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Oletzky warnt vor unberechenbarer Versicherungswelt

27.07.2017 – Torsten Oletzky_Insurlab GermanyDigitale Versuchslabore haben derzeit auch in der Versicherungsbranche Hochkonjunktur. Ein Beispiel: Das Insurlab Germany in Köln mit einem alten Bekannten – Torsten Oletzky. Im Interview mit VWheute spricht der Ex-Ergo-Chef über das ehrgeizige Ziel, das gesamte Spektrum der neuen, digitalen Geschäftsmodelle in der Versicherungswirtschaft abzudecken.

VWheute: Beginnen wir ganz banal. Was gibt es Neues im Lab, an was wird gearbeitet, wie läuft es und wo liegen die Probleme?

Torsten Oletzky: Das Insurlab Germany ist Ende Mai mit der Gründung des Trägervereins gestartet. Inzwischen haben wir zahlreiche Versicherer als Mitglieder gewinnen können und mit dem Aufbau des Netzwerks zu den Insurtech-Startups begonnen. Ab September werden wir in zahlreichen Veranstaltungen den Dialog zwischen Versicherungswirtschaft, Startups und Investoren organisieren. Parallel rekrutieren wir unser Team und bereiten uns auf den Umzug in unsere neuen Räumlichkeiten vor.

VWheute: Wie muss ich mir Insurlab Germany e. V. überhaupt vorstellen? Ist es ein großes Labor, in dem alle, immerhin sind 15 Versicherer beteiligt, in verschiedenen Bereichen an einem Projekt arbeiten? Oder sind viele, mehr oder weniger, kleinere Projekte unter einem Dach versammelt? Malen sie unseren Lesern ein Bild des Labs.

Torsten Oletzky: Das Insurlab Germany ist eine große Plattform, auf der Startups und Versicherungsunternehmen zusammenkommen. In keiner anderen Initiative finden Startups eine so große Zahl interessierter Versicherungsunternehmen, die den Dialog mit ihnen suchen. Anstatt also bei zahlreichen Versicherungsunternehmen einzeln Klinken zu putzen, können die Startups zu uns kommen hier den Zugang zu einem breiten Querschnitt der deutschen Versicherungswirtschaft finden. Wir organisieren den Dialog und die gemeinsame Suche nach besseren Lösungen für die Herausforderungen der Versicherungswirtschaft. In unseren zukünftigen Räumlichkeiten werden wir Startups den Raum zum Arbeiten bieten und unseren Mitgliedern in sogenannten “Coworking Spaces” die Möglichkeit geben, hautnah an den neuesten Entwicklungen dran zu sein.

VWheute: Was ist die Intention hinter der beschriebenen Vorgehensweise, wo liegen die Vorteile und Probleme?

Torsten Oletzky: Unsere Intention ist es, das gesamte Spektrum der neuen, digitalen Geschäftsmodelle in der Versicherungswirtschaft abzudecken. Wir wollen attraktiv sein für kleine wie für große Versicherungsunternehmen, für frisch gegründete wie für bereits etablierte Start-ups, wir wollen Lösungen für die Lebens-, Kranken und Schaden-/Unfallversicherung entwickeln. Die Voraussetzung dafür ist eine breite Basis, die wir über unseren Trägerverein sicherstellen. Die größte Herausforderung dabei ist der zügige Aufbau des operativen Geschäftsbetriebs.

VWheute: Das große IT-Thema ist aktuell Sicherheit/ Cybergefahren. Wie schützt sich das Lab gegen Cyberspionage oder –attacken? Kann das Lab gar einen Beitrag zur IT-Sicherheit der Branche liefern?

Torsten Oletzky: In der Tat sind IT-Sicherheit und Cyber-Risiken große aktuelle Themen mit Chancen und Risiken für die Versicherungswirtschaft. Das Lab muss sich wie alle anderen Nutzer von IT-Infrastrukturen gegen bestehende Gefahren schützen. Die Herausforderungen dabei unterscheiden sich nicht wesentlich von denen anderer Nutzer vergleichbarer Infrastrukturen. Unsere Mitglieder sehen sich noch deutlich höheren Anforderungen an die IT-Sicherheit ausgesetzt, da sie als Versicherungsunternehmen regelmäßig sehr sensible Daten verarbeiten. Hier können gemeinsam mit Startups entwickelte Ansätze einen wichtigen Beitrag zur IT-Sicherheit leisten.

VWheute: Bleiben wir beim Thema: Wird während der Konzeption eines Produkts bereits primär an Sicherheit gedacht oder ist das der zweite Schritt, der nach der Konzeption erfolgt?

Torsten Oletzky: Die Frage wäre sicherlich eher etwas für unsere Mitglieder. Aus meiner Sicht sollte bei der Konzeption eines Produkts immer der Kundennutzen an erster Stelle stehen. Und da die Kunden verständlicherweise einen hohen Anspruch an Sicherheit haben, muss dieser Aspekt bei der Produktentwicklung offensichtlich eine zentrale Rolle spielen.

VWheute: Das Bundeswirtschaftsministerium hat München zum Digital Hub für den Bereich Insurtech ausgewählt. Ihr Kommentar dazu?

Torsten Oletzky: Das InsurLab Germany am Standort Köln wurde im April als erster Insurtech-Hub in die de:hub-Initiative des Bundeswirtschaftsministeriums aufgenommen. In einer späteren Runde kam auch München dazu. Dazu gratuliere ich den Münchener Kollegen herzlich. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit den Kollegen der anderen Standorte, das gilt für die Initiative von Allianz und Munich Re in München in gleicher Weise wie für die bereits länger existierenden Initiativen in Leipzig und Berlin.

VWheute: Wenn Sie auf die Versicherungswelt blicken. Was würden sie sich von den etablierten Versicherern wünschen? Mehr Mut, mehr Geld für Forschung oder etwas ganz anderes?

Torsten Oletzky: Ich wünsche mir vor allem Offenheit, Offenheit für neue Lösungen, Offenheit für die Zusammenarbeit mit jungen Unternehmern in Startups, die anders agieren und manchmal auch anders aussehen als klassische Versicherungsmanager, und Offenheit für Investitionen in die Geschäftsmodelle der Zukunft, auch wenn sich nicht immer sofort ein kurzfristiger Business Case rechnen lässt.

VWheute: Entstauben wir die Kristallkugel. Wie wird die Versicherungswelt in fünf Jahren aussehen und welchen Anteil hat das Lab daran?

Torsten Oletzky: Die Versicherungswelt wird digitaler, jünger, weniger berechenbarer werden. Die Effekte werden nicht von heute auf morgen sichtbar werden, aber sie werden langfristig gravierend sein. Wir werden unsere Mitglieder in die Lage versetzen, diese Entwicklungen mit zu gestalten statt sich von ihnen überrollen zu lassen. Und wir werden es den Gründern von Start-ups ermöglichen, mit ihren vielen guten Ideen Gehör im Management der klassischen Versicherungsunternehmen zu finden.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz.

Bild: Torsten Oletzky (Quelle: Insurlab Germany e. V.)

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