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Niedrigzins: Kunst als lohnenswertes Investment

02.05.2017 – stephan_zilkens_cptAm Samstag schloss die Art Cologne in Köln ihre Pforten für dieses Jahr. Mit einem Schnitt von 52.000 Besuchern liegt die Kunstmesse deutlich unter dem bisherigen Rekordschnitt. Sorgen bereitet den Veranstaltern aber vielmehr der wachsende Konkurrenzdruck. Weltweit gibt es mittlerweile an die 1.000 Kunstmessen. Was die zeitgenössische Kunst angeht, sind die Art Basel, Frieze sowie Art Cologne federführend.

Im Kunsthandel dominieren zudem fünf bis sieben Galerien. Galeristen sind zum Teil dabei ihre Aktivitäten zu virtualisieren. Sie verzichten bisweilen bereits auf eigene Ladenlokale und nehmen stattdessen nur noch am Wanderzirkus durch ein halbes Dutzend Messen jährlich teil. Der Versuch ein Online-Auktionshaus Auktionata zu lancieren ist hingegen fehlgeschlagen. Der Verlust für Investoren: 130 Mio. Euro.

Allerdings macht den etablierten Playern auch die Konkurrenz auf dem heimischen Markt zunehmend Sorgen. So expandieren weltweit operierenden Messegesellschaften wie der MCH Group, Betreiber der Art Basel, mit der Beteiligung an der Art Düsseldorf nun auch auf deutschem Boden. Dies sei nichts anderes als “eine Form von Kolonialismus”, kritisierte Daniel Hug unlängst gegenüber dem Handelsblatt.

Die Weltmarktkapazität für große Kunstmessen beträgt derzeit etwa 3,5 bis vier Mrd. Davon allerdings werden derzeit 2,5 Mrd. Euro von Lloyd’s Syndikaten via Erst- und Rückversicherung zur Verfügung gestellt. Die weltweite Kunstversicherungsprämie inklusive der Prämie aus der Deckung von HNWI life-style assets beläuft sich auf 1,7 Mrd. Euro. Hiervon entfallen auf Deutschland 130 Mio. Euro.

Allerdings stagniert die Marktprämie stagniert seit Jahren, wobei der anhaltenden Ratenverfall in etwa durch den Anstieg der Werte kompensiert wird. Die sich unter Einbezug der alle paar Jahre fälligen Grosschäden errechnende zu erwartende Schadenquote wird hierdurch immer schlechter. Axa Art-Chef Kuklinski, bestätigte: “Der jährliche Ratenabrieb liegt bei zwischen fünf und zehn Prozent. Gewisse unserer Konkurrenten bewegen sich im Bereich des nicht mehr zu verantwortenden. Dem entsprechenden Margendruck können Kunstversicherer im Wege der verstärkten Diversifikation und Internationalisierung begegnen.”

Kunst als lohnenswertes Investment in Zeiten des Niedrigzinses

Vielen Sammler setzen angesichts rekordniedriger Zinsen weiterhin auf Kunst als Investment- und Werterhaltungsmotiv. Kai Kuklinski, Vorstandsvorsitzender der Axa Art: “Sie gehen von einer langfristigen Wertentwicklung aus und betrachten Kunstinvestments als eine Möglichkeit zur Diversifikation”. Dabei sind sie jedoch weniger bereit zu reisen und Messen zu besuchen.

Messechef Hug ergänzt: “Sammler reisen weniger als bislang, eine Kombination der Terror-Verunsicherung sowie der Möglichkeit durch Internet/Social Media in Betracht kommende Werke zu vorselektieren. Während der Messe wollen sie hauptsächlich ihre Galeristen persönliche kennenlernen. Sammler zeitgenössischer Kunst warten auf eine erhebliche Preiskorrektur um dann wieder einkaufen zu können.”

Während der Bereich contemporary art boomt, sind alte Möbel hingegen kaum noch gefragt. Kilian Jay von Seldeneck vom Kunsthaus Lempertz betonte die Notwendigkeit private Sammlungen zu dynamisieren und aufs- und abwärts-Trends einzelner Sammlergebiete vorauszuahnen. “Möglicherweise sollten sich Sammler von zu hoch bewerteten Gerhard Richter Gemälden trennen und stattdessen stark im Preis verfallene Möbel früherer Jahrhunderte zu erwerben”.

Logistik als Herausforderung

Eine weitere Herausforderung ist der immense logistische Aufwand für Montage und Demontage von Kunstmessen. Bodo Sartorius, COO bei ARIS Title Insurance und davor bei Axa Art bezeichnete die Auswahl des geeigneten Spediteurs als essentiell. Die Fluggesellschaft müsse Erfahrung im Umgang mit Kunst besitzen, der Flughafen müsse ein besondere Frachtterminal mit Verzollungsmöglichkeit aufweisen. Anderseits bestehe die Gefahr der späteren Umdisponierung, sodass es nicht zum intendierten Direktflug kommt sondern intermodal operiert wird. So könnten eigentlich vermeidbare LKW-Transporte dazwischenkommen, was das Risiko wesentlich steigert.

In vielen Ländern ist der nationale Zoll auf derartig hochwertige Ware nicht eingestellt, recht häufig werden Kunst-Kisten mangels Platz im Freien gelagert und so klimatischen Bedingungen exponiert, für die auch Klimakisten nicht ausgelegt sind (Schimmelbefall). Sind die Zollpapiere unvollständig so folgt hieraus eine weitere Exposure-erhöhende Verzögerung.

Diebstahl anlässlich von Transporten stellt nach wie vor ein Problem dar. Tracing Systeme für einzelne Kisten vermittels Barcodes und die Verfolgung des Fahrzeugs alleine reichen nicht aus, es bedarf vielmehr eines tracings des hoffentlich noch in der Kiste enthaltenen Objekts selber. Sartorius propagierte den kommenden i2M Standard (integrated Marking Solution), welcher eine übergreifende Objektdatenbank mit der nicht-invasiven Markierung der Kunstobjekte kombiniert.

Immer mehr neue spezialisierte Kunstlager werden errichtet, auch werden andere Gebäude für Zwecke der Kunst- und Valoren-Einlagerung umgerüstet, so auch ein ehemaliges Bundesbank-Zentrum in Thüringen. Versicherer fordern dass diese GRAS (Global Risk Platform) konform sind. Der Standard wurde von Axa Art entwickelt.

Alternative zum permanenten Kunst-Transport wäre die Digitalisierung der Kunst. Es könnte sein dass die Kunst dauerhaft im Lager verschwindet und nur noch in elektronischen Abbildungen betrachtet werden kann, was Risiko eliminieren, aber den Betrachtergenuss reduzieren würde. Jedoch geht die Faszination geht nur vom Original aus, nicht von der gar perfekten Kopie oder Virtualisierung. (cpt)

Bild: Stephan Zilkens anlässlich des Kölner Kunstversicherungsgespräches auf der Art Cologne (Quelle: cpt)

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