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Ökosystem Insurtech: Vom Hackathon bis zum globalen Scouting

03.04.2018 – Digital_Sugar_FotoliaVon Andreas Eckstein und Axel Liebetrau. Veränderung ist das Schlagwort der Zeit. Die Gründe sind unterschiedlich: Globalisierung, Digitalisierung oder demographischer Wandel. Die Folgen für Versicherungen sind immer die gleichen, sich zu verändern oder sich anzupassen. Das erfolgt einerseits intern, indem Projekte für neue digitale Geschäftsmodelle, IT-Modernisierung oder neue Produkte angestoßen werden.

Andererseits gewinnen die Impulse von außen, insbesondere durch InsurTechs, die in den letzten Jahren auf über 2.500 weltweit angewachsen sind, eine immer stärkere Relevanz für Versicherungen. Aktuelle Marktdaten zeigen, dass sich die Versicherungssparte unter den Finanz-Start-ups mehr und mehr zum Investorenliebling entwickelt. Im Jahr 2017 wurden weltweit bei über 200 Deals mehr als 1,8 Mrd. Dollar in Versicherungs-Start-ups investiert.

Im Bereich der Insurtechs zeichnen sich für die nächsten Jahre sowohl bei der Anzahl der Deals als auch bei der Investitionssumme neue Rekorde ab. Dabei nehmen Versicherungen als Investoren eine immer stärkere Rolle ein. Auch mittelgroße Versicherer kaufen sich verstärkt in diesem Segment ein, insb. seitdem sie bemerkten das Hackathons und Innovation Labs zwar kreative Impulse bieten, aber selten eine dauerhafte Quelle für Innovationen sind.

Die hohen Investitionen im Bereich Insurtech könnten auch die Angebote für Versicherungskunden schneller ändern als gedacht und führen dazu, dass viele Versicherer diesem Bereich mehr Aufmerksamkeit beimessen. Während die Investitionen in Insurtechs in den letzten Jahren zumeist im einstelligen Millionenbetrag lagen, ändern sich die Spielregeln grundlegend, durch Investments im zweistelligen Millionenbetrag. Mit diesen Mitteln können Start-ups schnell digitale Versicherungen aufbauen und es wird deutlich, dass eine Technologie, die in einem Markt funktioniert, relativ leicht auf andere internationale Märkte ausgerollt werden kann – aller nationalen Regularien zum Trotz.

Im gleichen Tempo, wie die Anzahl der Insurtechs wächst, nimmt auch die Anzahl der Konferenzen, Inkubatoren, Akzeleratoren und Events zu. Da die Mehrheit der Versicherer sich dazu bekennt, bei den Themen Digitalisierung, Innovation und InsurTech aktiv zu sein, sind diese gezwungen, ihre begrenzten Ressourcen auf die zielbringendsten Aktivitäten zu fokussieren. Dabei können Versicherungen allein in Deutschland aus über 1.000 Veranstaltungen zu dem Thema Digitalisierung und Insurtechs auswählen.

Aktuell kommen fast 90 Prozent der Insurtechs – und insbesondere die Unicorns – aus den USA. Somit scheint es als deutscher Versicherer nur folgerichtig zu sein, sich dort zu tummeln, wo die heißesten Ideen sind. Was viele Versicherer dabei zu übersehen scheinen, ist, dass die Insurtechs im ersten Schritt ihre Lösung für den US Markt anbieten und auch nur für diesen die notwendige Technologie, Lizenzen, Vertriebspartnerschaften etc. aufweisen. Somit klingt manch spannendes Konzept verlockend, lässt sich aber ohne einen beachtlichen personellen und finanziellen Aufwand nicht auf den Heimatmarkt übertragen.

Insgesamt nimmt die Beschäftigung mit dem Thema Insurtech, das bei vielen Versicherungen als Randbereich der Digitalisierung gesehen wird, stetig zu und gewinnt an Bedeutung. Dabei zeigt sich, dass hierfür eine Strategie notwendig ist. Diese sollte umfassen, in welchen Bereichen mit Insurtechs zusammen gearbeitet werden soll und welche Value Proposition man den möglichen Partnern offerieren kann. Zudem ist es wichtig, herauszuarbeiten, wie viele Ressourcen in diesen Bereich der Zukunftssicherung investiert werden sollen. Viele der Beispiele in den folgenden Artikeln zeigen exemplarisch wie diese Zusammenarbeit erfolgen kann und das die deutsche Versicherungswirtschaft viel offener für Neuerungen geworden ist und stärker neue Wege geht.

Link: Buchtipp: Insurance & Innovation 2018

Bildquelle: Fotolia

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