglich ist. Zudem hat die Gründung von Fintechs eine neue Ausbaustufe erreicht – bisher konzentrierten sie sich auf die Vermittlung, jetzt schicken sich die ersten digitalen Versicherer an, den Markt erobern zu wollen.

Gegenüber den etablierten Versicherungsunternehmen haben sie den Vorteil, frei von IT-Altlasten zu sein und mit komplett digitalen Strukturen und einem kostengünstigen Vertrieb aufwarten zu können. Die Versicherungswirtschaft müsse jetzt ihrerseits innovativ und kreativ werden, damit sie nicht aus dem Geschäft gedrängt wird – aber Surminski ist optimistisch: “Die Branche ist aufgewacht”. (sgk)

Bild: Marc Suminski (Quelle: sgk)

- Anzeige -

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

Verlag Versicherungswirtschaft | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten