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Mexiko-Beben: Schadenschätzungen gehen auseinander

29.09.2017 – Erdbeben_Helga Doerk_pixelio.deNicht nur die Todesopfer der drei Erdbeben in Mexiko, sondern auch die materiellen Schäden sind enorm: Die Regierung beziffert die Kosten für Reparaturen auf weit mehr als zwei Mrd. US-Dollar (1,7 Mrd. Euro). Experten schätzen die wirtschaftlichen Schäden jedoch viel höher ein. Bis zu zehn Mrd. US-Dollar dürften sie laut United States Geological Survey (USGS) betragen. Rückversicherer halten sich mit ihren Kostenkalkulationen noch zurück.

Allein 370 Mio. Dollar seien für die Reparatur von Schäden in den Bundesstaaten Oaxaca und Chiapas notwendig, die durch das Beben der Stärke 8,2 am 7. September entstanden waren. Das sagte Staatspräsident Enrique Peña Nieto. Damals lag das Zentrum des Bebens im Pazifik, hundert Menschen starben im Süden Mexikos.

Die weitaus höheren Kosten entstanden demnach aber durch das Beben der Stärke 7,1 vom 19. September, das besonders Mexiko-Stadt schwer getroffen hatte. Dabei starben mehr als 330 Menschen, davon knapp 200 in Mexiko-Stadt. Mindestens 44 Gebäude stürzten aufgrund der Erschütterungen ein, 7.000 Gebäude und 5.000 Schulen wurden beschädigt. Aus der Fassade des Arbeitsministeriums stürzten ganze Betonplatten, nachdem es stark beschädigt wurde.

Stadt auf Staub gebaut

Neben den Reparaturkosten für Gebäude in Höhe von rund 570 Mio. Dollar (482 Mio. Euro) wird mit rund 740 Mio. Dollar (626 Mio. Euro) für die Instandsetzung von Schulen gerechnet. Durch die Beben wurden auch mehr als 1.500 Kirchen und historische Gebäude beschädigt. Die Kosten der Restaurierung veranschlagte Kulturministerin María Cristina García Cepeda auf mehr als 400 Mio. US-Dollar (338 Mio. Euro).

Das Fundament der mexikanischen Hauptstadt gilt als besonders fragil, schließlich wurde sie auf dem Lehmboden eines ausgetrockneten Sees gebaut. Der vermeintlich feste Boden unter den Häusern verwandelt sich bei starken Erschütterungen zu Staub. Das Land befindet sich außerdem in Erdbeben-Region. Kurz vor den Erschütterungen wurde noch eine Erdbebenübung abgehalten. Die Formel-1-Rennstrecke in Mexiko-Stadt habe bei dem Unglück keinen Schaden genommen, wie die Betreiber des Autodromo Hermanos Rodriguez mitteilten.

Regulieren müssen vor allem große europäische Rückversicherer

Wie hoch die versicherten Schäden ausfallen, ist noch unklar. Es dauert eine Weile bis Erstversicherer die Schäden an ihre Rückversicherer melden. Bei Munich Re und Swiss Re dürfte es bis zu den ersten Quartalszahlen dauern bis erste Zahlen zu den Schäden publiziert werden können. Hannover Rück stellte wegen dem Erdbeben bereits ihr Gewinnziel in Frage. In Mexiko sind besonders die großen europäischen Rückversicherer involviert, ebenso die aus Bermuda und Lloyd’s Syndikate. Die größten Erdbeben-Risiken zeichnet in Mexiko die Axa Seguros, gefolgt von Seguros Banorte Generali, Seguros Inbursa, Grupo Nacional Provincial and Mapfre. Die versicherten Schäden des Erdbebens könnten laut ERN International 4,8 Mrd. Dollar betragen, AIR Worldwide schätzt sie auf 2,1 Mrd. Dollar.

Vor 32 Jahren hatte Mexiko-City ein schweres Erdbeben mit damals 10.000 Todesopfern heimgesucht. Seitdem waren zahlreiche Gebäude erdbebensicher gemacht und die Baubestimmungen entsprechend angepasst worden. Experten warnten jedoch immer wieder, die getroffenen Maßnahmen reichten weder aus, noch seien sie flächendeckend umgesetzt. Nun zeige sich, dass sie recht hatten, analysiert Aon Benfield. Das Rekordbeben im Jahr 1985 hatte zehn Mrd. US-Dollar an ökonomischen Schäden verursacht. (dg/de)

Bildquelle: Helga Doerk / PIXELIO / www.pixelio.de

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