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M&M: Mehr BU-Renten in Auszahlung, Neugeschäft sinkt

12.05.2017 – Berufsunfaehigkeit_by_Uta Herbert_pixelio.deDie Tarife sind gut, aber das Geschäft geht zurück. So analysiert die Ratingagentur Morgen & Morgen (M&M) die Lage am Berufsunfähigkeitsmarkt. Stolze 65 Prozent der 524 getesteten Tarife haben die Höchstwertung von fünf Sternen erhalten, aber die Kunden fremdeln mit der Absicherung. VWheute hat bei Peter Schneider, Geschäftsführer von M&M, nach den Gründen gefragt.

Einen Grund für das um acht Prozent zurückgehende Geschäft sieht der BU-Bewerter in Alternativen wie der Erwerbsunfähigkeitsversicherung. Aber das erklärt natürlich nicht alles, weitere Fragen müssen gestellt werden.

VWheute: Lassen Sie uns provokativ beginnen. Ist eine BU mehr als eine Ansammlung unklarer Rechtsbegriffe und warum muss oft ein Richter strittige Fälle klären? Ist es da nicht logisch, dass das Geschäft sinkt?

Schneider: Die Kausalität sehen wir so nicht. Die Bedingungen einer Berufsunfähigkeitsversicherung sind natürlich abstrakt gehalten, da ja auch die Ursachen einer BU vielfältig sein können. Man müsste also entweder ein dickes Buch an AVB schreiben, um jede Möglichkeit abzudecken oder man hält die AVB abstrakt. Außerdem sind abstrakte Regelungen dem deutschen Recht immanent! Das deutsche Zivilrecht ist abstrakt aufgebaut (im Gegensatz zum Case-Law der USA) und innerhalb dieses Rechts müssen sich auch die Verträge bewegen, die auf Grundlage dieses Rechts geschlossen werden.

Ein Rückgang des Neugeschäfts kann auch darin begründet liegen, dass mit der Agenda 2010 die BU-Versicherung aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Rentenversicherung genommen wurde. Auf einen Schlag war somit der Markt vielen Geburtsjahrgängen eröffnet. Dieser wurde nach und nach geschlossen und jedes Jahr kommt jetzt nur ein weiter Jahrgang hinzu, so dass der potenzielle Markt einfach kleiner wird.

Davon abgesehen möchten wir hier aber noch einmal klar betonen, dass mehr BU-Renten in Auszahlung sind. Wir sprechen hier von knapp 260.000 BU-Renten mit einem Volumen von zwei Milliarden Euro.

VWheute: Stolze 65 Prozent der von Ihnen getesteten Tarife erhalten die Bestnote. Wenn die Tarife so gut sind, warum ist der Vertrieb dann so schwierig – Preis, Komplexität des Produkts, mangelndes Risikobewusstsein?

Schneider: Die Quote an Bestbewertungen war ja nicht immer so hoch. In Deutschland ist die Bedingungsqualität – auch durch die von Morgen & Morgen geschaffene Vergleichbarkeit – in den letzten Jahren und Jahrzehnten enorm gestiegen. Natürlich geht eine solche Qualitätsverbesserung immer auch mit einer Preissteigerung oder dem Ausschluss erhöhter Risiken einher.
Der Preis spielt hier die wichtigste Rolle – mit weitem Abstand gefolgt vom Risikobewusstsein. Die Komplexität spielt unserer Meinung nach keine Rolle.

Es ist für einen Vermittler kein Problem, eine Haftpflichtversicherung beim Kunden zu platzieren. Der Kunde kann für einen zweistelligen Jahresbetrag ein Risiko von vielen Millionen Euro decken. Der Preis ist gering, das Risikobewusstsein hoch! Der Kunde setzt sich aber nicht mit der Komplexität einer Haftpflichtversicherung auseinander. Diese ist ähnlich hoch wie die einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Bei einer adäquaten Berufsunfähigkeitsversicherung ist der zweistellige Preis nun aber monatlich zu zahlen. Auch wenn die Medien das Risikobewusstsein in den letzten Jahren enorm geschärft haben, ist in den Köpfen der Menschen immer noch drin, dass es eine kleine staatliche Absicherung (Erwerbsunfähigkeitsversicherung der GRV, Hartz IV) gibt. Zudem ist der Preis für die wirklich hohen Risiken der körperlich tätigen Berufe für diese Einkommensgruppe tatsächlich wirtschaftlich nicht tragbar.

VWheute: Was unterscheidet einen 5-Sterne-Tarif von einer Wertung mit einem kümmerlichen Troststernchen? Lassen sie doch einmal die Leser kurz an ihrer Bewertungspraxis teilhaben.

Schneider: Gerne nennen wir Ihnen Beispiele, was ein 5-Sterne-Tarif leisten muss:

- leistet rückwirkend seit BU-Beginn und nicht erst ab der Meldung beim Versicherer
- die Berufsunfähigkeit muss nur (prognostiziert) sechs Monate vorliegen und nicht „dauerhaft“
- verzichtet auf abstrakte Verweisung
- hat keine unüblichen Einschränkungen (beispielsweise keine Leistung bei psychischen Störungen)

Das ist natürlich nur ein kleiner, aber wichtiger Ausschnitt aus unserer detaillierten Analyse. (vwh)

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz

Bild: Krankheiten können zu Berufsunfähigkeit führen (Quelle: Uta Herbert / PIXELIO / www.pixelio.de)

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